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Segeberg Vorsitzende der Kreis-Landfrauen nimmt ihren Hut
Lokales Segeberg Vorsitzende der Kreis-Landfrauen nimmt ihren Hut
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18:28 19.02.2019
Von unzähligen Reisen mit den Landfrauen hat Jutta Neuber Anstecker mitgebracht – und an ihren Hut gepinnt. Quelle: Irene Burow
Seedorf

An den Schlüsselmoment, mit dem ihre Landfrauen-Laufbahn begann, erinnert sich Jutta Neuber genau. „Manche Sätze sind so markant, dass man sie nicht vergisst“, sagt sie. Es war 1981, als ihre Nachbarin zu ihr sagte: „Du gehörst zu den Landfrauen, da musst du rein.“ Sie wurde Teil des Ortsvereins Schlamersdorf. Das ist nun 40 Jahre her. Bei der Neuwahl des Kreisvorstandes am Mittwoch tritt sie nicht mehr an. „Es ist einfach an der Zeit“, sagt sie. Jüngere wollen nachrücken. „Dann muss man das Zepter aus der Hand geben.“

Vom Reiterball zur Führungsrolle

In den ersten Jahren als Landfrau „habe ich mir nur die Rosinen herausgepickt“, erinnert sich die 66-Jährige. Zehn Jahre später tat es ein Schnack beim Reiterball, und „bei Eierlikör am Tresen“, entschied sie sich, zweite Vorsitzende im Ortsverein zu werden. 1995 wurde sie Vorsitzende. Es war wieder so ein Satz, der unvergessen bleibt: „Jutta, Du musst sagen, wo es langgeht“, gab man ihr mit auf den Weg. Für sie stimmt das bis heute.

Jutta Neuber mit ihrem Sohn Andreas im September 2018 beim Sommerfest des Bundespräsidenten. Quelle: privat

Zu Gast beim Bundespräsidenten

Inzwischen sind nach 16 Jahren Arbeit im Ortsvorstand (bis 2007), 20 Jahren im Kreisvorstand und mehreren Jahren im Landesvorstand Jahrzehnte an ehrenamtlichem Wirken zusammengekommen – allein bei den Landfrauen. Dazu war sie 24 Jahre Gemeindevertreterin, zehn davon stellvertretende Bürgermeisterin von Seedorf. „Ein Jahr lang bleibe ich noch Beisitzerin im Landesvorstand der Landfrauen, dann mache ich endgültig meine Aktentasche zu“, sagt sie. Eine schöne Geste der Anerkennung war im vergangenen September die Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Sommerfest auf das Schloss Bellevue. Unter den 4000 Gästen tummelten sich 30 Landfrauen aus dem Kreis Segeberg. „Dort haben wir wirklich Wertschätzung erfahren“, sagt die scheidende Kreisvorsitzende.

Ein Leben für die Frauen

Kurz vor der Kreisversammlung atmet sie noch einmal tief durch. „Ein Teil der Landfrauen zu sein, hat mein Leben geprägt, ganz klar.“ Es sei höchst interessant gewesen. „Man lernt fürs Leben, lernt unzählige Menschen kennen, die man sonst nicht getroffen hätte“, sagt Jutta Neuber. Immer wieder hieß es für sie Reisen organisieren, Programme stricken, Kontakte knüpfen – ungezählte Male zum Telefonhörer greifen. Um mit Bürgermeistern und Pröpsten ins Gespräch zu kommen, mit Rednern, wie NDR-Ärztin Anne Fleck, oder anderen Vereinen. Sogar Björn Engholm war bei den Landfrauen zu Gast.

Gewichtige Stimme im Land

Doch immer war es eine Arbeit von Frauen für Frauen. Die Teamarbeit hat sie geschätzt und die Harmonie, mit denen sich Landfrauen stets begegneten. Und dabei geht es nicht nur um Zeitvertreib. „Landfrauen sprechen mit einem gewichtigen Wort“, sagt die Seedorferin. Eine Organisation mit 35 000 Mitgliedern im Land bleibe nicht ungehört. „Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn die Landfrauen anrufen, gibt es immer ein offenes Ohr.“

Ziel: Gemeinsame Weiterbildung

In manchen Punkten haben sich die Inhalte bei den Landfrauen verändert. „Ich habe in alten Protokollen herumgeforscht. Das erste, was die Frauen in unserem Ortsverein gemacht haben? Sich eine Bosch-Küchenmaschine vorführen zu lassen“, schmunzelt sie. Für die Frauen von heute sei es eben der Thermomix. Aber die Interessen sind über die Jahre unverändert geblieben: Gesundheit, Ernährung und Erziehung zum Beispiel. Ausfahrten und Betriebsbesichtigungen gehören schon immer zum Programm. Reisen führen durch ganz Europa, gar bis Mexiko und Indien. „Hintergrund war stets, sich weiterzubilden“, so Neuber. Die größte Frauenorganisation im ländlichen Raum hat sich das per Satzung auf die Fahnen geschrieben.

Jutta Neuber dürfte bei der Kreismitgliederversammlung gebührend verabschiedet werden. Die Sitzung leitet sie bis zum Schluss. Dann übernimmt eine neue Vorsitzende das Zepter und ein junger Vorstand, so viel lässt sie durchblicken. „Anders könnte ich das auch gar nicht, dazu bin ich zu verantwortungsbewusst.“

Die Landfrauen

35000 Mitglieder sind im Land auf 169 Ortsvereine verteilt. Im Kreis Segeberg gibt es 2464 Mitglieder in 19 Ortsvereinen. 2014 hatte sich der Verein in Segeberg aufgelöst, Ende 2018 der in Heidmühlen. Es hatte sich keine Nachfolge für den Vorsitz gefunden.

2017 haben sich in Segeberg die Jungen Landfrauen gegründet. Sie entwickeln ihr eigenes Programm – von Betongießen bis Palettenbau. Sie sollen Mitglied im Ortsverein werden, organisieren sich aber kreisweit.

Irene Burow

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