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Segeberg Wildpark Eekholt ist für komplettes Verbot von Bleimunition
Lokales Segeberg Wildpark Eekholt ist für komplettes Verbot von Bleimunition
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21:19 23.01.2020
Elvira von Schenck zeigt eine Bleischrotkugel, die im Magen eines Seeadlers gefunden wurde. Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg/Großenaspe

Nur durch schnelles Handeln konnte der riesige Raubvogel rechtzeitig in die Auffangstation für Seeadler im Wildpark Eekholt gebracht und gerettet werden. Er litt an einer schweren Bleivergiftung. Vergangene Woche wurde die Seeadlerdame wieder ausgewildert. Ende gut, alles gut? Nein, die Vergiftung des Tieres hat die Diskussion um bleihaltige Jagdmunition im wahrsten Sinne des Wortes wieder neu befeuert. Wildtierärztin Elvira von Schenck vom Wildpark Eekholt wünscht sich ein komplettes Verbot von Bleimunition in Schleswig-Holstein. „Ich finde, das Land sollte konsequent sein und Bleimunition ganz verbieten“, sagt sie.

Noch nicht alle Bleimunition verboten

Bisher ist die Bleimunition nur teilweise verboten. Munition, mit der auf Hochwild wie Wildschweine und Rehe geschossen wird, muss seit 2015 bleifrei sein. Schrot, mit dem Niederwild wie Enten und Hasen gejagt wird, muss in der Nähe von Gewässern durch Stahlschrot ersetzt werden, ansonsten darf aber weiter mit Blei geschossen werden. „Mit diesem Teilverbot war Schleswig-Holstein Vorreiter, und wir haben auch gedacht, dass es dadurch weniger Vergiftungen gibt“, sagt von Schenck. Aber das sei ein Irrtum gewesen.

„Im Jahr 2019 hatten wir gleich zwei Seeadler mit einer Bleivergiftung in der Eekholter Pflegestation. Das gab es in 20 Jahren noch nie“, sagt von Schenck. Für sie gibt es dafür zwei Gründe. Zum einen das im Inland noch erlaubte Bleischrott. „Denn Seeadler gehen auch auf Hasen“, erklärt von Schneck. Zum anderen der illegale Gebrauch von Bleigeschossen. „Ich weiß, dass sich das Gros der Jäger an die Gesetze hält. Ich weiß aber auch, dass es Leute gibt, die noch mit verbotener Bleimunition jagen, weil sie zum Beispiel Lagerbestände aufbrauchen wollen oder weil sie sich nicht umgewöhnen möchten.“

Allein bei dem letzten gefunden Seeadler deutet alles auf eine Bleivergiftung durch die Fragmente einer Kugel hin. „Denn Bleischrot sieht eigentlich anders aus“, sagt die Tierärztin, die übrigens selbst gerne Wildfleisch isst. „Aber eben nur, wenn es ohne Blei erlegt wurde, denn das ist ja auch für Menschen ungesund.“

Vorteile der „Bleifreiheit“

Generell auf Blei zu verzichten,ist insgesamt umweltfreundlicher, da kein Blei in den Naturkreislauf gelangt und es keine Grundwasserkontamination gibt

Keine Bleivergiftung durch Aasfraß bei Seeadlern oder anderen Aasfressern. Im Norden sind allerdings im Wesentlichen Seeadler, die das Blei über Aufbrüche aufnehmen, betroffen. Seeadler reagieren besonders empfindlich auf Blei, andere Greifvögel tolerieren das besser. „Allerdings gibt es über andere Vögel auch keine so eine gute Datenlage, weil ein toter Mäusebussard eben auch nicht immer untersucht wird. Da ist der Aufwand zu groß“, sagt Elvira von Schenck vom Wildpark Eekholt.

Keine Partikel im Wildkörper und somit kein kontaminiertes Wildbret, denn das schadet auch dem Menschen. So wird vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlen, dass Schwangere, Frauen, so lange sie Kinder bekommen möchten, und Kinder kein Wild essen, das mit bleihaltiger Munition geschossen wurde.

Geschosse sind besser geworden

Bei der Diskussion geht es jedoch nicht nur um mögliche Vergiftungsauswirkungen auf Menschen oder Tiere. „Bleischrot hat den Vorteil, dass es weicher ist und sich verformt. So führt es schneller zum so genannten Schocktod. Bei Stahlschrot kann es eher passieren, dass das Tier nicht gleich tot ist“, erklärt Oliver Jürgens, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, warum Blei auch Vorteile hat. Auch bei der Umstellung der Büchsenmunition, also der Kugeln für Hochwild, auf bleifreie Munition sei es 2015 immer auch um die Tötungswirkung gegangen. „Damals war die neue Munition allerdings auch noch nicht so ausgereift, heute funktioniert sie genauso gut wie die alte Bleimunition“, sagt Jürgens. Mittlerweile hätten sich eigentlich auch alle an die Umstellung gewöhnt. Er glaubt nicht, dass noch viele Jäger illegal mit verbleiter Büchsenmunition jagen. „Das ist heute eigentlich kein Thema mehr, da wird nicht mehr drüber diskutiert und auch drauf geachtet.“

Die Auswilderung des Seeadlers und den Unterschied bei der Munition zeigen diese Fotos.

Landesforsten waren Vorreiter

Die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF) haben schon 2013, also vor dem gesetzlichen Verbot, beschlossen nur noch „bleifrei“ zu jagen. „Aus Sicht der SHLF besteht kein Grund für die Verwendung bleihaltiger Munition bei der Jagd auf Schalenwild“, sagt der Sprecher der Landesforsten, Ionut Huma. Allerdings wisse man auch bei den Landesforsten, dass es noch viele Jäger gebe, „die leider aus Tradition und aufgrund veralteter Ansichten an bleihaltiger Munition festhalten“.

Die eigenen Erfahrungen mit bleifreier Büchsenmunition seien positiv. „Nach sechs Jahren liegen ausreichend belastbare Ergebnisse vor, die die immer noch vorhandenen Bedenken ausräumen“, sagt Huma. Ob auch das Bleischrott bei der Jagd auf Niederwild im Inland verboten werden sollte, lassen die SHLF offen, da man hier selbst keinerlei Erfahrungen hat. „Die Jagd auf Hase, Kaninchen, Fasan und Fuchs spielt in den Landesforsten keine Rolle“, so Huma. Zudem würden die SHLF nur drei Prozent der Jagdfläche des Landes bejagen. „Da sehen wir uns nicht als Verfechter eines kompletten Verbotes“, betont Huma.

Ministerium hält Regelung für ausreichend

Beim zuständigen Landwirtschaftsministerium Schleswig-Holstein findet von Schenck zumindest derzeit kein Gehör. „Die Regelungen in Schleswig-Holstein sind schon sehr weitgehend. Darüber hinausgehende Änderungen sind derzeit nicht geplant“, sagt ein Sprecher auf LN-Anfrage. Von Schenck bleibt daher nur der Appell an alle Jäger, auf Bleimunition zu verzichten. „Viele können sich gar nicht vorstellen, wie sehr die Seeadler leiden. Vögel sind ja eigentlich stumm, aber Vögel mit Bleivergiftung die jammern und jaulen, die winseln und weinen richtig. Es ist ganz elendig.“

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Abpraller und Anglerblei

In der Diskussion um Bleimunition ging es zunächst auch um die Gefahr durch lebensgefährliche Abpraller. „Die Ergebnisse der damals veröffentlichten Untersuchungen über bleifreie Büchsengeschosse ergaben jedoch keine signifikanten Unterschiede im Abprallverhalten und in der Wirkungsweise im Vergleich mit den bis dahin verwendeten bleihaltigen Geschossen“, so Ionut Huma von den Landesforsten.

Kritiker des Bleiverbots weisen darauf hin, dass Bleivergiftungen auch durch andere Einflüsse als Munition entstehen können. „Wir haben auch mal an Anglerblei gedacht, aber so eine Vergiftung hatte ich bisher nur bei einem Storch. Wir müssen ja schauen, was wir im Körper finden, und das ist bei Seeadlern nun mal vorrangig Jagdmunition, die durch das Fressen von Aas aufgenommen wird“, sagt Wildtierärztin Elvira von Schenck.

Von Sven Wehde

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