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Segeberg Zwischen Seriosität und Fake News
Lokales Segeberg Zwischen Seriosität und Fake News
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21:10 24.07.2018
Jennifer Arp hat in der Multimedia-Redaktion alles im Blick: Dutzende Beiträge über das Camp werden jeden Tag veröffentlicht. Quelle: Fotos: Irene Burow
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Mözen

Instagram liegt voll im Trend“, sagt Jennifer Arp. „Das meiste passiert nicht mehr auf Facebook, sondert hier.“ Die Teilnehmerin aus Deutschland hat den Account des Ostsee-Jugendmediencamps des Landesjugendrings (OJMC) in Mözen im Blick. Ein Bild oder Video veröffentlichen, ein paar Worte dazuschreiben, fertig. Mehr passiert auf der Plattform nicht. Sie lebt von Bildern. „Facebook geht eher unter“, sagt sie, getwittert werde vergleichsweise wenig. Doch die 36 Jugendlichen aus sechs Nationen – so viele, wie noch nie – nutzen alle Kanäle: Videos auf Youtube, Blog, Bildergalerien. Dutzende Beiträge sind so in der vergangenen Woche in die Öffentlichkeit gelangt.

Geschäftige Stille: Sie tragen Kopfhörer, tippen und beraten leise. Aber was dabei herauskommt, ist bunt, kreativ und laut – im Netz. Drei Dutzend Jugendliche tauchen in Mözen tagelang in die Welt der Medien ein. Sie nehmen Geräusche auf, schneiden, drehen und posten alles, was sie erleben.

Das Material sammeln sie im Camp: bei Vorträgen und Exkursionen in Medienhäuser. Carsten Kock, Chefkorrespondent bei Radio Schleswig-Holstein, haben sie gefragt, was den Journalisten von einem Moderator unterscheidet. Im Radio haben sie lettisch gesungen, ein Gruppenbild im Hamburger NDR-Studio veröffentlicht, den Journalisten Lars Kaufmann zu positiven und negativen Einflüssen von sozialen Medien befragt. Die Kamera, das Mikrofon, Block und Stift – immer dabei. Nach fast einer Woche ist dann „endlich Zeit, das Material zu sichten“, schreiben sie. Morgen, 26. Juli, werden die Ergebnisse um 17 Uhr im Kiel TV und ab 16 Uhr auf Kiel FM Hörfunk- und TV-Sendung live gesendet.

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Drei Redaktionen haben sie dafür gegründet; eingeteilt in Fernsehen, Radio und Multimedia. Polina, Gabriela, Annemarija, Wiktoria, Hedda, Truls und Karolina feilen mit Tonbeiträgen an einem Hörspiel.

Nebenan schneiden Alina und Synnove mit der Referentin des Offenen Kanals, Lea Burmeister, Videoschnipsel im Akkord. Das Programm geht dabei im Haus Rothfos weiter: Bei Länderabenden erzählen sie von ihrer Kultur, per Drohne und entsprechender Genehmigung entstehen Luftbilder, in Workshops lernen die Schüler und Studenten Grundlagen der Medienkompetenz.

„Nur weil jeder eigene Beiträge verbreiten kann, heißt das nicht, dass das auch glaubhaft ist. Den Unterschied von Seriosität und Meinungsmache wollen wir vermitteln“, sagt Markus Krajc, Referent für internationale Jugendarbeit beim Landesjugendring. In diesem Jahr stehen im Camp neben der kreativen Arbeit auch Fake News, also manipulative Falschmeldungen, Filterblasen – also Inhalte, die dem Nutzer anhand seiner Interessen angezeigt werden und ihn von anderen Informationen isoliert – sowie Extremismus im Netz auf dem Programm. „Die Jugendlichen sitzen oft bis spät in die Nacht“, sagt Krajc, selbst wenn der offizielle Teil des Tages längst beendet ist. „Auch für mich ist es jedes Mal eine Medienfortbildung.“

Das Camp wird vom Landesjugendring und dem Offenen Kanal organisiert. Es findet zum 14. Mal statt und dauert elf Tage – noch bis Freitag. 36 Jugendliche aus Dänemark, Norwegen, Lettland, Polen, Russland und Schleswig-Holstein arbeiten in der Bildungsstätte Haus Rothfos in Mözen. Sie bewerben sich für das Camp und bezahlen nichts – Zuschüsse gibt es vom Land, Offenen Kanal Schleswig-Holstein sowie der GLS Treuhand. Der Landesjugendring vertritt die Interessen von 25 Organisationen und 15 Kreisjugendringen – von rund 500000 Kindern und Jugendlichen.

Von Irene Burow