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Segeberg Wahlstedt: Asphaltmischwerk contra Bürgerinitiative
Lokales Segeberg Wahlstedt: Asphaltmischwerk contra Bürgerinitiative
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06:00 30.09.2019
Geschäftsführer Mirko Langehein bei einem Rundgang über das Gelände des Asphaltmischwerks an der Industierstraße in Wahlstedt Quelle: Foto: Heike Hiltrop
Wahlstedt

Es hat sich ein bisschen getan, sagt Anwohnerin Renate Mülker. „Es gibt Tage, da weiß ich gar nicht, warum ich mich so aufrege. Aber dann gibt es Tage, an denen es kaum auszuhalten ist.“ Nach wie vor fühlen sich die Bewohner rund um Heide- und Birkenweg in Wahlstedt durch das benachbarte Asphaltmischwerk belästigt. Vor allem dann, wenn sich durch eine bestimmte Windrichtung Krach und Staub beim Entladen der Züge breitmachen und der für viele unerträgliche Geruch bei der Produktion herüberweht.

Initiative hat Anzeige erstattet

Als „Gestank nach Teer und Gummi“ wird der Geruch auf der Homepage der „Initiative für ein lebenswertes Wahlstedt“ beschrieben, die kräftig im Konflikt mitmischt. Fast die ganze Stadt würde krebserzeugende Luft aus dem Werk einatmen, so die gewagte These. Messungen, die im Auftrag der Stadt und auf Drängen der Politik durchgeführt werden sollen, lassen noch auf sich warten. Auch das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), das bisher keinen Grund zum Einschreiten sieht, rühre sich als zuständige Behörde nicht, kritisiert die Initiative und hat eine Fachaufsichtsbeschwerde eingelegt und Anzeige erstattet.

Unternehmen kritisiert unsachliche Behauptungen

„Was hier riecht, sind Bitumen“, ärgert sich Geschäftsführer Mirko Langehein bei einem Betriebsrundgang über den reißerischen Ton. Behauptungen ohne sachliche Grundlage, die völlig haltlos seien, würden von der Initiative verbreitet. „Wir verarbeiten doch keinen Teer. Der ist seit den 1980er Jahre verboten. Es stammt im Übrigen aus der Steinkohleverarbeitung. Bitumen dagegen sind ein Produkt aus der Erdölverarbeitung. Und wozu soll Gummi im Straßenbelag sein?“

Ein Rundgang über das Betriebsgelände

Der Altasphalt, der zermahlen zugemischt werde, sei zuvor mehrfach und unabhängig untersucht worden. „Da schaut das Land ganz genau und sehr streng drauf. Da gibt es umfangreiche Dokumentationen zu. Belastetes Material kommt gar nicht zu uns, das wird entsorgt.“ Auch Bauschutt oder Quarzsand, wie behauptet, werde nicht verarbeitet. Splitt, Splittgemische, Natur- und Brechsande, ein Füllstoff sowie Bitumen, das seien die Komponenten für den Walzasphalt, der beispielsweise für die Sanierung der Autobahn bei Lübeck verwendet werde.

Staubausstoß weit unter Richtwert

Und beim Staub läge der Ausstoß mit knapp fünf Milligramm pro Kubikmeter Luft weit unter der Grenze von 20 Milligramm. „Da produziert jede Hausfrau beim Staubsaugen mehr“, sieht Langehein dem Vorhaben der Initiative, selbst Gutachten zur Umweltbelastung erstellen zu lasse, gelassen entgegen.  

Die seit Jahren bestehende Betriebserlaubnis gestattet eine Produktionszeit zwischen sechs Uhr morgens und 22 Uhr abends, so Langehein. „An sechs Tagen in der Woche, wenn wir wollen.“ Ja, räumt er ein, die Produktion habe zugenommen, weil mittlerweile im Wahlstedter Werk auch Baustoffe umgeschlagen werden. Aber man bewege sich im Rahmen und beschränke sich auf fünf Tage.

Ein großer Standortvorteil das von den Stadtwerken betriebene Industriegleis. Über das Jahr gerechnet käme im Schnitt alle 14 Tage ein Zug, wobei etwa zwischen Januar und März nicht produziert werde. „2500 Tonnen werden pro Zug umgeschlagen, wenn wir das auf die Straße brächten, wären das 93 Lkw-Ladungen“, rechnet Langehein vor.

Zugentladung verursacht störenden Dreck und Lärm

In der Woche werde zwischen sieben und 15 Uhr entladen. „Da sind wir den Anwohnern schon entgegengekommen“, unterstreicht der Geschäftsführer. Doch ausgerechnet beim Leeren der Waggons gibt es die großen Probleme mit Lärm und Dreck. „Wir holen den Transport von der Straße, was ökologisch gewünscht ist, und stehen wieder am Pranger.“

Ein Zirkuswagen für die Waldgruppe

Der Ausbau der Kinderschutzbund-Kita an der Dr.-Herman-Lindrath-Straße liegt wegen der Probleme am Asphaltmischwerk auf Eis. Die Baugenehmigung liegt zwar vor und auch bei Bodenproben wurde laut Stadtverwaltung nichts Auffälliges gefunden. Aber noch wird abgewartet, was weitere Umweltuntersuchungen ergeben. Durch die Verzögerung sind jedoch die Fördermittel für das 450 000 Euro-Projekt futsch. Sie hätten den größten Batzen, rund 300 000 Euro, ausgemacht. Um den Betreuungsbedarf zu decken, wurde eine Waldgruppe eingerichtet, die großen Zuspruch erfährt. „Keine Zwischenlösung“, wie Lars Petersen, Geschäftsführer der Träger-Gesellschaft, betont. Demnächst bekommt die Waldgruppe ein Dach über dem Kopf für ganz schlechtes Wetter. Von außer ein zwölf Meter langer, blau-weißer Zirkuswagen, der innen mit allem ausgestattet was gebraucht wird: vom Mitarbeiterplatz über ein WC bis zum Spielraum.

Rund 60 000 Euro nimmt die Stadt für den in Bordesholm gefertigten Schutzraum in die Hand. Zwar hält die Kinderschutzbund GmbH am Ausbau fest und hofft, dass im nächsten Jahr alle Probleme geklärt sind, aber schon jetzt werden Stimmen laut, die einen Neubau fordern. So schlägt die Wählergemeinschaft WfW vor, dass die Kita der freien Dreiecksfläche an der Kieler Straße neu gebaut werden könnte.

Auf der langen Suche nach einer Lösung will die Stadt nun mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr kooperieren. „Aber da stehen wir noch ganz am Anfang“, sagt Frederik Kögebehn aus dem städtischen Bauamt. Ein richtiger Schritt, finden die Anwohner: „Es wäre schön, wenn das Gleis eingehaust werden könnte oder etwas anderes passiert“, ist Renate Mülker auf das Ergebnis gespannt.

Von Heike Hiltrop

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