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Segeberg WZV trennt sich von seinem Chef Jens Kretschmer
Lokales Segeberg WZV trennt sich von seinem Chef Jens Kretschmer
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13:35 28.03.2018
Jens Kretschmer (53), seit 20 Jahren Verbandsvorsteher. Quelle: Wolfgang Glombik
Bad Segeberg

Dass die Chemie zwischen Jens Kretschmer und dem Hauptausschuss nicht mehr stimmt, war bereits seit Langem bekannt. Dennoch überschlugen sich am Dienstagvormittag die Ereignisse. Die für neun Uhr angesetzte Hauptausschusssitzung hatte nur noch einen Tagesordnungspunkt: Personalangelegenheiten. Als der Verbandsbeirat mit einer Stunde Verspätung tagte, verabschiedete sich Jens Kretschmer per Handschlag von den Anwesenden und verließ den Sitzungssaal.

Um 14 Uhr schließlich verkündeteten Gerd Lentföhr (Bürgermeister in Seedorf) und Hans-Jürgen Kütbach (Bürgermeister Bad Bramstedt) für den Hauptausschuss offiziell die Entscheidung. „Verbunden mit dem Ziel, eine einvernehmliche Lösung zu finden, hat der Hauptausschuss den Verbandsvorsteher freigestellt“, sagte der Ausschussvorsitzende Lentföhr. Als Grund nannte er „unüberbrückbare Dissonanzen“ zwischen Kretschmer und Hauptausschuss. Oberstes Ziel sei jetzt eine einvernehmliche Trennung, auf die sich die Rechtsanwälte beider Seiten möglichst bis zum 9. April einigen sollen. Kommt es zu keiner Einigung, käme es auf die Verbandsversammlung am 24. April an.

Das Verfahren vor der Verbandsversammlung mit 105 Stimmberechtigten wäre kompliziert. In zwei aufeinanderfolgenden Sitzungen müsste eine Zweidrittelmehrheit für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses stimmen. Erst nach dieser möglichen zweiten Sitzung könnte eine Stellenausschreibung erfolgen.

Vor 20 Jahren war die erste von mittlerweile drei „Bestellungen“ Jens Kretschmers zum Verbandsvorsteher erfolgt, jeweils über eine Laufzeit von acht Jahren. Sein aktuelle Amtszeit würde somit erst 2022 enden. Dass er nicht freiwillig geht, daran lässt Jens Kretschmer keinen Zweifel: „Der WZV ist mein Lebenswerk. Ich hätte gerne weitergemacht und bin der Auffassung, dass wir viele erfolgreiche Themen angegangen sind. Die jetzigen Differenzen wären heilbar gewesen“, sagte Kretschmer, der bei der offiziellen Bekanntgabe seiner Freistellung dabei war.

Hans-Jürgen Kütbach ging darauf ein, dass Kretschmer über viele Jahre hervorragende Arbeit geleistet habe. „Aber in den letzten zwei Jahren hat es eine Häufung von Meinungsverschiedenheiten gegeben, sodass wir zum Handeln gezwungen waren. Es geht nicht um strafbare Handlungen, sondern die Zusammenarbeit mit den WZV-Organen ist gestört“, betonte Kütbach. Er sagte, dass der Hauptausschuss sogar darüber nachgedacht habe, selbst geschlossen zurückzutreten. „Aber mit einem neu besetzten Ausschuss wäre es auch nicht besser geworden.“

Offiziell übernimmt der Hauptausschussvorsitzende Lentföhr die Geschäfte des WZV. Interner Ansprechpartner ist Jens Kretschmers bisherige „rechte Hand“, Justiziar Nis Nissen (40), der vor sechs Jahren zum Verband wechselte und mittlerweile den Bereich Recht und Zentrale Dienste leitet. Den von Kretschmer eingeschlagenen Weg der Neustrukturierung mit Gründung einer neuen WZV-Tochter will er weiterverfolgen.

Dass er und Kretschmer in vielen Punkten mit einer Stimme gesprochen hätten, sei richtig. „Es gibt Handlungsnotwendigkeiten, die einfach da sind. Die Gremien sind immer eingebunden gewesen“, so Nissen, der sich von dem Vorwurf freimachen will, Sprachrohr Kretschmers zu sein. „Ich bin Angestellter des Wege-Zweckverbandes und nicht des Verbandsvorstehers.“

Den Stein ins Rollen gebracht hat offenbar ein Schreiben aus den Reihen der Verbandsversammlung an die Kieler Staatsanwaltschaft. Ihr wurden zahlreiche Unterlagen übersandt. In diesem Anschreiben, das den LN vorliegt, ist von dem „Verdacht einer Straftat“ die Rede, die sich aus den beigefügten Schriftstücken ergebe. Der Hauptausschuss-Vorsitzende Gerd Lentföhr: „Dazu kann ich nichts sagen.“ Auch zu angeblichen Liquiditätsproblemen des WZV äußerte sich Lentföhr nicht. Fakt ist, dass es im WZV schon lange gärt. So sorgte Kretschmer mit seiner Ankündigung, WZV-Leistungen ausschreiben zu wollen, für großen Ärger in der Belegschaft. Zudem hatte die Finanzierung des Breitbandausbaus aus Rückstellungen für die Deponie sowie die Beschäftigung seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau in einer Schlüsselposition für Unmut bei Mitarbeitern und WZV-Gremien gesorgt.