Viele Stellen: Segebergs Kreisverwaltung wird immer größer 
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Segeberg Personal fast verdoppelt: Segebergs Kreisverwaltung wird immer größer
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Viele Stellen: Segebergs Kreisverwaltung wird immer größer 

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08:58 16.12.2020
Großer Bedarf: Der Kreistag hat in den vergangenen Haushaltsdebatten immer wieder Dutzende neue Stellen für die Kreisverwaltung genehmigt.
Großer Bedarf: Der Kreistag hat in den vergangenen Haushaltsdebatten immer wieder Dutzende neue Stellen für die Kreisverwaltung genehmigt. Quelle: Irene Burow
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Vor zehn Jahren haben sich rund 600 Menschen um die Belange der Segeberger Bürger und Kommunen gekümmert. Im kommenden Jahr werden es erstmals mehr als 1000 sein. Allein seit 2015 ist die Mitarbeiterschaft enorm gewachsen. 2018 kamen 77 Stellen dazu, 2019 78, 2020 rund 55 und im jüngsten Kreistag wurden knapp 40 neue Stellen genehmigt. Auf dem Papier werden es in 2021 dann genau 1032,35 Stellen sein. Erst einmal.

Denn schon jetzt ist absehbar, dass es dabei nicht bleibt. „Die Verwaltung hat sich diesmal extrem zurückgehalten. Es gab keine neuen Stellen außer fürs Gesundheitsamt und im Bezug auf Digitalisierung“, sagt Edda Lessing, Fraktionsvorsitzende der SPD im Kreistag. „Aber wir wissen längst, dass die Abteilung für Umwelt und Klimaschutz völlig unterbesetzt ist. Die Mitarbeiter können nicht allen Aufgaben nachkommen. Da muss etwas geschehen. Spätestens, sobald sich die Corona-Krise gelegt hat und alle wieder ihren normalen Aufgaben nachgehen“, sagt Lessing.

Edda Lessing, SPD-Fraktionsvorsitzende Quelle: Bernd Marzi

Neue Jobs? Naturschutzbehörde völlig unterbesetzt

Die Personalentwicklung sei ziemlich gut berechenbar, wenn man sich die vergangenen Jahre anschaut, sagt Toni Köppen, Fraktionsvorsitzender der Wählerinitiative für den Kreis Segeberg (Wi-Se). „Die Aufgaben werden nicht weniger. In Kombination mit der Sanierung des Hauptgebäudes gehe ich davon aus, dass es 2027 bestimmt 1200 Mitarbeiter sein werden.“ In dem Jahr ist die Fertigstellung geplant. Auch er denkt vor allem an die Naturschutzbehörde. „Dort können seit Jahren die gesetzlichen Aufgaben nicht erfüllt werden. Spätestens im März müssen wir reden.“

Und wo sollen die alle arbeiten? Der Kreis baut bereits massiv, um genügend und moderne Büros zu schaffen. An der Rosenstraße werden 150 Kräfte einziehen, erweitert werden könnte dort um 95 Arbeitsplätze. Am Haupthaus an der Hamburger Straße soll draufgesattelt werden, so dass insgesamt 580 Mitarbeiter Platz haben. Nach LN-Informationen hat der Kreis zudem das Grundstück mit dem Gebäudekomplex zwischen der KFZ-Zulassungsstelle und dem Parkplatz hinter dem Behördenhochhaus an der B 206 gekauft. Entstehen könnten dort wohl rund 60 Arbeitsplätze. Die Räume hatte vorher die Bundesagentur für Arbeit genutzt. Und im Notfall tut’s auch weiterhin der Levo-Park, auf den jetzt schon ausgewichen wird. Luft nach oben gibt es also durchaus.

Toni Köppen, Fraktionschef der Wise. Quelle: Wolfgang Glombik

Wachsende Aufgaben, wachsender Fachkräftemangel

Doch ob es immer so weitergehen kann, da wagt Edda Lessing keine Prognose. „Es kommen aber permanent neue Aufgaben auf uns zu, fast täglich. Das muss auch jemand tun.“ Zu schnell werde vergessen, dass die Regierung immer mehr auf die Kreise herunterbreche. Es gebe also begründete Motive für jede einzelne Stelle. Dass so viel zu tun ist, liege zum Beispiel an neuen gesetzlichen Aufgaben und neuen Schwerpunkten wie aktuell die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes oder die Kita-Reform, sagt Kreissprecherin Sabrina Müller. „Digitalisierung wird immer wichtiger. Es gibt eine wachsende Aufgabenfülle, beispielsweise wenn es um die Umsetzung politischer Beschlüsse oder von EU-Vorgaben im Natur- und Umweltschutz geht.“

Dabei dürfe man nicht vergessen, sagt Lessing, dass es sich bei den Stellen lediglich um theoretische Zahlen handele. „Die Jobs zu besetzen, wird das viel größere Problem.“ Momentan bleiben in der Segeberger Kreisverwaltung pro Jahr rund zehn Prozent vakant. Das sind Dutzende freie Posten. Hinzu kommen etwa 50 Postenwechsel. Enormer Wettbewerb herrscht vor allem bei Sachbearbeitern, Sozialpädagogen, Bauingenieuren und Führungsposten. Oft sind mehrfache Ausschreibungen nötig. „Die Verwaltung ist immer optimistisch, aber die Realität sieht eben anders aus“, sagt Toni Köppen.

Doris Grote (CDU), Vorsitzende im Hauptausschuss des Kreistages. Quelle: hfr

Gesamte Personalstruktur überdenken

Doris Grote (CDU) sieht die Personalplanung künftig als eine der wichtigsten Aufgaben des Landrats. „Verändertes Bürgerverhalten und demografische Entwicklung – man muss die gesamte Struktur überdenken“, sagt die Vorsitzende des Hauptausschusses, in dem über Stellen gestritten wird. Zurzeit seien die Behörden räumlich sehr zersplittert. Doch jede neue Stelle sei erforderlich.

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Vielleicht kann die digitale Welt einiges erleichtern. Bis spätestens Ende 2022 rücken ohnehin alle Vorgänge in den Blick: Denn dann müssen den Bürgern Verwaltungsleistungen digital angeboten werden. Dennoch werde die Digitalisierung „wahrscheinlich nicht zu einem Stellenabbau führen“, erklärte die Personalabteilung in der aktuellen Haushaltsdebatte.

Es gilt also wahrlich gut zu haushalten – mit den Arbeitskräften. Um flexibel zu bleiben, werden deshalb immer mehr Jobbeschreibungen breiter aufgestellt. So sollen einige der neuen Fachkräfte fürs Gesundheitsamt bei der Bekämpfung der Pandemie helfen, können später aber woanders einspringen. Zudem werden sie unbefristet eingestellt – denn sonst bewirbt sich kaum jemand mehr.

Personal an diversen Standorten

Weil die Kreisbehörden in Bad Segeberg so verteilt sind, sollen sie am Hauptsitz an der Hamburger Straße wieder mehr gebündelt werden. Das ist eines der Ziele der Sanierung und des teilweisen Neubaus des Ensembles in den kommenden Jahren. Derzeit arbeiten die Mitarbeiterinnen daneben auch im Haus Segeberg gegenüber, im Levo-Park, an der Rosenstraße (Bestandsbau und Neubau), an der Burgfeldstraße, im Alten Bahnhof und in der Volksbank in Bad Segeberg sowie in den Außenstellen des Jugendamtes in Wahlstedt, Kaltenkirchen, Henstedt-Ulzburg, Bornhöved, Bad Bramstedt und Norderstedt.

„Wir haben die Verwaltung gebeten, einen Plan zu erstellen, der die gesamte Refinanzierung aufzeigt. Dann kann man real sehen, welche Stelle von wem bezahlt wird“, sagt Toni Köppen. „Ist es so, dass wir dem Kreisbürger damit auf der Tasche liegen oder sind das maßgeblich Bundes- oder Landesmittel? Wir brauchen diese Auswertung. Nur so können wir in Zukunft fundierte Entscheidungen treffen.“ Die Politik habe es sich da in der Vergangenheit eher leicht gemacht. Die Personalentwicklung seit 2015 sei tatsächlich extrem, sagt Doris Grote. Vorher sei vielleicht über ein bis zwei Stellen diskutiert worden. „Man wird nicht alles auf diese Weise lösen können.“

Von Irene Burow