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Segeberg Wie man gute Neubürger ins Dorf holt – und die „Richtigen“ aussucht
Lokales Segeberg Wie man gute Neubürger ins Dorf holt – und die „Richtigen“ aussucht
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16:00 31.08.2019
Auf dem großen Feld bei der Straße Chausseebaum soll das große Baugebiet mit fast 50 Einfamilienhäusern entstehen. Quelle: Glombik
Bad Segeberg

Klein Rönnaus Ehrenbürgermeister Peter Kurt Würzbach (CDU) hatte in seiner 25-jährigen Amtszeit von 1970 bis 1995 noch jeden Neubürger persönlich besucht. Die Eintritts-Bescheinigung für Feuerwehr und CDU habe „PKW“ dann immer gleich mitgebracht, erinnert sich schmunzelnd Falko Mumme, der jetzt selbst reichlich Grundstücke zum Kauf anbietet. Er ist nun selbst der Entscheider, wer hier bauen darf – oder auch nicht. Doch die Zeiten sind vorbei, in denen man Neubürger auf diese Art gleich zum Parteieintritt im Ort ködern könnte. Und doch ist Engagement in Politik, Verein und Feuerwehr bei Bewerbern, die bei Mumme vorstellig werden, durchaus gefragt.

Denn sein Dorf Klein Rönnau mit etwa 1700 Einwohnern steht vor einem Wachstumsschub. Und wenn kleinere Gemeinden große Baugebiete ausweisen, müssen sie auch daran denken, die neuen Familien in ihrem Dorf zu integrieren. Sonst kann das zur Grüppchen-Bildung führen, gar das Dorf spalten.

Neue Einwohner müssen zum Dorf passen

Im Herbst geht’s los, nahe der Straße Am Chausseebaum sollen „in zweiter Reihe“ in Seenähe die Erschließungsarbeiten für 48 Einfamilienhäuser beginnen. In Bad Oldesloe, eines der teuersten Pflaster im Land, gehe Bauland mittlerweile für 360 Euro den Quadratmeter weg. Und wenn Mumme jetzt eine Anzeige in Hamburg schalten würde, wären die Flächen für 250 Euro den Quadratmeter in einer Woche verkauft, schätzt er. Mindestens 195 Euro müsse er in Klein Rönnau aber nehmen, weil in den drei Jahren Wartezeit wegen des vergeblichen Bürgerbegehrens und der Auflagen für den Fledermausschutzes um mindestens 20 Prozent gestiegen seien.

Die Leute zeigten Verständnis für die jetzt höheren Bodenpreise, sagt Mumme. Interessenten gegenüber spreche er nicht nur die tolle Lage ihres neuen Heims an, sondern auch das, was Klein Rönnau an Gemeinschaft zu bieten habe. Mumme kann sich die Leute aussuchen.

Anders als damals bei Würzbach müsse man aber nicht mehr unbedingt der CDU beitreten, „um bei uns in der Kommunalpolitik mitzumachen“. Mit mehr Einwohnern werde auch die Gemeindevertretung von Klein Rönnau wachsen, schätzt Mumme, selbst CDU-Gemeindevertreter. „Dann suchen wir händeringend Leute, die Lust haben in der Kommunalpolitik mitzumachen“. Mit oder ohne Parteibuch.

„Reaktionen aus dieser Ecke des Dorfes gleich Null“

Bürgermeister Dietrich Herms stemmt sich gegen den Lockruf aus Bad Segeberg. Das Ortsschild bleibt. Dafür sollten hier Dorfbewohner siedeln, die zu ihrer Gemeinde halten. Quelle: Petra Dreu

Mumme bedauert, dass es im Streit um die Zufahrt zum neuen Baugebiet gar zum Bürgerentscheid und zu einer „aggressiven Stimmung“ im Dorf kam. „Mal ehrlich, wir leben hier doch alle in einer heilen Welt, die Probleme einer Großstadt haben wir nicht.“

Dietrich Herms (CDU) Bürgermeister von Klein Rönnau, findet Mummes Vorstoß, die Grundstücksbewerber auf ihr Engagement fürs Dorf abzuklopfen, sehr gut. „Wenn wir 50 Wohneinheiten mehr haben, werden die Aufgaben unserer Feuerwehr größer.“ Hier werde in der Zukunft dringend Nachwuchs gebraucht. Es dürfe nicht mehr passieren, dass sich in einem neuen Wohngebiet – wie gerade beim früheren Thunschen Hof – die Bewohner gar nicht als Rönnauer fühlten. Herms: „Ich habe den Eindruck, einige wissen dort gar nicht, dass sie in Klein Rönnau wohnen.“ Obwohl sie die Einladungen zu Veranstaltungen im Dorf bekämen, sei die Reaktion in dieser Ecke des Dorfes gleich Null.

Lokalpatriotismus gegenüber Bad Segeberg

Im neuen Baugebiet mit den Eigenheimen möchte man deshalb vor allem Alteingesessene und deren Nachkommen gewinnen. Denn Rönnauer Selbstwertgefühl, Lokalpatriotismus ist gerade hier in Grenzlage zur Kreisstadt Bad Segeberg wichtig: Seit zehn Jahren habe Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld, so Herms, um sein Dorf geworben: Das Einzige, was Klein Rönnau und Bad Segeberg trenne, sei doch nur das Ortsschild, habe Schönfeld immer wieder gelockt.

„Das Ortsschild bleibt!“, stemmte sich Herms aber immer gegen Gedankenspiele für Eingemeindung. Doch als Schönfeld immer wieder neu damit angefangen habe, ging Herms scheinbar auf das Werben des großen Nachbarn ein. „Sie haben mich überzeugt“, signalisierte er Schönfeld. „Ich weiß nur nicht, wie Sie Ihren Bürgern beibringen wollen, dass dann bei Ihnen überall Klein Rönnau als Ortsname steht. . .“ – Seitdem habe Schönfeld nichts mehr zu dem Thema gesagt, schmunzelt Herms.

„Fledermauskehre“ oder „Hermsweg“?

Die fast 50 Eigenheime sollen spätestens Ende Oktober 2023 fertiggebaut sein. Die Erschließungsarbeiten mit Straßenausbau könnten noch in diesem Herbst beginnen. Doch die Straße im Neubaugebiet hat noch keinen Namen. „Fledermauskehre“ ist der Favorit von Spaßvogel Bürgermeister Diedrich Herms, weil Bauherr Mumme ja soviel Ärger mit den gleichnamigen Säugern hatte. Er muss nun auch noch den naturgeschützten Nachtjägern einen Weg mit Lichtschutzwand bauen.

Statt der Fledermäuse zu gedenken, könnte es doch wieder eine Bürgermeister-Straße werden? Klein Rönnau hat schon zwei Dorfoberhäuptern, Peter Kurt Würzbach und Peter Kistenmacher, Straßennamen gewidmet. Doch Herms winkt ab, er sei noch nicht solange im Amt. Zumal er noch hoffe, dass seine Kinder in die Kommunalpolitik einsteigen werden. Da wäre ein Hermsweg wirklich fehl am Platze.

Von Wolfgang Glombik

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