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Segeberg Wege-Zweckverband zieht Schlussstrich
Lokales Segeberg Wege-Zweckverband zieht Schlussstrich
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22:21 26.05.2018
Auf dem WZV-Gelände stimmen die Bürgermeister Dienstag erneut über die Abwahl des Verbandsvorstehers ab.
Auf dem WZV-Gelände stimmen die Bürgermeister Dienstag erneut über die Abwahl des Verbandsvorstehers ab.
Bad Segeberg

Unterschiedliche Auffassungen über Entscheidungsbefugnisse, das angebliche Ignorieren von Anweisungen des Hauptausschusses und auch der Umgang mit den Mitarbeitern haben über einen längeren Zeitraum für Zoff zwischen Jens Kretschmer und dem WZV–Hauptausschuss gesorgt. Am 27. März zog das Gremium überraschend die Reißleine und stellte Kretschmer, der immerhin 20 Jahre Verbandsvorsteher war und noch vier Jahre wäre, von allen Aufgaben frei.

Nach den vielen Negativschlagzeilen, die in den vergangenen Wochen den Wege-Zweckverband (WZV) beherrscht haben, sollen die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden am Dienstag endgültig den Schlussstrich unter die Ära von Verbandsvorsteher Jens Kretschmer ziehen.

Danach folgte eine Hiobsbotschaft auf die andere, die die Bürgermeister der 94 Mitgliedsgemeinden verdauen mussten: ein Millionenloch bei den Kommunalen Diensten, ein weiteres über 1,5 Millionen Euro im Abwasserbereich, nicht geschriebene Rechnungen, dafür aber horrende Beraterkosten im siebenstelligen Bereich, unter anderem für das Gutachten zur Neustrukturierung des WZV.

Das von Jens Kretschmer und Justiziar Nis Nissen favorisierte, aber durchaus umstrittene Modell mit der Gründung einer weiteren Tochterfirma „NewCo“ hat im Vorfeld bereits sehr viel Geld verschlungen, umsetzbar aber ist es offenbar nicht, wie inzwischen erstmals aus dem Hauptausschusses zu hören ist. „Änderungen im WZV wird es geben müssen, aber das Modell ,NewCo’ wird es sicherlich nicht“, verriet der Hauptausschuss-Vorsitzende Gerd Lentföhr, der vorübergehend die Aufgaben von Jens Kretschmer übernommen hat. Zwar müsse noch einmal alles auf den Prüfstand, seiner Einschätzung nach aber werde die Lösung irgendwo zwischen dem reinen WZV und der jetzigen Struktur mit der WZV-Entsorgungs GmbH für gewerbliche Aufgaben angesiedelt sein müssen.

Die Ängste der Mitarbeiter vor einer ungewissen Zukunft versucht er zu zerstreuen: „Egal, welche Struktur auch gefunden wird, der WZV ist und bleibt ein kommunales Unternehmen, und die Entscheidungshoheit liegt ganz eindeutig bei den 94 Gemeinden.“ Bereits in seinem Bericht der Jahre 2008 bis 2012 hatte das Gemeindeprüfungsamt bemängelt, dass Mitarbeiter für hoheitliche Aufgaben (wie die Müllabfuhr) zu Unrecht in der WZV-Entsorgung eingestellt worden seien. Mit der gleichen Rüge rechnet Gerd Lentföhr auch im neuen Prüfbericht: „Es ist genauer hingeschaut worden. Ich bin mir sicher, dass der neue Bericht keine Schmonzette für den WZV wird.“

Ob es eine einvernehmliche Einigung mit Jens Kretschmer geben wird, ist weiter offen. Dem Vernehmen nach hatte der 53-Jährige vier Jahresgehälter von jeweils rund 140000 Euro sowie 70 Prozent davon, also knapp 100000 Euro pro Jahr, bis zum Renteneintritt gefordert. Das lehnt der Hauptausschuss ab.

Von dem Wunsch, irgendwann in seine Position beim WZV zurückkehren zu können, hat sich Kretschmer offenbar verabschiedet. Dies jedenfalls schließt er in einer Mail an die Mitglieder des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU) aus, die den LN vorliegt. Darin informiert er die Mitglieder darüber, sein Amt als Landesgruppenvorsitzender ruhen zu lassen. Zudem erklärt er, dass ihm kein Vergehen vorgeworfen werde. Sogar in der Presse sei ihm von Mitgliedern des Hauptausschusses „hervorragende Arbeit“ bescheinigt worden.

Das Abwahlverfahren

In der Verbandsversammlung am Dienstag, 29. Mai, ab 16 Uhr auf dem Gelände des WZV, Am Wasserwerk 1, werden die Bürgermeister in einem vorgegebenen Verfahren ein zweites Mal über die Abwahl von Verbandsvorsteher Jens Kretschmer abstimmen. Im ersten Schritt hatten sich die Bürgermeister am 24. April mit 85 Ja-Stimmen für die Abwahl ausgesprochen. Erst wenn sich in der zweiten Abstimmungsrunde ebenfalls mindestens 70 Stimmberechtigte (2/3 der Verbandsversammlung) für die Abwahl entscheiden, kann die Stelle des Verbandsvorstehers neu ausgeschrieben werden.

 Petra Dreu