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Segeberg Viel Arbeit für die Schulsozialarbeit
Lokales Segeberg Viel Arbeit für die Schulsozialarbeit
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22:11 21.11.2017
Wenn Kevin im Unterricht verzweifelt, er Streit mit der Lehrerin hat, dann kann der oder die Schulsozialarbeiterin helfen.
Wenn Kevin im Unterricht verzweifelt, er Streit mit der Lehrerin hat, dann kann der oder die Schulsozialarbeiterin helfen. Quelle: Foto: Fotolia
Bad Segeberg

Hier mal 15 Stunden mehr, da 29 Stunden: Als „kräftigen Schluck aus der Pulle“ wertet Amtsleiter Dirk Gosch vom Schulverband Bad Segeberg die beschlossene Aufstockung in der Schulsozialarbeit des Schulträgers. „Schulsozialarbeiter sind mittlerweile nicht mehr wegzudenken“, sagt Gosch. Früher war die pädagogische Arbeit an Schulen allein Ländersache. Das Land bezahlte die Lehrkräfte, die Schulträger waren nur für Gebäude, Mobilar und Schulbücher zuständig. Inzwischen ist dieses Prinzip erheblich aufgeweicht worden.

Der Schulverband Segeberg stockt bei der Schulsozialarbeit mächtig auf. Die Schulen forderten hier mehr Unterstützung und bekommen sie auch. Vor zehn Jahren wurde in Bad Segeberg der erste Schulsozialarbeiter eingestellt. Jetzt sind diese Kräfte gar nicht wegzudenken.

Schulverband und die Stadt Bad Segeberg bezahlen mittlerweile auch pädagogisches Personal. Und das nicht zu knapp. So soll die Franz-Claudius-Schule eine zusätzliche halbe Stelle für Schulsozialarbeit zum nächstmöglichen Zeitpunkt bekommen, und vor allem die Gemeinschaftsschule am Burgfeld ruft nach pädagogischer Hilfe. Für die 876 Schüler soll eine weitere ganze Planstelle hinzukommen.

Damit klettern mit den bewilligten Zusatz-Stunden an den sechs Grundschulen und der Gemeinschaftschule am Burgfeld die Ausgaben beim Schulverband für Schulsozialarbeit von jährlich 238100 Euro auf 342 600 Euro ab 2018, teilte Stadtkämmerin Christiane Ostwald den LN mit.

Das war vor zehn Jahren undenkbar. Nach monatelangem Gezerre mit den Dorfbürgermeistern um die Finanzierung eines Sozialpädagogen an der Hauptschule des Schulzentrums, die damals als sozialer Brennpunkt galt, fing „Pionier“ Igor Barchewitz im August 2007 an. Mit einer auf ein Jahr befristeten Dreiviertel-Stelle. Jetzt, fast genau zehn Jahre später, ist Schulsozialarbeit auch in kleinen Dorf-Grundschulen etabliert.

Damals wie heute sind es die gleichen Probleme: Früher beschäftigte sich der Schulsozialarbeiter mit chronischen Schulschwänzern, heute nennt man das – wie im Antrag der Schule am Burgfeld – vornehm „zahlenmäßige Zunahme von Schulabsentismus“. Früher war von „Zickenalarm“ und „zerstörungswütigen Mädchen“ die Rede. Heute geht es um „sozialen und emotionalen Förderbedarf“. Darüber hinaus ist der Schulsozialarbeiter mit dazu da, ein positives Schulklima zu schaffen. Beste Voraussetzung: Der oder die Nette vergibt ja keine Noten.

Die Schulleiterin der Franz-Claudius-Schule, Göntje Braren, lobt das „große Verständnis“ bei den Politikern im Schulverband. So habe der Bedarf an präventiven Angeboten für die Schüler zur Vermeidung von Gewalt und Suchtverhalten in den letzten zwei, drei Jahren erheblich zugenommen. Auch der Bedarf an Maßnahmen zur „Krisenintervention“ sei gestiegen. Schüler wenden sich nach gewalttätigen Auseinandersetzungen, Mobbingsituationen an die Schulsozialarbeiterin ihrer Schule, Hilke Winkler.

Als Beleg zur Notwendigkeit für noch mehr Sozialarbeit wird auch aufgelistet, dass in mancher Grundschulklassen an die 60 (!) Prozent der Schüler verhaltensauffällig seien. Das reiche von hochbegabten, hypersensiblen bis zu Kindern, die sich extrem respektlos und aggressiv verhielten. Viel zu tun für die Schulsozialarbeiterin. Doch gerade im Förderzentrum der Franz-Claudius-Schule gebe es viele Kinder, die mit emotionalen, sozialen Entwicklungsstörungen in die Schule kommen. Hier soll jetzt verstärkt die neue Schulsozialarbeiter-Kraft an der Schule helfen. Aber warum stellt das Land nicht genügend Lehrkräfte ein? Hautnah erlebt Schulleiterin Braren, dass an Grundschulen und Förderzentren derzeit Lehrerknappheit herrscht. So könnten „nicht alle Stellen mit ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden“.

Mehr Stunden

Hier gibt es mehr Stunden: Die Grundschule Warderfelde stockt die Arbeit ihrer Schulsozialarbeiterin von neun auf zwölf Stunden auf. In der Franz-Claudius-Schule sind es künftig 46, in der Schule am Burgfeld 78 Stunden. In der Bad Segeberger Theodor-Storm-Schule bleiben die 22 Stunden erhalten, die Regelung wurde verlängert. An der Grundschule Neuengörs und Goldenbek wurden die verfügbaren Stunden für Sozialarbeit aufgestockt.

 Wolfgang Glombik