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Segeberg „Einen anerkannteren Politiker werden wir kaum finden“
Lokales Segeberg „Einen anerkannteren Politiker werden wir kaum finden“
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15:56 22.05.2019
Kreispräsident Winfried Zylka (l.) machte die Vereidigung von Landrat Jan Peter Schröder 2014 zu einer unterhaltsamen Veranstaltung. Quelle: Spreer
Segeberg

Er war sicher kein Mensch mit autoritärem Gehabe, selbst wenn die Kreistagssitzungen turbulent wurden. Winfried Zylka verlor weder durch empörte Bürger noch durch hitzige Debatten das Ziel aus den Augen: Er wollte etwas Gutes für den Kreis Segeberg erreichen. Ihm war klar, dass das nur mit Teamarbeit funktioniert. Und mit Zuhören. Er war bekannt für seinen guten Draht zu allen Fraktionen und dafür, auf jeden zuzugehen.

Er hatte sich vor einem Jahr krankheitsbedingt aus der Politik verabschiedet. Dennoch sind seine Weggefährten teilweise von seinem Tod überrascht worden. „Das wird eine große Lücke reißen. In Gedanken bin ich bei seiner Familie“, sagt Landrat Jan Peter Schröder. „Winfried Zylka und ich haben in all den Jahren sehr gut zusammengearbeitet. Dabei ist ein sehr persönliches, fast freundschaftliches Verhältnis entstanden.“

Er war Kreispräsident von 1990 bis 2018

„Wir verlieren eine außerordentliche Persönlichkeit“, sagt Kreispräsident Claus Peter Dieck (CDU). „Einen anerkannteren Politiker werden wir im Kreis kaum finden.“ Ihm habe die Nachricht von seinem Tod ein wenig den Boden unter den Füßen weggerissen. Er habe nicht damit gerechnet. Noch im Hauptausschuss vor einer Woche hatte er Grüße von Zylka überbracht. Nun ist er dankbar über diese letzte Begegnung. „Er arbeitete über Grenzen hinweg, wollte gestalten und hat stets für die Demokratie geworben“, so Dieck.

Mit 20 Jahren in die Kommunalpolitik

Zylkas 28 Jahre an der Spitze des Kreistags haben in Schleswig-Holstein Seltenheitswert. Geboren wurde Winfried Georg Zylka am 22. September 1946 in Bad Bramstedt, wo er aufwuchs und 1966 sein Abitur ablegte. Der Diplom-Mathematiker arbeitete seit 1976 bis zu seiner Pensionierung 2009 im Kieler Kultusministerium, wo er zuletzt das Hochschulreferat leitete.

1990 kandidierte er als Landrat, unterlag jedoch knapp dem parteilosen Georg Gorrissen. Zur CDU hatte Winfried Zylka bereits früh gefunden: 1966 stieß er zur Jungen Union, von 1988 bis 1990 war er Kreisrat (so hießen damals die Hauptausschussmitglieder) und CDU-Fraktionschef im Kreistag, seit 1992 war er zugleich stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender.

Gerecht, offen und anerkannt

Weil er Sitzungen gerecht und offen leitete, war er bei allen Fraktionen anerkannt. Auf den Tisch zu hauen, war nicht seins. Und dennoch tat er es, wenn es nötig war. Etwa 2005, als er schimpfte, wie ein Lehrer vor einer Rasselbande ungezogener Kinder. Es ging um den Tagesordnungspunkt „Strategisches Management“.

Das Bimmeln seiner Tischglocke wurde gekonnt überhört. Und genau das konnte Zylka nicht ausstehen: Disziplinlosigkeiten. Hart blieb er auch 2006, als es Proteste aus den Gemeinden und Städten hagelte – wegen der Erhöhung der Kreisumlage um fünf Prozent. „Beendet endlich den Kleinkrieg“, forderte er damals.

Doch die Regel blieben ruhige Sitzungen, die er routiniert und mit sanftem Druck leitete. „Man hat die Welt nicht bewegt, wohl aber ein bisschen in dieser Welt“, sagte Zylka bescheiden, als er 2006 seinen 60. Geburtstag feierte.

Wegweiser für die Abgeordneten

„In Gesprächen ist es ihm immer gelungen, andere Menschen mitzunehmen und die Abgeordneten auf den richtigen Weg zu bringen“, sagte Segebergs früherer Landrat Georg Gorrissen zu Zylkas 25. Dienstjubiläum 2015. Die Nachricht vom Tod seines langjährigen Weggefährten und Freundes erreichte ihn im Urlaub. „Meine Frau und ich haben einen guten und wunderbaren Freund verloren“, sagt er. „Unser ganzes Mitgefühl gilt jetzt seine Ehefrau Sabine und seinen Kindern und Enkelkindern.“

Die Zusammenarbeit sei von großem, gegenseitigen Vertrauen geprägt gewesen. Er habe von Anfang an die Wahlentscheidung von 1990 akzeptiert. „In besonderer Erinnerung bleiben mir einige Kreistagssitzungen, in denen dieses Zusammenwirken zum Wohle des Kreises Segeberg deutlich wurde.“

Gorrissen schätzte seine offene und ehrliche Art, seine absolute Zuverlässigkeit und Verlässlichkeit, seine freundliche und zugewandte Art. „Das hat die Zusammenarbeit ausgesprochen erfreulich gemacht. Auch nach meinem Ausscheiden aus dem Dienst hat dieser gute Kontakt angehalten. Wir werden ihn sehr vermissen und nicht vergessen.“

Gewinn für die Gemeinschaft

Auch die SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Edda Lessing, betont: „Er hat es verstanden sein Amt auszufüllen, wie ich es mir vorstelle: Er hatte für alle Fraktionen ein offenes Ohr“, sagt sie. „Und das nicht nur vermeintlich, sondern tatsächlich. Er hat sich der Dinge angenommen und versucht, eine Lösung herbeizuführen – ohne das Gefühl zu vermitteln, parteiisch zu sein.“

Das habe ihr gut gefallen. Außerdem sei er ein sehr geselliger Typ gewesen. „Er war locker, nicht nur formal. Neben der Politik war er ein Gewinn für das Zusammenleben und -arbeiten.“

Trauerfeier am 27. Mai

Die Beerdigung findet am Montag, 27. Mai, um 13 Uhr von der Vicelin-Kirche St. Jakobi in Bornhöved aus statt. Die Familie bittet anstelle freundlich zugedachter Blumen um Spenden für die ALS-Hilfe an der Berliner Charité; IBAN: DE53 1005 0000 1270 0055 50, Verwendungszweck: Winfried Zylka/ALS 89751010.

2007 mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

Zylka wurde für sein außerordentliches Engagement unter anderem 1997 mit der Freiherr-vom-Stein-Medaille und 2018 mit der Ehrennadel des Schleswig-Holsteinischen Landkreistages ausgezeichnet.

Seine Dienste im Sinne des Gemeinwohls reichen aber auch über Kreisgrenzen hinaus. Er trug zur positiven Außenwirkung Segebergs bei, zum Beispiel, indem er ein Vertrauensverhältnis zu den Nachbarkreisen und Lübeck aufbaute. Er pflegte Partnerschaften und bekannte sich klar zur Europäischen Einheit. 2007 erhielt er die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht: das Bundesverdienstkreuz am Bande.

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Irene Burow

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