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Segeberg Weißer Ring Segeberg verzeichnet mehr Fälle von Stalking
Lokales Segeberg Weißer Ring Segeberg verzeichnet mehr Fälle von Stalking
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06:00 17.07.2019
Stalking: Opfer leben in ständiger Angst verfolgt, beobachtet oder aufgesucht zu werden. Quelle: Irene Burow
Segeberg

Der Weiße Ring Segeberg ist besorgt: Die Zahl der Stalking-Opfer, die sich bei dem Verein melden, steigt von Jahr zu Jahr an. 27 Fälle wurden im vergangenen Jahr registriert. Die Anzahl liegt damit fast gleichauf mit den sonst häufigsten Fällen im Bereich der Körperverletzung und von Sexualdelikten. „Stalking ist im Kommen“, bringt es Wolfgang Schürer ohne Umschweife auf den Punkt. Er leitet den Weißen Ring im Kreis Segeberg.

So werden Sie Helfer beim Weißen Ring

3500 Mitglieder hat der Weiße Ring in Schleswig-Holstein. 180 Helfer stehen Kriminalitätsopfern zur Seite. 16 Mitarbeiter sind im Kreis Segeberg im Einsatz. Gesucht werden hier vor allem Ehrenamtler für den Nordkreis.

Zwei mal pro Jahr finden Seminare statt, die Grundvoraussetzung für das Ehrenamt sind. Wer Interesse an dieser wichtigen Aufgabe hat, kann sich an den Weißen Ring Segeberg wenden. „Das Ausbildungssystem ist sehr gut“, sagt Leiter Wolfgang Schürer. Er selbst hat mittlerweile 28 Seminare besucht. Der Regionalverein trifft sich jeden dritten Montag beim Regenbogen Verein in Kaltenkirchen.

2010 seien es nur wenige Fälle gewesen. „Wobei all diese Fälle früher vielleicht auch nicht als solches angesehen wurden.“ Stalking zeige sich im Kreis Segeberg auf sehr unterschiedliche Weise. Was die Opfer eint: Dass sie sich verfolgt fühlen. „Das geht von vielen E-Mails bis hin zu Telefonterror und Sachbeschädigung. Bei einem Fall stand sogar mal jemand mit der Axt vor der Tür“, erzählt der 76-Jährige.

In den meisten Fällen handele es sich um Beziehungen, die auseinandergegangen sind. „Das geht oft gegen die Ehre der Männer. Sie wollen sich damit nicht zufrieden geben.“ Wobei auch diese Einschätzung nicht zu pauschalisieren ist: „Bei uns melden sich vor allem Frauen. Männer schämen sich und reden weniger darüber. Das ist in allen Bereichen zu beobachten, egal ob bei Diebstahl oder Sexualdelikten.“ Schürer hatte es gleichwohl auch schon mit Frauen zu tun, die die Männer nicht in Ruhe lassen konnten.

Stalking: Tragisch bis merkwürdig

In den vergangenen Jahren hat der Leiter des Weißen Rings einige kuriose Fälle erlebt. So sei einmal eine Frau über drei Jahre gestalkt worden. Schließlich kam es zur Gerichtsverhandlung: Vor dem Saal hatte der Mann lautstark und gebetsmühlenartig das Grundgesetz zitiert – bis er von der Polizei zurechtgewiesen wurde.

Hier bekommen Sie Hilfe

Das bundesweite Opfertelefon ist kostenfrei zu erreichen unter Telefon 116 006. Im Kreis Segeberg kann man sich an Wolfgang Schürer wenden unter Telefon: 041 92/819 02 69. Seine Stellvertreter sind Peter Krüger und Bernhard Wünsche; E-Mail: wr-kreis-segeberg@t-online.de.

134 Fälle wurden im Segebergischen 2018 begleitet. Je 30 im Zusammenhang mit Körperverletzung und Sexualdelikten, 27 im Bereich Stalking, gefolgt von Fällen mit Häuslicher Gewalt, Betrug, Diebstahl, Bedrohung, Raub und Tötungsdelikten. Die Hilfe für Betroffene ist unterschiedlich: Sie reicht von menschlichem Beistand über die Begleitung zu Gerichtsterminen und Hilfe im Umgang mit Behörden bis zu finanzieller Soforthilfe – zum Beispiel für eine anwaltliche oder psychotraumatologische Erstberatung.

Mehr Infos: kreis-segeberg-schleswig-holstein.weisser-ring.de.

In einem anderen Fall sind einer Frau über Monate immer wieder die Autoreifen vor der eigenen Haustür zerstochen worden. Das Kuriose: Sie arbeitete selbst in einem Reifenhandel. Sie ist schließlich aus dem Kreis Segeberg weggezogen; der Weiße Ring übernahm die Umzugskosten. Ein Pärchen wurde zudem einst mit Sekundenkleber im Türschloss und Bauschaum im Auspuff tyrannisiert. „Hier hat eine klare Ansage geholfen“, erzählt Schürer. „Noch wirksamer ist sie, wenn sie von einem Anwalt kommt.“

„Ignorieren ist ganz wichtig“

„Das Ignorieren ist dabei ganz wichtig“, betont der Kaltenkirchener. Was meist schnell hilft, seien diese konkreten Worte: „Es war eine schöne Zeit. Jetzt ist es vorbei. Ich möchte meine Ruhe.“ Das werde oft versäumt. Sie meisten Fälle enden spätestens mit einer Anzeige bei der Polizei. „Es ist eine hervorragende Zusammenarbeit mit den Beamten, egal in welcher Hinsicht.“

Wolfgang Schürer vom Weißen Ring, Außenstellenleiter Kreis Segeberg. Quelle: Irene Burow

Betroffene werden vom Weißen Ring gleichsam aufgefordert, die Beziehung auch selbst loszulassen. Nicht jedem falle diese Abstinenz leicht. Wenn gegen einen penetranten Verfolger alles nichts hilft, sollten Vorfälle dokumentiert werden: „So exakt es geht“, rät der Ehrenamtler: „Zu welcher Uhrzeit und in welchem Abstand ist was passiert?“ Dazu sollten Freunde, Nachbarn und Kollegen mit ins Boot geholt werden. „Das wirklich schwierige am Stalking ist, dass immer das Opfer sich räumlich verändern muss. Der Täter kann wohnen bleiben.“

Phänomen falsche Polizisten

„Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt er nachdenklich. So viel hat er in 15 Jahren gelernt. Neben Stalking reiche die Bandbreite des Opferhilfevereins von Beleidigung bis Mord. Mit Sorge sieht er auch all die Machenschaften mit falschen Polizisten. Immer wieder fallen Menschen darauf herein. In Norderstedt wurde erst Anfang der Woche ein so hoher Geldbetrag erbeutet, dass die Polizei keine Summe nennt. „Das grassiert zurzeit. Tätern fällt immer wieder etwas Neues ein.“

Zudem werden die Täter jünger, hat Schürer beobachtet. „Ich bin dafür, dass die Strafmündigkeit auf zwölf Jahre heruntergesetzt wird. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung.“

Irene Burow

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