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Segeberg Wanderweg als Lückenschluss zwischen Leezen und Krems I
Lokales Segeberg Wanderweg als Lückenschluss zwischen Leezen und Krems I
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20:10 24.04.2018
Das hatte etwas von Wiedervereinigung: Aus Leezen und Krems I kamen Spaziergänger aufeinander zu, als Bürgermeister Ulrich Schulz (Mitte) das Tor zum neuen Teil des Wanderweges aufschloss.
Das hatte etwas von Wiedervereinigung: Aus Leezen und Krems I kamen Spaziergänger aufeinander zu, als Bürgermeister Ulrich Schulz (Mitte) das Tor zum neuen Teil des Wanderweges aufschloss. Quelle: Foto: Petra Dreu
Leezen

Sumpfdotterblumen, Schlangenknöterich und Kuckuckslichtnelken: Wer diese seltenen Pflanzen schon immer mal in Natura sehen wollte, hat jetzt die Chance, die geschützten Pflanzen am Wegesrand zu finden. „Die Niederung ist 300 Hektar groß und eines der größten Feuchtgebiete in Schleswig-Holstein“, erzählt Leezens Bürgermeister Ulrich Schulz, während er das Vorhängeschloss einer Kette aufschließt, die um ein Tor gewickelt war. Dieses ist quasi das Eingangstor zu dem Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) „Leezener Au-Niederung und Hangwälder“– ein riesiges Moor mit einer 20 Meter dicken Torfschicht.

Die Einweihung des neuen Wanderwegs hatte etwas von einer Grenzöffnung: Der Lückenschluss zwischen Leezen und Krems I ist zwar nur 340 Meter lang, aber er ermöglicht erstmalig von beiden Gemeinden aus ein Naturerlebnis durch die sehenswerte Leezener-Au-Niederung.

„Weil das Moor ein hochsensibler Bereich ist, haben wir Kriterien für die Nutzung des Wanderweges erstellt“, sagt Harald Hatje, Vorsitzender des Leezener Ausschusses für Umwelt, Wege und Verkehr. So müssen Radfahrer am Tor, das zwar geschlossen, aber nicht abgeschlossen ist, absteigen und ihren Drahtesel schieben. Hunde müssen an die Leine genommen werden, und Reiter haben von Anfang an die rote Karte, denn der Wanderweg und die Brückenkonstruktion über die Au sind nicht für das Betreten mit Pferden ausgelegt.

Angst vor großen Tieren sollten Wanderer und Spaziergänger allerdings nicht haben, denn auf dem Waldweg kurz vor dem Lückenschluss hat eine Herde zotteliger Highland-Cattle-Rinder Vorrang, wenn sie von der einen Seite der Niederung auf die andere gelangen wollen. Zwei Gatter markieren ihre „Vorfahrtstraße“, die nach dem Passieren der Spaziergänger wieder geschlossen werden sollen.

Bedenken, plötzlich einem der Robustrinder mit ihren langen, gebogenen Hörner gegenüberzustehen, räumt ihr Eigentümer Thomas Pirdzuhn aus. Ihn ließen die Tiere als einzigen an sich heran: „Sie sind sehr scheu. Wenn sich ihnen ein Fremder nähert, hauen sie ab.“

Möglich wurde der Bau des Wanderweges und der Brücke durch ein Flurbereinigungsverfahren und die Bereitschaft der örtlichen Landwirte, die für den Wanderweg erforderlichen Flächen abzugeben beziehungsweise zu tauschen. Und diese wurden von der privaten Kurt-und-Erika-Schrobach-Stiftung kostenfrei zur Verfügung gestellt. Als reine Naturschutzstiftung unterstützt sie ausdrücklich das Naturerleben für alle.

Der Weg ist zwei Meter breit und wurde in wassergebundener Bauweise erstellt. Er schließt auf beiden Seiten an vorhandene Feld- und Waldwege an. Die Querung der Au erfolgt mit einer Fußgängerbrücke aus Glasfaserkunststoff. In den sumpfigen Quellwasserbereichen wurde der Weg mit Bohlen belegt.

Die Kosten der Baumaßnahme betrugen rund 150000 Euro, die komplett aus Landesmitteln geflossen sind. Die Unterhaltung des Weges übernimmt die Gemeinde Leezen.

Von Petra Dreu