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Segeberg Zwischen Sucht und Kompetenz: Medien-Aktionstag am BBZ Bad Segeberg
Lokales Segeberg Zwischen Sucht und Kompetenz: Medien-Aktionstag am BBZ Bad Segeberg
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14:40 25.06.2019
500 BBZ-Schüler liefen beim Sponsorenlauf mit, 2600 konnten sich später informieren. Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg

Keine Stunde. Nicht mal eine Minute wäre Hussein Khalil bereit, sein Smartphone aus der Hand zu legen. Er braucht es für Facebook, Instagram, Snapchat und Whatsapp.

All diese „sozialen Dienste“, über die heute fast pausenlos kommuniziert wird. Der 18-jährige Schüler des Berufsbildungszentrums Bad Segeberg (BBZ) interessiert sich zum Beispiel für Feuerwehrthemen. „Aber es geht auch um meine Berufsfindung“, erzählt er. Er schaut also nicht nur aus Langeweile auf den Bildschirm. Er will sich auch weiterentwickeln und sucht nach Jobs.

„Ohne Handy fühlt man sich einsam“

„Man denkt, zu viel zu verpassen. Ohne Handy fühlt man sich einsam“, sagt Mina Fischer (17). Aber einige Wochen ohne auszukommen, traut sie sich zu. „Man will halt immer wissen, was die anderen machen“, sagt ihre Mitschülerin Finya Gers. „Wenn es sein muss, würde ich es für eine Woche weglegen. Im Urlaub oder Feriencamp – da es fällt nicht auf, so lange man beschäftigt ist“, sagt die 17-Jährige.

Das BBZ hat die Sucht nach dem Bildschirm, den gesunden Umgang mit Medien und mögliche Alternativen zum Thema gemacht. In dieser Woche hat es einen ersten Sponsorenlauf gegeben. 500 Schüler liefen durch die Bad Segeberger Innenstadt. Das Ziel: Mal ohne Handy sein. Drei Kilometer Bildschirm-Freiheit.

Erster Sponsorenlauf und Infotag am BBZ Bad Segeberg

Nicht wie bei anderen Läufen dieser Art sammeln die Schüler selbst Geld. Hiesige Firmen und Institutionen waren aufgerufen, den „Run to reality“ zu unterstützen. 14 Sponsoren haben zusammengelegt.

Von den 1800 Euro sollen am BBZ sogenannte Kommunikationsbänke aufgestellt werden. Eine bildschirmfreie Zone. Für Gespräche unter vier bis mehr Augen – die keine technischen Dolmetscher brauchen. Zwei Boxsäcke werden zudem für Aggressionstraining angeschafft. Und ein Teil an die ATS Suchthilfe gespendet.

Ziel ist der bewusste Umgang

„Medien sind sehr dominant geworden, das fällt uns auch auf“, sagt Christa Schröder vom Präventionsteam des Bildungszentrums. Zwar sei es nicht schwer, einen störungsfreien Unterricht zu gestalten. Doch die Lehrkräfte würden immer wieder damit konfrontiert werden. „Das ist der Start am BBZ, sich mehr damit auseinanderzusetzen. Das Ziel ist aber nicht, Medien zu verbieten. Wir wollen bewusst machen“, so Schröder. „Das wird ein Thema bleiben, mit wir uns immer wieder befassen müssen.“

Diese Regeln schlagen Schüler vor

Im Unterricht sind Regeln und Tipps im Umgang mit Medien erarbeitet worden. Sie sollen zusammengefasst werden und später eine Art Leitfaden bilden. Das sind die Vorschläge der Schüler: „Chatten planen und Zeit an der Technik begrenzen, Freunde nicht einfach fotografieren, zu viel Zeit am Bildschirm schadet der Konzentration, Hobbys ohne Medien suchen, beim Essen auf’s Telefon verzichten, Kindern Vorbild sein, nutzen ohne zu stören: Handys im Unterricht lautlos stellen, nichts ungefragt verbreiten, Smartphones während realer Kommunikation weglegen, Handys wegschließen beziehungsweise handyfreie Zonen. . .“

Nach dem Lauf, bei dem auch Schulleiter Heinz Sandbrink beteiligt war, informierten sich hunderte Schüler in der Kreissporthalle. An 30 Ständen ging es um Alternativen zur Onlinewelt und Freizeit. Vereine und Organisationen hatten eingeladen.

Zum Beispiel drehte Katharina Albrecht ihre Runden. Die 17-Jährige ist in ihrer Altersklasse Deutsche Meisterin im Stunt Scooter. „Wenn ich fahre, nutze ich mein Smartphone gar nicht“, sagt sie. Aber klar drehe sie auch Videos von ihren Tricks für Instagram und Whatsapp. „Ich brauche das für meinen Sponsor. Ganz ohne geht es nicht“, sagt die BBZ-Schülerin.

„Telefone nicht das wichtigste“

Darüber hinaus übte sich die Jugend im Jonglieren, beim Bogenschießen oder in Selbstverteidigung. Der Radiosender Offener Kanal Lübeck war dabei, die Feuerwehr und Rettungskräfte, Tierschützer, Flüchtlingshelfer und andere Vereine.

„Es kommt drauf an, was man macht und mit welchen Menschen man zusammen ist“, bilanziert Carina Fenker (22) ihr Handyverhalten. „In der Schule geht es mir anders, als wenn ich mit Freunden oder der Familie Zeit verbringe. Im Urlaub hat man ohnehin oft kein Netz.“ Da ginge es ohne.

„Man sollte sich öfter selbst kontrollieren. Telefone sind nicht das wichtigste. Früher ging es ja auch ohne“ – das nimmt Jette Eggert (17) von dem Aktionstag mit. „Aber einmal am Tag müsste ich schon draufgucken“, meint Elena Gruntmann (17). Um Schlagzeilen zu lesen zum Beispiel. Und Freunde und Familie seien es schließlich gewohnt, dass man immer erreichbar ist.

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Irene Burow

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