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Segeberg Würdevoller Ort für die Trauer um das verlorene Kind
Lokales Segeberg Würdevoller Ort für die Trauer um das verlorene Kind
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16:05 27.04.2019
Friedhof Norderstedt Grabfeld für Sternenkinder Norderstedts Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder (r.) und Steinmetz Andreas Boldt weihen das Grabfeld für Sternenkinder ein. Quelle: Burkhard Fuchs
Norderstedt

Eltern von still geborenen Kindern haben jetzt auf dem städtischen Friedhof in Norderstedt einen würdevollen Ort, wo sie trauern können. Auf direkte Initiative von Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder hat die größte Stadt im Kreis Segeberg auf dem Friedhof Friedrichsgabe ein Grabfeld für sogenannte „Sternenkinder“ geschaffen, wie Roeder diese zu früh oder tot geborenen Kinder nennt, die schon in den Himmel gekommen sind, bevor sie das Licht der Welt erblicken konnten.

Ihr sei dies eine Herzensangelegenheit gewesen, erklärt Elke Christina Roeder. „Mir war es ganz wichtig, dass es für betroffene Eltern in Norderstedt einen solchen Ort gibt, wo sie in Ruhe trauern und um ihre still geborenen Sternenkinder weinen können“, erklärt die Oberbürgermeisterin ihr Engagement. Totgeburten seien in unserer Gesellschaft immer noch ein großes Tabu-Thema, so die Verwaltungschefin. „Mit dem Grabfeld wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir diese Sternenkinder wertschätzen.“

Als sie von ihrem Betriebsamt hörte, dass es eine solche Ruhestätte in Norderstedt noch nicht gebe, habe sie sich sofort dafür eingesetzt, sie zu schaffen.

Idyllisch inmitten des Friedhofs

Das ovale Grabfeld liegt idyllisch inmitten des städtischen Friedhofs unter hohen Bäumen und ist mit Granitsteinen eingefasst. Darin befinden sich kleinere Steine in Sternenform, auf denen betroffene Eltern die Namen ihrer Liebsten eingravieren können, die nicht genug Lebenskraft besaßen. Dazu thront auf einer etwa 1,20 Meter hohen Basaltsäule ein kleiner Mädchenengel, der in den Himmel schaut und dabei zufrieden, fast glücklich wirkt.

Auch das sei ihre Idee gewesen, erläutert Roeder. Die betroffenen Eltern seien schon von ihrem tiefen Schmerz und der Trauer so stark eingenommen, dass dieser positive, lebensfrohe Ausdruck der Statue ihnen Mut, Kraft und Hoffnung vermitteln soll. „Es sollte ein schöner Ort werden, wo sie Ruhe, Entspannung und ein wenig Trost von ihrem emotionalen Schmerz finden können.“

Geschaffen hat das neue Grabfeld für Sternenkinder der Steinmetz Andreas Boldt, der ähnliche Grabanlagen schon in Kaltenkirchen und Norderstedts Nachbarstadt Quickborn geschaffen hat. Die Statue habe er aus einem besonderen Sandstein aus Oberkirchen bei Minden in Westfalen hergestellt, der sich besonders gut für das Anfertigen von Skulpturen eigne. „Dieser Sandstein ist auch im Kölner Dom sehr häufig verwendet worden“, sagt der Steinbildhauer.

Inschrift von Antoine de Saint-Exupéry

Die Basalt-Stele trägt zudem eine Inschrift aus dem berühmten Kinderbuch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry: „Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache...“

Einen passenderen inhaltlichen Bezug zu dem Schicksal der Sternenkinder könnte es kaum geben, war Roeder auch von dieser Inschrift überzeugt und habe dafür den Steinmetz Boldt gewinnen können, dem sie immer wieder ihre Sonderwünsche bei der Ausführung seines alten Handwerks vermitteln konnte. Zwei Monate habe dieser Prozess gedauert. „Ich war furchtbar“, gibt Roeder zu. Was Steinbildhauer Boldt mit einem sanften Lächeln kommentierte.

Viel Eigenarbeit geleistet

Zu der Höhe der Kosten des neuen Grabfeldes macht die Verwaltung keine Angaben. Es sei auch viel in Eigenarbeit geleistet worden. So habe die Inklusionsgruppe des Baubetriebshofes wesentliche Arbeiten verrichtet, lobt Roeder. Die Kosten würden mit der Bestattungsgebühr verrechnet. Wobei die Gravur der Namen der Sternenkinder auf einem der Sternensteine für die Betroffenen kostenlos sei.

Rund um die Sternenkinder-Anlage ist zudem eine Grabanlage geschaffen worden für Kinder, die im Alter unter fünf Jahren verstorben sind, erklärt Frank Werner. Er verwaltet den Norderstedter Friedhof mit seinen 5500 Gräbern seit 1991 verwaltet. Jedes Jahr werden etwa 200 Menschen dort bestattet. Werne weiß, was es für „eine schwere emotionale Belastung“ für die betroffenen Eltern ist, wenn sie ihr Kind so früh verlieren. „Da können sich die Eltern nur sehr schwer mit dem Thema des Begräbnisses beschäftigen“, sagt er. Da sei es nun gut, dass sie diesen Ort hätten, der den Eltern signalisiere, dass für sie und ihre Trauer gesorgt sei.

Für Betroffene sei das neue Sternenkinder-Grabfeld eine ganz wunderbare Sache, findet Susan Artelt-Kröger, die vor 25 Jahren ihre Tochter still verlor und damals keinen so stilvollen Ort für ihre Trauer fand, wie er nun hier in Norderstedt geschaffen worden sei. Für ihre Tochter habe es damals noch nicht einmal eine Sterbeurkunde gegeben.

Burkhard Fuchs