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Segeberg WZV: Erleichterung über klares Votum
Lokales Segeberg WZV: Erleichterung über klares Votum
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21:10 25.04.2018
Gerd Lentföhr, Hans-Jürgen Kütbach, Werner Lembcke und Hans-Hermann Schütt (v. l. hier zusammen mit WZV-Mitarbeiterin Sandra Binder) sind über die große Zustimmung erleichtert.
Gerd Lentföhr, Hans-Jürgen Kütbach, Werner Lembcke und Hans-Hermann Schütt (v. l. hier zusammen mit WZV-Mitarbeiterin Sandra Binder) sind über die große Zustimmung erleichtert.
Bad Segeberg

Glücklich über den Schritt, Jens Kretschmer (53) nach 20 Jahren im Amt vor die Tür zu setzen, war mit Sicherheit niemand der anwesenden Stimmberechtigten. Auch Dr. Beatrix Klüver, Vorsitzende der Verbandsversammlung, hat einen Tag nach der Abstimmung erst einmal durchgeatmet. „Man muss dabei ganz klar die menschliche Seite und das Wohl des WZV voneinander trennen“, sagte Klüver, die auch Mitglied des Hauptausschusses ist. Die Entscheidung zur Freistellung Kretschmers hatte dieser während ihres Urlaubs getroffen. „Ich war aber immer informiert“, sagte die Bürgermeisterin von Tensfeld.

Eine solche Entscheidung wie am Dienstag in der Wiemersdorfer Hausmannspost hat es beim Wege-Zweckverband (WZV) noch nie gegeben: Mit 85 von 98 möglichen Stimmen haben die Bürgermeister und Delegierten die Abberufung des Verbandsvorstehers in die Wege geleitet.

„Man muss ganz klar die menschliche Seite und das Wohl des WZV

voneinander trennen. Dr. Beatrix Klüver,

Vorsitzende der

Verbandsversammlung

Gerd Lentföhr, Vorsitzender des Hauptausschusses, ist froh und dankbar, dass die Entscheidung der Verbandsversammlung so eindeutig ausgefallen ist. „Mit einem solch deutlichen Ergebnis haben auch wir nicht gerechnet“, sagte Gerd Lentföhr, der am Donnerstagmorgen um sechs Uhr zusammen mit Dr. Beatrix Klüver und Justiziar Nis Nissen den Mitarbeitern in der Werkstatt Rede und Antwort stehen wollte.

„Wir werden den WZV weiterführen. So weit es mir möglich ist, werde ich mich kümmern. Oberstes Ziel aber ist es, wieder Ruhe in den Betrieb zu bekommen“, sagte Gerd Lentföhr, der damit offenbar auch den Mitarbeitern aus den Herzen spricht. Sie haben ein Statement an die Presse weitergegeben, das sie am Dienstag auch den Bürgermeistern vorgetragen hatten. Darin heißt es unter anderem: „Die Belegschaft und der Betriebsrat unseres WZV möchten aktiv mithelfen, dieses Unternehmen wieder in ruhige Gewässer und auf die Erfolgsspur zurückzuführen.“ Sie und die Verbandsversammlung hätten das gleiche Ziel, das nur zusammen erreicht werden könne. Die eindeutige Entscheidung der Verbandsversammlung wurde vom Betriebsrat auf jeden Fall begrüßt.

Auch Götz Leonhardt, Bürgermeister aus Strukdorf, begrüßt dass klare Abstimmungsergebnis der Verbandsversammlung. „Grundsätzlich halte ich Jens Kretschmer für einen tollen Manager, der tolle Leistungen gebracht hat. Aber: Der Hauptausschuss ist für ihn ein Weisungsgremium. Wenn man als Mitarbeiter nicht bereit ist, dessen Vorgaben anzunehmen, geht es einfach nicht mehr“, so Leonhardt.

Lob zollt er dem Hauptausschuss. „Manchmal müssen auch krasse Entscheidungen getroffen werden. Ich finde es ganz beachtlich, dass sich der Hauptausschuss zur Freistellung durchgerungen hat“, sagte Leonhardt. Er wünscht sich als Nachfolger Kretschmers einen Verbandsvorsteher, der nicht aus dem WZV kommen sollte.

Gemischte Gefühle hegt Ulrich Schulz, Amtsvorsteher des Amtes Leezen und Bürgermeister der Gemeinde Leezen: „Wir haben natürlich alle lange mit Jens Kretschmer zusammengearbeitet. Die Gebühren sind lange stabil geblieben. Auf der anderen Seite sind da plötzlich die großen Finanzierungslöcher. So etwas geht natürlich nicht.“

Die zweite erforderliche Abstimmungsrunde der Verbandsversammlung soll am 29. Mai erfolgen. Gerd Lentföhr, der die Geschäfte des Verbandsvorstehers kommissarisch übernommen hat, und der stellvertretende Vorsitzende des Hauptausschusses, Hans-Jürgen Kütbach, hoffen, dass es bis dahin eine einvernehmliche Lösung zur Trennung von Jens Kretschmer gibt. Dass der offenbar als Abfindung vier Jahresgehälter in Höhe von jeweils rund 140000 Euro fordert, scheint nicht das größte Problem zu sein. Knackpunkt seien die Versorgungsansprüche Kretschmers, die er über die Vertragslaufzeit (2022) hinaus fordere. Nach LN-Informationen sollen diese 70 Prozent eines Jahresgehaltes bis zum Eintritt ins Rentenalter betragen. Das allein wären für den WZV Aufwendungen in Höhe von fast 1,2 Millionen Euro.

Petra Dreu

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