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Segeberg Zwei Schwerverletzte bei Feuer am Vitalia Seehotel
Lokales Segeberg Zwei Schwerverletzte bei Feuer am Vitalia Seehotel
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09:39 07.02.2017
Aus einem mehrstöckigen Gebäude am Vitalia Seehotel in Bad Segeberg qualmt es stark. Quelle: Petra Dreu
Bad Segeberg

Das ist ein Schreckenszenario für jeden Feuerwehrmann: Feuer in einem Hochhaus. Am Montag wurde das Realität beim Brand im elfstöckigen Apartmenthaus neben dem Vitalia Seehotel in Bad Segeberg. Eine 47-Jährige verletzte sich beim verzweifelten Sprung aus einem Fenster schwer, eine 28-jährige Frau erlitt eine Rauchgasvergiftung. Beide Frauen mussten stationär behandelt werden. Sieben weitere Personen wurden bei dem Brand leicht verletzt.

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Das Feuer war in einem Verteilerkasten im ersten Stock des Hauses ausgebrochen, wie ein Polizeisprecher am Dienstagmorgen sagte. Der Verteilerkasten befand sich demnach in einem Technikraum. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Renovierungsarbeiten am Gebäude das Feuer verursacht hätten.

Gegen 13.44 Uhr hatte die Einsatzleitstelle Alarm zunächst „Feuer mittel“ für die Bad Segeberger Feuerwehr ausgelöst. Starke Rauchentwicklung und Flammenbildung waren gemeldet worden. Als die Feuerwehr eintraf, rief die 47-Jährige, die sich wahrscheinlich beim Sprung aus dem zweiten Stock verletzt hat, bereits vom Flachdach der direkt angrenzenden Hotelsäle laut um Hilfe.
Klinikmitarbeiter und die Polizei kamen der Frau vom Hotel aus zur Hilfe, wo sie erstversorgt, anschließend ins Allgemeine Krankenhaus gebracht wurde.

Innerhalb kürzester Zeit wurde der Einsatz zum Großfeuer hochgestuft, bei dem ein riesiges Aufgebot an Einsatzkräften gefordert war. 35 Rettungssanitäter und Notärzte, 16 Polizeibeamte und 131 Feuerwehrleute aus Bad Segeberg, Wahlstedt, Fahrenkrug, Wittenborn, Klein Rönnau sowie von der Werksfeuerwehr von Möbel-Kraft waren im Einsatz. Später wurde auch ein Einsatzzug der Feuerwehr Bad Oldesloe mit einer dritten Drehleiter nachalarmiert.
Das Apartmentgebäude mit 150 Wohnungen gehört zu 80 Prozent den Segeberger Kliniken, die restlichen Wohnungen sind im Besitz von Privatpersonen. Seit geraumer Zeit wird das Hochhaus renoviert, in dem unter anderem Hotel-Mitarbeiter wohnen. Auch gestern war in dem Gebäude gearbeitet worden. Das erste Obergeschoss, in dem das Feuer in einem Technikraum entstand und das diesen völlig zerstört hat, ist derzeit nicht bewohnt.
Die größten Probleme für die Einsatzkräfte: Sie wussten zu Beginn des Einsatzes nicht, wo genau das Feuer ausgebrochen war. Zwar zeigten sich hinter den Fenstern immer wieder Personen. Doch die Einsatzkräfte hatten keinerlei Angaben dazu, wie viele Menschen sich in dem Hochhaus aufhielten, aus dem immer mehr dunkler Rauch von zwei Seiten nach außen drang.

Die Menschen im zweiten Stockwerk wurden über Drehleitern ins Freie gerettet. Und die von der Feuerwehr umgehend eingeleiteten Maßnahmen zeigten schnell Erfolg. „Die Abschottung hat funktioniert. Wir haben einen Zangenangriff vorgenommen und konnten somit die Rauchentwicklung eindämmen. Eine Rauchschutztür war zwar geöffnet, die anderen haben aber standgehalten und dafür gesorgt, dass die oberen Stockwerke gar nicht oder nur leicht betroffen waren. Deshalb haben wir beschlossen, die Personen in den oberen Stockwerken in ihren Wohnungen zu belassen, da für sie keine unmittelbare Gefahr bestand“, sagte der Einsatzleiter, Bad Segebergs Wehrführer Mark Zielinski. Insgesamt hatte er sechs Angriffstrupps aus Atemschutzgeräteträgern im Einsatz. Für sie wurde im Vitalia Seehotel ein Raum eingerichtet, in dem sie sich nach dem kräftezehrenden Job ausruhen konnten.
Erst am späten Abend hatte die Wehr zwar das Feuer gelöscht, am Abend war der Einsatz beendet. „Wir wissen inzwischen, dass derzeit außer den Verletzten weitere 85 Personen in dem Haus wohnen. Weil nicht nur der Strom, sondern auch Wasser und Heizung ausgeschaltet werden mussten, müssen die Bewohner anderweitig untergebracht werden,“ berichtete Wehrführer Zielinski gestern Abend. Es werde nach Unterbringungsmöglichkeiten bei Verwandten, Freunden oder in Hotels gesucht.
Ein Prüfstatiker sei ebenfalls vor Ort gewesen, der die Standfestigkeit des Gebäudes unter die Lupe genommen habe. „Die Standfestigkeit sieht er als nicht gefährdet“, so der Einsatzleiter. Die Höhe des Sachschadens war gestern noch nicht bekannt. Die Kriminalpolizei war gestern vor Ort und hat erste Ermittlungen zur genauen Ursache des Feuers aufgenommen. Heute werden diese mit Brandsachverständigen weitergeführt.

Petra Dreu