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Segeberg WZV will Müllabfuhr mit Wasserstoff-Antrieb testen
Lokales Segeberg WZV will Müllabfuhr mit Wasserstoff-Antrieb testen
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16:21 20.06.2019
Wasserstoff-LKW unterscheiden sich äußerlich nicht von den üblichen Müllfahrzeugen. Quelle: SGB
Segeberg

Der Wege-Zweckverband (WZV) will grüner werden: Als einer der ersten Abfallentsorger im Bundesgebiet will er Müllfahrzeuge mit Wasserstoff-Technologie testen. „Wir bemühen uns um einen Modellversuch“, bestätigt Julia Hobohm, Leiterin der Abfallwirtschaft des WZV.

„Es gibt inzwischen tatsächlich diese Technik, die man im Bereich Abfall einsetzen kann.“ Der Wasserstoff-LKW wäre ein Hybrid, erklärt sie. „Er fährt elektrisch, die Schüttung erfolgt mit Wasserstoff-Technologie.“ Es sei sogar schon möglich, mittels Elektrolyse Wasserstoff aus Bioabfall zu gewinnen.

Wie bei „Zurück in die Zukunft“

„Das wäre ein sehr schöner Kreislauf, wenn wir den gesammelten Bioabfall nutzen, um für die Sammlung Energie zu erzeugen“, sagt Hobohm, die Verfahrenstechnik studiert hat. „Das ist ein bisschen wie bei ,Zurück in die Zukunft’“, schmunzelt sie. In dem Film wandelt ein aus der Zukunft geliehenes Gerät, der Fusionsgenerator, jegliche Materie in Energie um. Im Film war das immer Müll.

Die Firma Zoeller habe als bisher einziges Unternehmen einen serienreifen Wasserstoff-LKW entwickelt und werde diesen im Mai 2020 auf der IFAT (Messe für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft) in München vorstellen, heißt es vom Zweckverband. Ein Fachmann sei bereits in Segeberg gewesen mit dem Vorschlag, dass der Kreis zum Testgebiet wird.

„Wir müssen Entsorgung neu denken“

Julia Hobohm widmet sich dankbar dem Projekt, emissionslos Müll zu sammeln. Auch wenn das erste Sammelfahrzeug in Segeberg frühestens in zwei Jahren rollen würde. „Wir haben eine große Flotte an LKW, um die Aufgaben zu bewältigen“, schildert Hobohm. „Derzeit fahren alle noch mit Dieselmotoren. Diese Technologie ist aber veraltet. In Sachen Feinstaub, CO2-Ausstoß und Lärmbelästigung lässt sich daran nicht mehr viel verbessern“, bedauert die Abfallchefin.

Dr. Julia Hobohm will eine grünere Müllabfuhr. Quelle: Irene Burow

Mit klassischen Mitteln wie der Tourenplanung vermeidet der WZV bereits unnötige Fahrten. Nun soll aber auch technologisch umgestellt werden. „Wir müssen Entsorgung neu denken“, sagt sie. Die Logistik nachhaltig und zukunftsfähig zu machen und dabei bezahlbar zu halten, sei eine der Kernaufgaben eines modernen Abfallwirtschaftsunternehmens.

Ganz billig wird das nicht. Rund 500 000 Euro kostet ein Wasserstoff-LKW. „Wir wollen das durchweg gefördert umsetzen. Entgeltzahler werden durch dieses Projekt nicht belastet“, verspricht sie. „Wir überlegen auch, das Fahrzeug erst mal zu leasen.“ Sie ist zuversichtlich.

Partner könnten sich Wasserstofftankstelle teilen

Das größte Problem sei noch das Auftanken. Es gibt Überlegungen, eine mobile Wasserstofftankstelle zu entwickeln und diese mit anderen Partnern zu teilen. Dann wird es wirtschaftlich. Bis dato gibt es in Schleswig-Holstein erst eine handvoll Wasserstofftankstellen; drei in der Nähe der dänischen Grenze, in Husum und Brunsbüttel.

Rein batteriebetriebene Elektro-Antriebe im LKW-Verkehr sind bisher noch unwirtschaftlich. Nicht nur das Gewicht der notwendigen Batterien spricht dagegen. Der zusätzliche Strombedarf müsste laut WZV durch 25 neue Kraftwerke oder 68000 Windräder gedeckt werden. Außerdem fehlten die Stromleitungen.

Julia Hobohm ist überzeugt, dass Wasserstoff auch eine Lösung für die Fahrzeugflotte des WZV sein könnte. Die Müllabfuhr fahre viel in der Stadt, viel im Modus „Stop and go“ – es gibt also genug Potenzial grüner zu fahren.

Sauber, leise und wartungsarm

Die neue Idee wäre zwar noch nicht zu hundert Prozent emissionslos, beispielsweise durch den Reifenabrieb der Fahrzeuge. „Es ist aber wesentlich umweltfreundlicher, erneuerbare Energien zu nutzen“, sagt sie. „Die Wasserstoff-LKW sind sauber, leise und deutlich wartungsärmer als unsere Dieselmodelle.“ Mit Kombinationen aus Lithium-Batterien und Brennstoffzellen würden optimale Einsatzzeiten und Reichweiten erzielt. Bremsenergie würde zurückgewonnen und gespeichert werden.

Umwelt- und Ressourcenschutz als Aufgabe

„Klimawandel und Umweltverschmutzung sind Themen, die jeden angehen. Auch wir als kommunales Abfallentsorgungsunternehmen haben uns Umwelt- und Ressourcenschutz zur Aufgabe gemacht und sind seit Jahren bestrebt, einen Beitrag für sauberere Zukunft zu leisten“, heißt es offiziell vom WZV. Die Ergebnisse der Europawahl hätten es gezeigt: Parteien, die sich den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben haben, konnten große Zuwächse verzeichnen.

Bundesweit soll es mehrere Testgebiete für die grüne Müllabfuhr geben. Unter anderem in Großstädten. Segeberg gehört jedoch zu den ersten. Die Verbandsversammlung muss noch zustimmen.

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