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Segeberg In Wakendorf I wird jetzt mit Biogas geheizt
Lokales Segeberg In Wakendorf I wird jetzt mit Biogas geheizt
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19:00 30.07.2019
Der amtierende Bürgermeister Dr. Dieter Bohn (li.) und Eric Hamdorf unterzeichneten am Montag den Gestattungsvertrag und den Abnahmevertrag für das Dorfgemeinschaftshaus. Quelle: Petra Dreu
Wakendorf I

Seit 2007 ist die Biogasanlage auf dem Hof Hamdorf in Betrieb. Sie produziert aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais und Zuckerrüben nicht nur bis zu 770 Kilowattstunden Strom, sondern auch knapp 1000 Kilowattstunden Wärme, die bislang nur sinnlos in die Luft geblasen wurde. Das jedoch soll sich schon bald ändern. Statt in der Luft soll die Abwärme der Anlage in den Wohnzimmern der Wakendorfer landen. Einen entsprechenden Gestattungsvertrag haben die Gemeinde und Eric Hamdorf als Betreiber der Biogasanlage am Montag unterzeichnet.

Ehrgeizige Pläne für Wakendorf I

Die Pläne von Eric Hamdorf sind ehrgeizig: Bereits im Oktober dieses Jahres sollen die ersten Haushalte mit der Abwärme der Biogasanlage geheizt werden. Anders als sein Vater Karsten (60), der die Wakendorfer vor mehr als zehn Jahren dazu bringen wollte, ein eigenes Leitungsnetz zu bauen, setzt Eric Hamdorf (30) auf eine andere Vorgehensweise: Er will die Fernwärmeleitungen mit Hausanschlüssen auf eigene Kosten bauen lassen. 600 000 Euro soll der erste Bauabschnitt von der Biogasanlage entlang der Hauptstraße in Richtung Sühlen und der Lohsacker Weg kosten.

Ihre Abwärme soll den Einwohnern einheizen.

Die Wakendorfer sind lediglich mit 1000 Euro für eine Übergabestation dabei, ein kleiner Kasten an der Wand, der die Wärme an das Haus übergibt und die entsprechende Menge misst und speichert. Sparen sollen die Wakendorfer Haushalte im Gegenzug an den Heizkosten, die kostengünstiger als Wärme aus Erdgas, Öl oder Kohle sein sollen. Im Vergleich zu Erdgas soll ein Vier-Personen-Haushalt zwischen 300 und 400 Euro einsparen können. Im Vergleich zu Heizöl soll das Einsparpotenzial sogar 600 bis 700 Euro betragen.

Gemeinde geht mit gutem Beispiel voran

„Aber das sind noch nicht alle Vorteile, die für das Heizen mit der Abwärme sprechen. Man braucht zu Hause keinen Heizungskeller mehr und es fallen keine Wartungskosten mehr an“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Uwe Karbe. Das sind auch für Bürgermeister Dr. Dieter Bohn Gründe, die für die Nutzung der Abwärme sprechen. Er und der gesamte Gemeinderat wollen sich auch der CO2-Herausforderung stellen. „Wir müssen beim Klimaschutz bei der kleinsten Zelle anfangen. Das ist für uns die Gemeinde. Der Beschluss für das Fernwärmenetz erfolgte einstimmig. Auch bei der Wärmeversorgung für das Dorfgemeinschaftshaus mit dem angrenzenden Feuerwehrhaus geht die Gemeinde mit gutem Beispiel voran und ist im ersten Bauabschnitt dabei“, so der Bürgermeister.

Gespaltenes Verhältnis zur Biogasanlage

Die Biogasanlage in Wakendorf I wurde 2006 von dem Landwirt Karsten Hamdorf gebaut, 2007 lieferte sie den ersten Strom. Schon damals sollten die Einwohner von der Anlage profitieren. Mit den Vorstellungen des Landwirts, der die Abwärme für zehn Jahre sogar kostenlos abgeben wollte, konnten sich die Wakendorfer jedoch nicht anfreunden. Dafür hätten sie sich nämlich als Genossenschaft zusammenschließen und auf eigene Rechnung in die Infrastruktur für ein Fernwärmenetz investieren müssen. Dazu waren die Einwohner nicht bereit. 2010 beschwerten sich Anwohner über einen „bestialischen“ Gestank der Anlage an heißen Tagen, wodurch der Haussegen in Wakendorf I damals vollends schief hing.

Bislang sind es 17 Haushalte in der rund 450 Einwohner zählenden Gemeinde am Rande des Kreises Segeberg, die sich im ersten Teilabschnitt der Hauptstraße und im Lohsacker Weg an das neue Leitungsnetz anschließen lassen wollen. Dass viele Hauseigentümer noch zögern, verwundert Dieter Bohn nicht. „Wer sich vor zehn Jahren eine neue Heizungsanlage angeschafft hat, hat natürlich erst einmal keine Veranlassung. Seine Anlage wird noch ein paar Jahre halten“, so der Bürgermeister.

Anschluss ist später möglich – ein Signal sollte es jetzt geben

Aus ökologischer Sicht jedoch hofft er auf weitere Mitstreiter, die die vorhandene Abwärme nutzen wollen. „Auch wer jetzt noch keinen Vertrag abschließen möchte, sich einen solchen aber in den nächsten Jahren vorstellen kann, soll ein Signal geben. Dann planen wir die Anschlüsse jetzt schon ein. Alles, was nachträglich gemacht werden muss, wird viel teurer“, ist Eric Hamdorf überzeugt. Bauen will er das Leitungsnetz so oder so: „Die Kapazität der Anlage reicht für ganz Wakendorf I. Das ist eine Investition in die Zukunft. Ein bisschen Idealismus ist auch mit dabei.“ Weitere Infos gibt er unter der Rufnummer 0173/4702126.

Petra Dreu

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