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Segeberg Duftende Blutwürste und leuchtende Tannen
Lokales Segeberg Duftende Blutwürste und leuchtende Tannen
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08:42 25.12.2018
Im Segeberger Amtshaus herrschte gerade zur Weihnachtszeit eine Familienidylle. Amtmann von Rosen starb 1853 an der Cholera. Quelle: LN-ARCHIV
Bad Segeberg

 „Vater erschien mit der silbernen Glocke, ging in den Weihnachtssaal hinein, aus dessen halb sich öffnender Tür kräftiger, würziger Tannenduft und strahlender Lichterglanz hervordrang und Sinne und Herzen umfing. . .“ Es müssen romantische Weihnachtsfeiern gewesen sein, die der Amtmann und späterer Ehrenbürger Segebergs um 1830 mit Frau Sophie und seinen zwölf Kindern im damaligen Haus Segeberg erlebte. Carl Wilhelm Ludwig von Rosen (1788 bis 1853), langjähriger Amtmann des Kreises, wohnte und arbeitete im heutigen Haus Segeberg, er war der Vertreter des dänischen Königs vor Ort. Heute haben in dem wunderschönen alten Gebäude der Landrat und einige Mitarbeiter der Kreisverwaltung ihre Büros. Nach Lebenserinnerungen eines der Söhne der Familie von Rosen, die im Reichsarchiv Kopenhagen verwahrt werden und die der Chronist Peter Sauer sammelte, muss dort Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem zur Weihnachtszeit Familienidylle geherrscht haben. Dreh- und Angelpunkt der vorweihnachtlichen Aktivitäten war die Mutter.

Neugierige Kinder auf Bäumen

Verheiratet war von Rosen seit 1818 mit Sophie Marie Decker. Die beiden hatten zwölf Kinder. Im früheren Saal des Hauses mit den Flügeltüren ist heute das Vorzimmer des Landrates, 200 Jahre vorher war hier das Weihnachtsfest der Familie. Es gab zwar noch keine Weihnachtsmänner – die kamen erst mit Coca Cola – aber trotzdem erinnert vieles an heute. Vor der Bescherung gab es neugierige Blicke der Kinder durch Schlüssellöcher, Türspalten und „hosengefährliche Kletterunternehmungen an den Fensterwänden oder gegenüberstehenden Bäumen“. Äpfel wurden vergoldet, Kringel und Feigen als Weihnachtsbaumschmuck vorbereitet. Der Sohn des Amtsmannes schwärmt in seinen Erinnerungen von duftenden Blutwürsten und Apfelmus. Das eigentliche Festessen bestand aus Reis, Karpfen und Pförtchen.

Bis nachts um elf arbeitete die Mutter in der Vorweihnachtszeit an den Geschenken. So wurde das alte Rollpferd durch neuen Anstrich verschönt, das Schaukelpferd von einem Braunen durch neues Fell in einen Rappen verwandelt. Das große alte Puppenhaus wurde durch einen Garten aus Moos und Buxbaum ergänzt, erinnerte sich der Sohn. Zu den Festvorbereitungen gehörte das Schweineschlachten. Mutter stopfte selbst die Wurst, „wobei wir begierig zusahen und ab und zu eine Fingerspitze von den Füllsel in den Mund gewischt bekamen“.

Erst gab es Bescherung für die Armen

Zwar wird über „die geringen Mittel“ geklagt, die 20 Speziesthaler, die der Amtmann-Familie Weihnachten zur Verfügung standen, aber anderen Segebergern ging es wesentlich schlechter. So mussten die Knaben immer Heiligabend vor der Bescherung losziehen und mit zwei großen Körben bepackt, Kleidungsstücke, Fleisch, Kuchen und Kaffeebohnen an bedürftige alte Frauen und Männer verteilen. Ihre Schwestern hatten schon Tage zuvor an den „Armensachen genäht“. Bedacht wurden auch Maurer Sach und Mutter Guschen, eine kleine bucklige Frau. Sie nahm die für sie genähte Jacke mit den Worten in Empfang: „De sit grod, ik hev jo ok son schönen Kleederlief.“ Also durchaus figurbetont, hieß es mit Selbstironie. Maurer Sach sei ein „unendlich langer, fadendürrer Mann mit kalkweißem Gesicht und einem schrecklichen Husten“ gewesen.

„Mit erleichterten Körben und seligen Empfindungen ging es durch die lange Stadt zurück." Unterwegs sahen die Jungs in den Häusern Segebergs die schon angezündeten Tannenbäume, die leuchteten. „Mit einem ah-bah, bei uns wird es noch viel schöner, wurde das unbehagliche Gefühl, dass wir noch warten mussten, während andere schon genossen, abgeschüttelt.“ Zuhause kümmerte man sich um Kinder mit „Rommelpott“, die um Semmel und Äpfel bettelten. Es gab in einem Nebenzimmer des Hauses auch eine Bescherung armer Kinder. Das sei „von uns kaum beachtet, ziemlich nüchtern, ohne jeden Sang und Klang verlaufen“, erinnert sich der Sohn.

Überhaupt gab es Heiligabend im Haus des Amtmanns von Rosen keine religiöse Weihe des Ganzen. Es war noch nicht Sitte, Weihnachtslieder zu singen, das Evangelium zu lesen. Der Chronist erinnert sich: „Eine der rationalistischen Zeit heraus stammende Dürftigkeit im Ausdruck des religiösen Empfindens beherrschte damals noch die Häuser.“ Man wollte das Heilige im Geschenketrubel nicht entweihen. Dem Vater selbst sei die lärmende Fröhlichkeit „am riesigen Tannenbaum, der bis zur Decke des Saals reichte“ nicht „sympathisch“ gewesen. Mutter war die Seele des Ganzen. Von Rosen selbst schrieb 1835 in sein Tagebuch: „Wiederum ein Weihnachtsabend, ein schöner, weil alle Kinder gesund sind und meine Sophie!“ Und am Ersten Weihnachtstag ging es „in die schöne alte Kirche, welche an dem Tag zum Erdrücken gefüllt war von festlich gekleidetem Volk aus Stadt und aus Land“.

Wolfgang Glombik

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