Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Windkraft in Travenhorst: ein Dilemma fürs Dorf
Lokales Segeberg Windkraft in Travenhorst: ein Dilemma fürs Dorf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
20:00 15.02.2020
Rund 50 Einwohner aus Travenhorst und den umliegenden Gemeinden konnte Bürgermeister Michael Göttsche auf der Einwohnerversammlung begrüßen. Quelle: Petra Dreu
Anzeige
Travenhorst

Die Einwohner von Travenhorst stecken in einem Dilemma: Da ist eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft mit Verständnis füreinander und Sympathie für diejenigen, die nicht unbedingt auf der Sonnenseite gestanden haben. Da sind aber auch Familien, die vor Lärm auch durch Windkraftanlagen nach Travenhorst geflüchtet sind – in der Hoffnung, das könne sich mitten in einem Naturpark nicht wiederholen.

Nach einer ersten Infoveranstaltung im benachbarten Dorf Berlin konnte Bürgermeister Michael Göttsche auf der Einwohnerversammlung rund 50 Besucher zählen. Am nächsten Donnerstag um 19 Uhr tagt der Bau- und Wegeausschuss der Gemeinde Travenhorst, und am 5. März, ebenfalls ab 19 Uhr, wird sich die Gemeindevertretung mit der Windkraft beschäftigen. Die Zeit drängt, denn am 13. März endet die Frist zur Abgabe von Stellungnahmen zum dritten Entwurf des Regionalplanes.

Die Statements der Einwohner waren unterschiedlich. Verständlich waren sie alle.

Von drei Potenzialflächen nur noch eine übrig

„Seit etwa einem Jahr gibt es einen privatrechtlichen Vertrag der Landeigentümer mit der Firma GP Joule aus Reußenköge in Ostfriesland. „Einen schnellen Ausnahmeantrag will die Firma nicht stellen, sondern warten, bis der Regionalplan Gültigkeit hat“, berichtete Göttsche, der seinen Einwohnern einen umfassenden Einblick in das Online-Beteiligungsverfahren „BOB-SH Landesplanung“ gab. Aus ursprünglich drei Potenzialflächen ist derzeit nur noch eine dezidierte Fläche übrig, die von 38,6 Hektar auf 25,4 Hektar geschrumpft ist. Drei Windkraftanlagen hätten darauf Platz.

Die Statements der Einwohner waren sehr unterschiedlich. Verständlich und nachvollziehbar waren alle. Als erster ergriff Landeigentümer Volker Klüver das Wort: „Ich bewirtschafte meinen Hof seit 35 Jahren ökologisch mit Herzblut und Überzeugung. Das bedeutete 35 Jahre Verzicht auf immer mehr Ertrag und bis zu 500 Euro Gewinn pro Hektar und Jahr. Wichtiger war mir, das Land im Einklang der Natur zu bearbeiten. Das habe ich nicht nur für mich, sondern für uns alle getan. Jetzt kann ich von der Windkraft auf meinem Land profitieren. Bin ich deshalb ein Egoist?“ Man merkte, dass ihm die Gemeinschaft wichtig ist. Er bot sogar zehn Prozent seiner Pachteinnahmen für die Gemeinde an.

Das sagten die Einwohner

Damit ließ sich Thorsten Dickhuth nicht locken, der schon einmal vor Windkraftanlagen geflüchtet ist. In Steenkrütz fand er ein ruhiges Plätzchen. Die Windkraftanlagen haben ihn eingeholt. „Windkraftanlagen in einen Naturpark zu setzen, ist für uns unfassbar“, sagte er.

Jörg Vogt ist vor drei Jahren nach Travenhorst gezogen. „Die Leute kommen, um zu meditieren, zu entspannen und Natur und Landschaft zu genießen. Jetzt sollen in 1200 Metern Entfernung drei Industrieanlagen entstehen. Hier geht es nur um Geschäftemacherei- und wir alle zahlen dafür“, ist er überzeugt.

Für Dagmar Traber aus dem Wensiner Ortsteil Taterborn ist es ein Phänomen, wie mit der Windkraft umgegangen werde. Sie warnte davor, dass die Dorfgemeinschaft darunter leiden könnte. „Das Thema macht viel kaputt. Es geht schließlich um viel Geld“, sagte sie. Sie werde wieder Widerspruch einlegen. „Das ist mein gutes Recht.“

Lesen Sie außerdem:

Gegenwind aus Berlin für Travenhorster Windkraft

Auf diesen Flächen will das Land Windräder zulassen

Verseucht der Beton von Windkraftanlagen das Grundwasser?

Von Petra Dreu

Steigende Schülerzahlen: Die Klassenräume in der Trave-Schule Bad Segeberg und der Schule am Hasenstieg in Norderstedt reichen nicht mehr aus. Bildungsausschuss stimmt überraschend für eine größere Erweiterung als bisher geplant.

15.02.2020

Der Hamburger Flughafen stellt im Ortsteil Rhen bis Mai auf seine Kosten einen Messcontainer auf, der jede Sekunde zwei Lärmwerte misst. Die Beschwerden über den Fluglärm haben drastisch zugenommen.

15.02.2020
Segeberg IG „Wir haben nur eine Heimat“ Windkraft: „Die Gegenseite ist hochaktiv.“

Initiatoren warnen davor, die Schlacht gegen Windkraftinvestoren für gewonnen zu halten. Bürger der Gemeinden Krems II, Daldorf, Blunk und Groß Rönnau sind aufgefordert, neue Stellungnahmen abzugeben.

14.02.2020