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Segeberg Werner-Rennen: Anwohner sind entspannt
Lokales Segeberg Werner-Rennen: Anwohner sind entspannt
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21:59 04.07.2018
„Brösel“ (Rötger Feldmann l.) ist sich sicher, dass er mit seiner Horex dieses Mal gegen den Porsche von „Holgi“ (Holger Henze) gewinnt. Quelle: Fotos: Fuchs
Hasenmoor/Hartenholm

Die Einwohnerversammlung hatte Volksfest-Charakter. Bei Freibier und Grillwurst zerstreute der Veranstalter alle Bedenken, das viertägige Musik- und Motorsportspektakel vom 30. August bis zum 2. September könnte ein ähnliches Chaos verursachen wie vor 30 Jahren. Am Ende blieb keine Frage offen, und die Anlieger aus Hasenmoor, Hartenholm, Schmalfeld und Bimöhlen zogen nach zwei Stunden beruhigt wieder nach Hause.

Mit Speck fängt man Mäuse. Mit Bürgernähe und großzügiger Informationspolitik ein ganzes Dorf. Zum Flugplatz Hartenholm, wo die Neuauflage des Werner-Rennens von 1988 startet, strömten Dienstag 700 Menschen, fast so viele wie in der Flugplatzgemeinde Hasenmoor leben.

Hasenmoors Bürgermeister Klaus-Wilhelm Schümann hatte Recht behalten. Vielleicht seien noch 15 seiner 730 Mitbürger gegen das Werner-Rennen-Spektakel eingestellt, sagte er kurz vor Beginn der Veranstaltung. Seit sich der Gemeinderat bereits im Dezember 2016 einstimmig für die Austragung des Events ausgesprochen hatte, haben er und der Veranstalter in zahlreichen Gesprächen ihr Verkehrs- und Sicherheitskonzept erläutert und Bedenken ausgeräumt. „Ich bin überzeugt davon, dass es hier nicht wieder zu diesem Chaos kommt. Die Organisatoren haben die Sache im Griff.“ Das habe er selbst erlebt, als er mit seinem Ordnungsamtsleiter das Wacken-Open-Air besuchte, dessen Macher Holger Hübner nun auch das Werner-Rennen veranstaltet.

Auch die Ausmaße scheinen dieses Mal überschaubar. Statt der unkontrollierten Masse von 200000 Menschen, die damals den Veranstalter völlig überrannten, sollen jetzt um die 50 000 Besucher zuzüglich Tagesgäste kommen, erklärte Organisator Marten Pauls den Anliegern. Alles sei bis ins Kleinste durchdacht und geplant, erläuterte der Mann, der sonst mit „Rock am Ring“ Deutschlands größtes Rock-Festival auf die Beine stellt. Stromleitungen mussten verlegt, neue Wasserbrunnen geschaffen werden, um die 40 000 Dauercamper zu versorgen. „Es funktioniert.“ 400 Polizisten werden im Einsatz sein.

Für die so wichtige Verkehrsregelung würden 250 Verkehrsschilder und 800 Halteverbotsschilder aufgestellt – dreimal so viele wie in Wacken. Schon in Schnelsen-Nord und Neumünster erführen die Anreisenden auf der A 7 und analog auf der A 21 über LED-Schilder, wie sie am besten fahren oder das Spektakel umfahren sollten. Die B 206 sei sechs Tage lang vom 29. August bis 3. September für den Durchgangsverkehr gesperrt. „Sonst haben wir wieder den vierspurigen Stau von hier bis zum Elbtunnel wie vor 30 Jahren.“

Umleitungsrouten für Pendler über Lentföhrden, Schmalfeld, Struvenhütten, Stuvenborn und Todesfelde seien ausgeschildert. Die Brücke am Autobahnanschluss bei Bad Bramstedt wird nicht passierbar sein.

Für die Anwohner und Betriebe vor Ort werde es aber Durchfahrtsscheine geben. Diese könnten per Mail (anlieger@werner-rennen.de) schon jetzt beantragt werden. Ebenso wie die Freitickets für zwei bis vier Tage für die Hasenmoorer, Hartenholmer und Schmalfelder, die am meisten betroffen sind.

Die Kommunikation mit den Bewohnern scheint ohnehin sehr gut zu laufen. 60 Anfragen seien seit der letzten Einwohnerversammlung vor einem Jahr bearbeitet worden, erklärte Pauls. Zahlreiche Bewohner hätten zudem den 2500 Mitarbeitern des Festivals eine Unterkunft angeboten. „Ich hoffe, dass wir alle Anbieter bedienen konnten.“

Auch sonst sind die Leute vor Ort gut in das Geschehen eingebunden und werden nicht einfach wie 1988 von dem Chaos überrollt. Meinert Schweim von der Freiwilligen Feuerwehr Hartenholm freut sich, dass sein Musikzug als Brassband das Eröffnungskonzert bestreiten darf, so wie die Kollegen dies jedes Jahr beim Wacken-Open-Air tun. Markus Runge, jahrzehntelanger Vorsitzender des Horex-Clubs, erwartet, dass er seine zehn Oldtimer-Maschinen auf dem Gelände ausstellen darf. Schließlich fährt Comic-Zeichner Rötger Feldmann als Werner-Erfinder ja auch so ein altes deutsches Motorrad gegen den roten Porsche von „Holgi“.

Die Vorfreude ist bei vielen groß. Nicht alle fanden das Chaos von 1988 so schlimm, als die „Masse Mensch das Dorf völlig unvorbereitet traf“, wie Hartenholms Bürgermeister Karl-Heinz Panten sagt.

Und Wald und Wiesen die fehlenden Toiletten ersetzten. „Es war wunderbar, chaotisch, aber friedlich“, erinnert sich Michael Kleindienst aus Bimöhlen, der mit seinen Freunden Enrico Griese und Jörg Lehmann dem Werner-Revival erwartungsfroh entgegenfiebert. Landwirt Schweim schwärmt davon, wie ihn damals wilde Camper zum Kaffee einluden, als er gerade das Feld um sie herum häckseln wollte.

Auch die Pressekonferenz am Vormittag hatte Happening-Charakter (die LN berichteten). Dutzende Medienvertreter wurden per Shuttle vom Parkplatz zum Flugplatz kutschiert, wo Werner und Holgi – Rötger Feldmann und Holger Henze – erste Trainingsrunden drehten. Beide zeigten sich natürlich siegesgewiss, auch wenn Holgi nach Hartenholm 1988 noch dreimal 2004 auf dem Lausitz-Ring mit seinem auf 400 PS getunten Porsche von 1968 gegen die fast drei Meter lange, 2,2 Liter Horex mit ihren vier Motoren gewinnen konnte. „Werner muss erst viermal gewinnen, dann steht es unentschieden“, sagt Holgi über die Revanche des Kult-Rennens, das am Sonntag, 2. September, ab 16 Uhr auch live im NDR-Fernsehen zu sehen sein wird.

Von Burkhard Fuchs