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Segeberg "Verrichtungsboxen" für den Straßenstrich an der B 206?
Lokales Segeberg "Verrichtungsboxen" für den Straßenstrich an der B 206?
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12:05 05.08.2014
Die vielen als langsam geltenden Schweizer sind in Sachen Verrichtungsboxen klar auf der Überholspur. Während es an der B 206 in Segeberg gar keinen Sichtschutz gibt, setzt man in Zürich auf überdachte Kabinen mit praktischen Piktogrammen. Ähnliche Boxen in Bonn kosten sechs Euro pro Nacht.
Segeberg

So etwas gibt es nicht? Doch, so etwas gibt es. „Verrichtungsboxen“ findet man nicht nur in der angeblich so prüden Schweiz, sondern sogar in der Stadt, deren Namen in der alten Bundesrepublik das Synonym für Provinz schlechthin war: Bonn. Und vielleicht nun auch bald in Segeberg? Zumindest machte das Gerücht am Stand der Bürgerinitiative gegen die Prostitution an der B 206 die Runde. Vor Möbel Kraft sammelten die Anwohner am Sonnabend (wie berichtet) Unterschriften gegen den Straßenstrich in freier Wildbahn mit allen sich daraus ergebenden Unappetitlichkeiten.

„Knapp 300 Segeberger haben unterschrieben“, so Heino Brandt von der BI. Mit den 400 Unterschriften, die man schon hatte, und noch ausstehenden Listen, die in Hasenmoor und angrenzenden Gemeinden unterwegs sind, haben die BI-Mitglieder aus Bark, Bockhorn und Schafhaus bald das selbstgesteckte Ziel von 1000 Unterschriften erreicht.

Vor allem der ungenierte Geschlechtsverkehr vor Spaziergängern, Hundebesitzern und im Wald spielenden Kindern erzürnt die Anwohner. „In der Verrichtungsbox müsste man das wenigstens nicht mit ansehen, aber wer hält die dann sauber, Wasser gibt‘s ja trotzdem nicht“, hieß es am Sonnabend. Der Leiter des Kreis-Ordnungsamtes ist zurzeit verreist, einer Mitarbeiterin aber war das Thema nicht unbekannt. Zu Details wollte sie sich nicht äußern: „Wir sind noch ganz am Anfang der Prüfung, die Materie ist ja sehr komplex.“

Während Dr. Georg Hoffmann, er vertritt zurzeit die noch bis Monatsende amtierende Landrätin Jutta Hartwieg (SPD), bei einem von Anwohnern geforderten Sperrbezirk auf „die Verdrängungssituation“ verweist, die das Problem nicht lösen, sondern nur verlagern würde und vom Innenministerium eine landesweit geltende Richtlinie gegen Prostitution fordert, gibt es vom Ministeriumssprecher eine eindeutige Abfuhr. „Der Kreis Segeberg muss handeln und kann handeln“, so Thomas Giebeler. Das Innenministerium sehe für eine landesweite Sperrgebietsverordnung derzeit keine Notwendigkeit. Etwas anderes gelte, wenn die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Landesverbände mit inhaltlichen Vorschlägen käme, „dann würden wir uns mit dem Thema beschäftigen“. Darauf gebe es aber keinerlei Hinweise.

„Wir haben kein landesweites Prostitutionsproblem“, so Giebeler. Außerdem sei Prostitution nicht verboten, und das Argument der Verdrängung höre schon bei der nächsten Gebietskörperschaft auf. Bei Städten über 50 000 Einwohnern könne man Prostitution nicht verbieten. „Das ist definitiv kein Fall fürs Innenministerium, sondern für die zuständigen Behörden.“ Neumünster habe gezeigt, wie‘s geht, „der Kreis kann das Problem lösen“.

Angesichts dieser Aussage aus Kiel aber sieht Dr. Hoffmann den Kreis „hilflos, dann können wir auch nichts tun“. Auf die Frage, „dann werden die Anwohner also alleingelassen und sind die Gekniffenen?“ sagt Georg Hoffmann: „Ja, wenn Sie es so nennen wollen.“

Die BI-Mitglieder haben für die Untätigkeit des Kreises noch ganz andere Worte. Heino Brandt kündigt an: „Wir haben auch Rechte, und wir werden unsere Rechte durchsetzen.“

Martina Janke-Hansen