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Segeberg Vergiftet? Mehrere Rotmilane tot aufgefunden
Lokales Segeberg Vergiftet? Mehrere Rotmilane tot aufgefunden
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23:25 26.06.2018
Ein Jungtier konnte am Sonntag gerettet werden. Der fast ausgewachsene Rotmilan erholt sich im Wildpark Eekholt und soll wieder ausgewildert werden. Quelle: Fotos: Kuhnert
Daldorf/Blunk

Den traurigen Fund machten die Naturfreunde am vergangenen Mittwoch. Zwei Jungvögel lagen tot unter ihrem Horst, ein dritter lebte noch, starb auf dem Weg in die Tierklinik. Ein vierter überlebte und erholt sich nun im Wildpark Eekholt. Am Dienstagmorgen ist zudem eines der Elterntiere auf einer angrenzenden Wiese zu den Landesforsten gefunden worden. „Die Tiere weisen Symptome einer Vergiftung auf“, sagt Nils Kuhnert-Schumacher von der Naturschutzgemeinschaft Blunkerbach. Hochgewürgte Futterreste in Schlund und Schnabel wiesen darauf hin, verkrampfte Fänge, ein sonst guter Ernährungszustand und keine äußeren Verletzungen, die etwa auf einen Kampf hindeuten könnten. Auch die Rückenlage sei ein Indiz dafür – vergiftete Vögel sterben sofort und fallen rücklings zu Boden.

Ein Jungtier stirbt später auf dem Weg in die Tierklinik.
Zwei Junge Rotmilane werden tot unter ihrem Horst gefunden.

„Mehrere tote Vögel auf engem Radius“ legten ebenfalls nahe, erklärt er, dass Eltern einen Giftköder an ihre Jungen verfüttert hätten, die dann nach und nach starben.

Für die Naturschutzgemeinschaft fallen die Umstände verdächtig zusammen: Bewusst hatten sie über Monate die Standorte der Horste gehütet, „da dies aufgrund der in anderen Gebieten bekannt gewordenen Greifvogelverfolgung geboten schien“ – zum Beispiel im Zusammenhang mit Windkraftanlagen. Denn wo der Rotmilan brütet, dürfen keine Windräder gebaut werden – nur im Abstand von 1,5 Kilometern. Areale zwischen Blunk und Daldorf sind als Windkraftvorrangfläche ausgewiesen. „Beide Horste hätten die Flächen in der Blunkerbach-Niederung und auf dem Daldorfer Geestrücken ernstlich tangiert“, erklären die Naturschützer. Dennoch müssten die sensiblen Informationen übermittelt werden, damit die Landesplanung sie berücksichtigen könne. Deutschland hat eine besondere Verantwortung für den Rotmilan, die Hälfte des weltweiten Greifvogel-Bestandes lebt hier. In den vergangenen Jahren gingen die Zahlen rasant zurück.

Solange es keinen Nachweis gebe, handele es sich nur um Indizien, betont Kuhnert-Schumacher. Um Gewissheit zu bekommen, werden die Tiere in einem Berliner Labor untersucht. Das toxikologische Gutachten wird in einigen Wochen erwartet. Die Funde seien in dem ganzen Unglück immer noch ein Erfolg. Wenn niemand die Horste betreue, würden ganze Inhalte verschwinden. „Das ist das Perfide daran, dass ein Täter, wenn es ihn gibt, wovon wir ausgehen, den Standort der Brutplätze nicht genau kennen muss. Er muss den Köder nur in der Nähe auslegen, die Greifvögel tragen ihn ins Nest.“ Vor zwei Wochen waren bereits aus einem zweiten Rotmilan-Horst in der Region zwei Nestlinge und die Altvögel verschwunden. „Die toten Vögel werden zum Beispiel vom Fuchs gefunden und die Spuren sind verwischt“, sagt er.

Nils Kuhnert-Schumacher hat Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Polizei bestätigt deren Eingang. Der Fall ist dem Umwelttrupp des Autobahn- und Bezirksreviers Bad Segeberg übergeben worden.

Dort wartet man ebenfalls das Gutachten ab. Sollte sich der Verdacht der Vergiftung bestätigen, wäre das eine Straftat nach Tierschutzgesetz, erklärt Polizeisprecher Arnd Habermann. Die Naturschutzgemeinschaft hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung, die mit bis zu 1000 Euro belohnt werden. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass präparierte Giftköder auch Hunde und Katzen schwer verletzen oder gar töten können. Es sei auf tote Tiere wie Tauben oder Hühnervögel zu achten.

Polizei Bad Segeberg: Telefon 04551/8840

Ziel Naturschutz

Seit Mitte 2017 ist klar, dass bei Daldorf vier Windräder gebaut werden könnten, daher sammeln die Naturschützer Daten über die Blunkerbach-Niederung. Sie habe Naturschutzqualität als Korridor zwischen den drei Schutzgebieten Tarbeker Moor, Trentmoor und Hamdorfer Binnendüne. Viele Faktoren sprechen dafür, unter anderem auch die ungewöhnlich hohe Anzahl von vier Rotmilan-Jungen auf einem Horst.

Irene Burow