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Segeberg Vision vom Radschnellweg durch Segeberg
Lokales Segeberg Vision vom Radschnellweg durch Segeberg
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00:16 06.11.2016
Von der Maurepasstraße aus soll die neue Fahrrad-Highway in Henstedt-Ulzburg entlang der Krambek führen: Im Bild: Joachim Brunkhorst (v.l.), Wilfried Mohr und Jens Daberkow (r., alle ADFC) sowie Ole Plambeck und Gero Storjohann (beide CDU) Quelle: Fuchs
Henstedt-Ulzburg

Die Idee hört sich charmant an und könnte viele Autofahrer auf das Fahrrad umsteigen lassen: Ohne den üblichen Stau auf der Straße schnell zur Arbeit oder in die Schule zu kommen. Dafür bedarf es neuer, breiter, attraktiver und gut ausgebauter Radwege, die möglichst ohne Ampeln oder andere Hindernisse auskommen, damit der Radfahrer nicht anhalten oder absteigen muss.

Machbarkeitsstudie für Route von Bad Bramstedt über Henstedt-Ulzburg nach Hamburg in Auftrag gegeben.

Dazu hat der Umweltausschuss des Kreistages jetzt für 100 000 Euro eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die eine erste dieser Radautobahnen planen soll: von Bad Bramstedt über Nützen, Kaltenkirchen, Henstedt-Ulzburg und Norderstedt nach Hamburg. „Diese Route entlang der A-7-Achse bietet das größte Potenzial“, sagt Joachim Brunkhorst, der neue Radverkehrsbeauftragte des Kreises Segeberg aus Norderstedt, selbst begeisterter Radfahrer. Diese Studie soll Mitte nächsten Jahres vorliegen, deren Kosten zu 80 Prozent die Metropolregion Hamburg übernimmt.

Neuerdings stünden dafür sogar Bundesmittel zur Verfügung, kündigt der CDU-Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann an. „Der Bund wird dafür erstmals einen eigenen Fördertopf mit zunächst 25 Millionen Euro bereitstellen.“ Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt habe ihm versichert, er wolle „Radverkehre pushen“.

Wie der Schnellweg durch Henstedt-Ulzburg verlaufen könnte, hat der CDU-Ortsverband mit örtlichen Vertretern des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) ausgearbeitet: Dieser zehn Kilometer lange Radschnellweg soll vom AKN-Bahnhof Haslohfurth entlang der A-2-Linie zunächst über Meeschensee und Ulzburg-Süd führen. Im Norden der Großgemeinde könnte er über einen Feldweg bei Kisdorffeld von der L 326 abweichen und in Richtung Kaltenkirchen weitergehen, erläutert Wilfried Mohr vom ADFC.

„Wir haben das den ‚Fahrrad-Highway' für Henstedt-Ulzburg genannt, der ausschließlich von Radfahrern genutzt werden soll“, erklärt Jens Müller vom Umwelt- und Planungsausschuss. Dies würde ein vier Meter breiter Radweg sein, flankiert von Büschen und Bäumen und ausgestattet mit LED-Beleuchtung in der Mitte zur besseren Orientierung, kündigt der CDU-Gemeindevertreter an. Rathaus und Geschäfte im Ortskern sowie die Schulen, Kindergärten und Sportzentren wären endlich umweltfreundlich und schnell auch ohne Auto zu erreichen.

Um dafür Bundeszuschüsse zu erhalten, die der Bundestag in diesem Jahr beschließen werde, so Storjohann, müsste der Radschnellweg mindestens vier Meter breit und fünf Kilometer lang sein und noch mit einem zwei Meter breiten Fußweg ausgestattet sein.

Auf dem ersten Abschnitt des Ruhr-Radschnellweges zwischen Essen und Mülheim, der insgesamt 100 Kilometer lang und wegen der vielen Brücken 185 Millionen Euro teuer werden soll, könne man sich eine solche LED-beleuchtete Radautobahn schon mal ansehen. Der Bund hätte dieses Projekt mit 360000 Euro gefördert, so Storjohann. Nun sei die Landesregierung in Kiel am Zuge, dem Bund möglichst schnell Routenvorschläge zu machen, damit dies auch in Schleswig-Holstein umgesetzt werden könnte. „Wir müssen Druck von unten machen.“ Für den jetzt geplanten etwa 35 Kilometer langen Radschnellweg von Norderstedt nach Bad Bramstedt rechnet Brunkhorst mit 600000 Euro Baukosten je Kilometer, also 2,1 Millionen Euro. Zum Vergleich: Ein Kilometer Bundesautobahn kostet etwa zehn Millionen Euro, sagt Storjohann.

In Norderstedt könnte der neue und breite Radschnellweg an der Schleswig-Holstein-Straße entlang führen, so der Bundestagsabgeordnete. „Und über die B 432 stelle ich mir am Ochsenzoll eine Brücke vor, über die die Radfahrer ohne anhalten zu müssen nach Hamburg reinfahren.“ Es gehe in erster Linie darum, ohne Stau schnell zur Arbeit zu kommen.Die Arbeitgeber würden sich zunehmend darauf einstellen und ihren Mitarbeitern Duschmöglichkeiten zur Verfügung stellen.

Ursprung in Holland

Der ADFC definiert Radschnellwege als Radverkehrsverbindungen, die Wohn- und Gewerbegebiete oder Stadtzentren miteinander verknüpfen. Ihr besonderes Merkmal ist dabei die Möglichkeit einer gleich bleibenden Fahrgeschwindigkeit mit relativ geringem Energiebedarf, was durch Kreuzungsfreiheit (Unter- und Überführungen), Geradlinigkeit oder große Kurvenradien, durch gute Oberflächenbeschaffenheit und größere Radwegbreiten erreicht wird. Dieser Planungsansatz hat seinen Ursprung in den Niederlanden und findet zunehmend Nachahmung in Europa.

 Burkhard Fuchs