Wensin: Verein Passopp freut sich auf gute Apfelernte
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Segeberg Jetzt sind die Äpfel reif: Verein Passopp freut sich auf eine gute Ernte
Lokales Segeberg

Wensin: Verein Passopp freut sich auf gute Apfelernte

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14:00 03.10.2020
Arne Blohm-Sievers, Vorsitzender vom Wensiner Verein Passopp, freut sich auch in diesem Jahr über eine gute Ernte.
Arne Blohm-Sievers, Vorsitzender vom Wensiner Verein Passopp, freut sich auch in diesem Jahr über eine gute Ernte. Quelle: Glombik
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Wensin

Im ollen Gartenbuch für Anfänger von 1919 wird dem Gärtner noch der praktische Dünger-Tipp mitgegeben, einen verendeten Hammel oder Teile anderer Tiere tief einzugraben und darauf sein Apfelbäumchen zu pflanzen. Das bringe über viele Jahre eine gute Ernte. Tatsächlich hängen an den altgedienten Gehölzen auf der 1905 angelegten Streuobstwiese von Gut Wensin noch reichlich rotbackige Äpfel. Es geht offenbar auch ohne toten Hammel. Die Ernte sei mindestens durchschnittlich bis gut, schätzt der Vereinsvorsitzende des Wensiner Naturschutzvereins Passopp, Arne Blohm-Sievers. „Anders als in anderen Regionen Schleswig-Holstein haben wir noch rechtzeitig Regen abbekommen.“

Toter Hammel unterm Apfelbaum: Um die Jahrhundertwende hatte man viele und skurrile Ideen für reiche Apfelernten. Quelle: Zeichnung aus „Gartenbuch für Anfänger“ von 1919

Überall in den Gärten rund um Bad Segeberg beginnt jetzt die Apfelernte, klettern die Hobbygärtner auf Leitern. Es riecht nach Herbst. Am 3. Oktober startet auch wieder die große Ernteaktion auf der vom Verein gepachteten Streuobstwiese. Fast 80 Bäume stehen dort, davon seien 39 nachgepflanzt worden, berichtet Blohm-Sievers. Dass die Bäume teils über 100 Jahre alt sind, habe man in alten Chroniken nachlesen können. „Wir haben hier viele Boskop-Sorten unter den uralten Obstbäumen.“ Doch was kann man jetzt vom Baum herunterholen? Den „Finkenwerder Herbstprinz“ zum Beispiel, der müsse dringend abgeerntet werden, empfiehlt der Passopp-Vorsitzende. Das sei ein hervorragender und besonders gesunder Apfel mit vielen Vitaminen, der sich aber nicht so gut lagern lasse.

Top-Sorten wie Ontario und Finkenwerder

Dagegen sei Ontario, der auch in Wensin wachse, ein Apfel, den man über Monate aufbewahren könne. Der Apfel hänge jetzt allerdings noch sehr fest an den Zweigen. Die ganz besonders wertvollen Arten auf der Streuobstwiese seien übrigens nicht die ganz alten Bäume, sondern die später nachgepflanzten Sorten. Für Blohm-Sievers sei es das größte Problem, wie und ob man überhaupt die besonders alten Bäume pflegen solle. Manche alte Baumkrone könnte einen Radikalschnitt vertragen. Doch er möchte bei den Methusalem-Bäumen nur behutsam eingreifen. „Ich meine, man sollte die auch mal lassen. Diese alten Obstbäume haben ihre Würde, und mit 100 Jahren hat ein Obstbaum ohnehin sein Höchstalter erreicht.“

Ortwin Hövermann vom Verein Passopp kümmert sich hier um einen der zahlreichen Obst-Straßenbäume rund um Garbek. Quelle: Glombik

Der Verein Passopp betreut nicht nur die Streuobstwiese, sondern auch Hunderte von selbstgepflanzten Obstbäumen an den Straßen rund um Garbek bis nach Travenort. Es ist sicher einmalig in Schleswig-Holstein, dass ein Verein mit Astscheren, Sägen und Leitern ausrücken muss, weil die Straßenbaubehörde meckert, hier und dort hänge ein Ast in die Fahrbahn hinein. Da geht Lehrer Blohm-Sievers der Fachbegriff „Lichtraumprofil“ flüssig über die Lippen, wenn es darum geht, dass herunterhängende Äste bloß nicht den fließenden Verkehr behindern. Erst vor wenigen Tagen mussten Vereinsmitglieder über 30 Bäume beschneiden.

Ein paar Eimer mit Äpfeln sind erlaubt

Die Bäume, die vor 20 bis 25 Jahre auch als Reaktion auf eine damals geplante Giftmülldeponie nahe Garbek gepflanzt wurden, tragen jetzt immer besser. Ein Problem seien aber die Leute, berichtet Blohm-Sievers, die jetzt verstärkt mit dem Hänger an die Bäume heranfahren und dort nicht nur Äpfel herunterholten, sondern gleich das ganze Astwerk mit Gewalt abknickten. Es sei völlig in Ordnung, wenn Leute sich ein paar Eimer Äpfel von den Straßenbäumen holten, dann müssten sie die Bäume aber pfleglich behandeln, fordert Blohm-Sievers.

Jahr für Jahr pflücken Mitglieder vom Verein Passopp auf der Obststreuwiese von Gut Wensin Äpfel. Mal ist die Ernte tonnenschwer, mal sind es nur Zentner. Es ist aber immer ein Spaß für die Familie.

Große Sorgen machen den Apfelfreunden von Passopp, dass ihre Stamm-Mosterei geschlossen ist. Zu der brachten sie Jahr für Jahr tonnenweise Äpfel hin und bekamen dafür leckeren Apfelsaft in Flaschen. „Der Apfelkönig von Storman nimmt seinen Hut“, titelten kürzlich die LN. Immerhin lässt Süßmoster Martin Schmidt – nun in Rente – die Apfel-Fans von Wensin noch einmal ’ran an seine Apparatur. In einer einmaligen Aktion dürfen die Mitglieder von Passopp in der Anlage selbst mosten – unter der Anleitung von Schmidt. „Da freuen wir uns sehr drauf“, sagt Blohm-Sievers.

Im kommenden Jahr werde es aber „dramatisch“. Die Passopp-Mitglieder suchen dringend eine Mosterei, die ihren Wensiner Apfelsaft produziert und in Flaschen abfüllt. „Sonst steht unser Projekt mit eigenem Saft von der Streuobstwiese vor dem Ende“, befürchtet der Vorsitzende.

Von Wolfgang Glombik