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Segeberg Sonniger Nachmittag für Segebergs Sozialdemokraten
Lokales Segeberg Sonniger Nachmittag für Segebergs Sozialdemokraten
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21:00 09.05.2019
Wahlkampfauftritt von Katarina Barley, SPD-Spitzenkandidatin zur Europawahl, auf dem Marktplatz in Bad Segeberg. Quelle: Oliver Vogt
Bad Segeberg

Bei Umfragewerten von unter 20 Prozent gibt es im Leben von Sozialdemokraten derzeit nicht sonderlich viele Höhepunkte. Der Donnerstag in Bad Segeberg war da mal eine Ausnahme: Katarina Barley, Justizministerin des Bundes und Spitzenkandidatin der SPD zur Europawahl am 26. Mai, war für eine Wahlkampfveranstaltung auf den Marktplatz gekommen – auch zur Freude ihrer hiesigen Genossen.

Kevin Kühnert war nur Vorprogramm

Knapp 200 Segeberger verfolgten rings um die zu allen Seiten offene Bühne den Auftritt der 50-jährigen Deutsch-Britin. Als zusätzlichen Anreiz hatten die Wahlkämpfer zwei Stände mit Kaffee und Gratis-Waffeln aufgestellt. Der ebenfalls auf den Plakaten angekündigte Juso-Chef Kevin Kühnert, der mit seinen Thesen zur Verstaatlichung von BMW zuletzt einiges Aufsehen und einige Empörung ausgelöst hatte, war zwar auch da. Wer allerdings auf eine Debatte mit ihm gehofft hatte, wurde etwas enttäuscht. Gemeinsam mit den Schleswig-Holstein-Kandidaten Delara Burkhardt und Enrico Kreft durfte Kühnert lediglich das kurze Vorprogramm bestreiten. Während einer kurzen Talkrunde wiederholte er zwar seine Vorschläge in etwas abgeschwächter Form: „Unternehmen sollen der Gesellschaft ihren gerechten Teil zurückgeben“, wofür es auch ein bisschen Applaus gab. Darüber hinaus blieb der besonders bei Konservativen zur Reizfigur gewordene Juso-Chef leider nur Beiwerk.

Juso-Chef Kevin Kühnert (l.) neben dem SPD-Europakandidaten Enrico Kreft. Quelle: Oliver Vogt

„Liebe Bad Oldesloerinnen und Bad Oldesloer“

Eine kleine Peinlichkeit leistete sich Serpil Midyatli, seit März Landeschefin der SPD Schleswig-Holstein, als sie die Katarina Barley anmoderierte: „Liebe Bad Oldesloerinnen und Bad Oldesloer“ war kaum die geeignete Ansprache für den Bad Segeberger Marktplatz, wie die 43-Jährige nach empörten Ausrufen aus dem Publikum feststellen musste.

Das blieb an dem sozialdemokratischen Nachmittag aber auch der einzige Ausreißer. Eine sehr entspannt wirkende Katarina Barley traf bei sonnigem Wetter auf eine ebenfalls sehr entspannte Zuhörerschaft. „Eine tolle Stadt, die ihr hier habt“, stieg die 50-Jährige in ihren Wahlkampfauftritt ein. Die selbst gestellte Frage, warum sie ihr Amt als Justizministerin an den Nagel hängen und stattdessen lieber Abgeordnete in Brüssel sein will, beantworte sie dann auch gleich. „Ich bin Europäerin durch und durch und ich lebe für Europa“. Angesichts ihrer multinationalen Verwandtschaft lasse sich „mehr Europa in einer Person auch kaum finden“, kokettierte die gebürtige Kölnerin ein wenig.

Brexit eine „Zockerei von Oberschichtenjungs“

Interessant waren ihre Aussagen zum Brexit, den sie – unter Applaus – als „Zockerei von verwöhnten Oberschichtenjungs“ geißelte. Ihre umstrittene Bundestag-Äußerung wonach der Brexit ein von Männern angerichteter Unfug sei, den die Frauen aufräumen müssen, nahm sie aber zurück. „Da würde ich so nicht wiederholen.“ Denn auch Theresa May, die sie lange verteidigt habe, sei bei der Bewältigung dieser Aufgabe bisher auch nicht mit glücklicher Hand vorgegangen. Was inzwischen in Großbritannien, Heimatland ihres Vaters ablaufe, sei „einfach total irre“, sagte Barley.

Auch Professor Asmus Hintz nutze die Gelegenheit, Katarina Barley ein paar Fragen zu stellen. Quelle: Oliver Vogt

Einen Seitenhieb teilte die Justizministerin gegen die populistisch regierten Länder in Osteuropa aus. Als sich während ihres Auftritts zwei kleine Hunde kläffend in die Haare bekamen, bemerkte Barley süffisant: „Ich sage jetzt nicht, dass die beiden so wie Polen und Ungarn sind.“ Gleichwohl kündigte an sich für „finanzielle Konsequenzen“ gegen Länder einzusetzen, in denen „europäische Werte mit Füßen getreten werden“.

Genossen stellten die meisten Fragen

Während des gut einstündigen Auftritts waren auch die Bad Segeberger selbst aufgerufen, der Spitzenkandidatin Fragen zu stellen. Davon machten die zwar reichlich Gebrauch. Die, die sich trauten, waren aber vor allem selbst SPD-Mitglieder, so dass Katarina Barley kaum in Gefahr geriet, aus ihrer Wohlfühlzone zu fallen. Zum Beispiel: „Was kann Europa für den Klimaschutz tun?“ Die Antwort darauf fiel zwar gefällig aus („Deutschland ist das einzige Industrieland, das gleichzeitig aus der Kohle- und der Atomenergie aussteigt. Das müssen wir schaffen, um gemeinsam weiter zu kommen.“) – aber nicht sehr konkret. Erst die Frage einer Schülerin des Städtischen Gymnasiums, in der es um die Freiheit des Internets und den auch von Barley durchgewinkten Artikel 13 ging, forderte die Justizministerin etwas heraus. Die Antwort von Barley darauf war dann allerdings so umfassend, dass die Fragerin am Ende selbst kaum mehr wusste, ob sie das Gehörte nun zufrieden stellen sollte oder nicht.

Segeberger Sozialdemokraten freuen sich über ein Gruppenbild mit Katarina Barley. Quelle: Oliver Vogt

Barley nahm sich für die Segeberger aber Zeit, bevor sie zu einem weiteren Wahlkampftermin nach Lübeck aufbrach. Und auch ein Gruppenfoto mit strahlenden Segeberger Genossen passte am Ende noch in den Terminplan.

Oliver Vogt

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