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Segeberg Zerstörte Gasleitung: Haus viel zu spät evakuiert
Lokales Segeberg Zerstörte Gasleitung: Haus viel zu spät evakuiert
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20:10 26.03.2015
Knapp an der Katastrophe vorbei: Gasleck in Garbek.
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Die bei Bauarbeiten zerstörte Gasleitung in Garbek und die Begleitumstände werden immer mehr zu einem Skandal-Fall: Nur knapp ist das Haus Lindenstraße 5, wenige Meter vom Gasleck entfernt, offenbar einer Katastrophe entgangen. Warum wurden erst etwa eine Stunde nach dem Zerbrechen der Gasleitung — gegen 16.20 Uhr — Feuerwehr und Gasversorger von der Bauleitung alarmiert? Warum wurde Familie Pirk mit zwei Kindern erst nach 17 Uhr aus dem Haus geholt, wie Renate Pirk gegenüber den LN mitteilte?

Damit nicht genug der Pannen bei diesem hochgradig gefährlichen Gasunfall. Die Schleswig-Holstein Netz AG teilt nun auf Anfrage durch Sprecher Ove Struck mit, dass im Vorfeld der Kabelarbeiten in Garbek die beauftragte Baufirma zwar „eine Leitungsauskunft“ eingeholt habe. „Ob von der Baufirma die vorgeschriebenen Probebohrungen in diesem Bereich durchgeführt wurden, entzieht sich unserer Kenntnis.“ Und Struck weiter: „Allerdings wurden wir nicht wie vorgeschrieben fünf Tage vor den Baumaßnahmen von der Baufirma informiert, es wurde auch nicht — wie vorgeschrieben — eine Leitungseinweisung wegen des dort liegenden Mittelspannungskabels angefordert.“

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Auf LN-Nachfrage wies Janko Paper, Geschäftsführer der M.U.P. Kabelmontagen & Baumanagement GmbH, die Darstellung zurück, dass der Energieversorger zu spät von dem Gasleck informiert worden sei. Die Alarmierungskette sei eingehalten worden. Auch die anderen Vorwürfe seitens der Schleswig-Holstein Netz stimmten nicht. Janko Paper geht „zu 100 Prozent davon aus“, dass eine Einweisung vor Ort erfolgt sei. In Garbek seien zwei Bauleiter abgestellt worden. Von der sonst üblichen offenen Bauweise abzuweichen und im „Spülbohrverfahren“ die Kabel zu legen, habe sich seine Firma „nicht selbst ausgedacht“. Das müsse dort so wegen des Baumbestandes passieren.

Im Nachhinein fühlten sich die Anlieger extrem gefährdet: Laut Renate Pirk ist sie mit ihrer Familie vor 15.30 Uhr zuerst über den Bruch der Wasserleitung und später auch über die zerbrochene Gasleitung informiert worden. Gegen 16 Uhr war eine Besucherin der Familie von Arbeitern davon abgehalten worden, vor dem Haus ihr Auto per Zündung zu starten. Zu gefährlich! Es musste wegen der Explosionsgefahr weggeschoben werden.

Die Gefahr war erkannt, doch erst viel später, gegen 16.30 Uhr, sei die Feuersirene gegangen. Renate Pirk: „Wir durften später kein Licht im Haus mehr machen. Da haben wir geahnt, in welcher Gefahr wir schwebten.“ Erst gegen 17.20 Uhr — also fast zwei Stunden, nachdem die Gasleitung vor ihrem Haus geplatzt war, seien sie und ihre Familie, darunter zwei Kinder, in Sicherheit gebracht worden. Im Haus sei ein Gasluftgemisch der Gefahrenstufe sechs gemessen worden — kurz vor Explosionsgefahr, hieß es von der Feuerwehr. wgl

LN