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Segeberg Willi (70) radelt fürs Friedensdorf: Per Drahtesel aus NRW zum Diekhof
Lokales Segeberg Willi (70) radelt fürs Friedensdorf: Per Drahtesel aus NRW zum Diekhof
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11:29 08.08.2019
Start am Friedensdorf: Willi Cihak (70) radelt in fünf Tagen nach Pronstorf Quelle: hfr
Pronstorf/Dinslaken

Oberhausen, Bremen, Glückstadt, Bad Schwartau, Pronstorf: Das ist, grob umrissen, der erste Teil der Route, die Willi Cihak abradeln will, dann geht es wieder retour. Den Fahrradhelm auf dem Kopf, die regendichten Nylontaschen auf dem Gepäckträger und den Gedanken im Kopf, die Kinder-Hilfe der Initiative „Friedensdorf International“ zu unterstützen: So ist der 70-Jährige vor ein paar Tagen in Dinslaken (Nordrhein-Westfalen) auf den Sattel seines Drahtesels gestiegen und Richtung Norden gestartet.

Sein Elternhaus stand in Diekhof

Der Diekhof war sein Geburtsort. Auch Trappenkamp gehörte zu den Lebensstationen seiner Kindheit. Das war 1950. Und obwohl Willi Cihak die meiste Zeit seines Lebens in Nordrhein-Westfalen verbracht hat: Segeberg trägt er noch immer im Herzen. Der Diekhof sei mehr als eine große Kindheitserinnerung und der Ort, in dem sein Elternhaus stand, sagt er. Die Großeltern haben hier noch viele Jahre gelebt.

Willi Cihak (70) radelt für im Krieg werwunde Kinder von Dinslaken nach Pronstorf

Und weil er sowieso immer schon gerne mit dem Fahrrad unterwegs war, hat er als Jugendlicher einfach mal das Rad rausgeholt und ist aus NRW zu Oma und Opa ins Segebergische in die Pedale getreten. 55 Jahre ist das her. Drei Tage habe er damals für eine Strecke gebraucht. „Jetzt habe ich mir die Tour noch mal zum 70. selbst geschenkt.“ Das war am 24. Juni. Sehen, ob er es noch „drauf hat“, wollte er.

Friedensdorf International

Der Aufgabenschwerpunkt des Friedensdorfes International (gegründet als Bürgerinitiative Aktion Friedensdorf 1967 in Oberhausen) ist es, Kindern aus Kiesen- und Kriegsgebieten eine bestmögliche medizinische Versorgung zu ermöglichen. Dafür werden sie nach Deutschland geholt, um sie hier in Kliniken behandeln zu lassen. Rund 150 bis 180 Jungen und Mädchen, die vor allem aus Afghanistan, Angola, dem Kaukasus und Zentralasien kommen, sind nach Angaben der gemeinnützigen Organisation immer im Friedensdorf. Hier werden sie nach dem Klinik-Aufenthalt betreut, bekommen die nötige Reha. Es gibt verschiedene Kooperationen mit Kliniken in Deutschland aber auch Hilfsorganisationen in den betroffenen Ländern, etwa dem Roten Halbmond und dem Deutschen Roten Kreuz.

Für die Neuauflage lässt sich der Rentner ein bisschen mehr Zeit: „So um die 100 Kilometer will ich am Tag schaffen.“Freitag, spätestens Sonnabend will er in Pronstorf ankommen. „Beim Start habe ich ein bisschen gemogelt“, gesteht der frühere Personaler aus einem mittelständischen Betrieb. Da habe er sich bummelig 40 Kilometer mit dem Auto chauffieren lassen. Ein Fernsehteam wollte über seine Reise zugunsten des Friedensdorfes berichten. Und auch die gerade in Deutschland behandelten Jungen und Mädchen wollten ihn verabschieden. Die dafür nötige Zeit musste wieder rausgeholt werden. Aber nun ist er auf Kurs.

Kinder sind die ersten unschuldigen Opfer

Seit sieben Jahren engagiert sich der zweifache Vater und Großvater für den aus einer Bürgerinitiative gewachsenen Verein, der schwerkranken und -verletzten Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten eine Behandlung in Deutschland ermöglicht. „Die ganze Welt sollte von dieser Initiative wissen und wie wichtig sie ist.“ Willi wird nicht müde von den Projekten zu berichten – und von den Kindern, die „die ersten unschuldigen Opfer sind“ in jedem gewalttätigen Konflikt, wie er sagt.

Erstspende: Einen Euro für jeden gefahrenen Kilometer

Mit ins Boot geholt hat der Mann mit seiner Überzeugungskraft das Seniorenheim Haus Marthahof, in dem sein Vater bis zu seinem Tod 2017 betreut wurde. Es gehört zur Korian-Gruppe, von der auch die Zusage für die ersten Spenden seiner Tour kam: einen Euro für jeden gefahrenen Kilometer.

Rücktour über Hamburg

Gut 500 Kilometer ist der Hinweg von Willis Werbetour lang. Ein paar Verschwenkungen mit Stopps gehören dazu. Etwa im Haus am Steertpogg in Norderstedt, in der Seniorenanlage Geertz in Bad Schwartau aber auch bei der zehnjährigen Luzineide aus Angola, deren Bein in einer Klinik in Nordhorn begradigt werden konnte. Übernachtet wird bei Freunden, bekannten und in Jugendherbergen: „Am ersten Tag hat es getröpfelt, aber ansonsten sind bei 24 Grad nur ein paar Wölkchen vorbeigezogen.“ Willi Cihak ist jedenfalls optimistisch, was die Reisebedingungen angeht – auch für den Rückweg, der nach einer Pause über Hamburg führt, natürlich ebenfalls mit dem Fahrrad.

Von Heike Hiltrop

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