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Segeberg Kreisjugend blockiert Klimaschutz-Maßnahme
Lokales Segeberg Kreisjugend blockiert Klimaschutz-Maßnahme
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19:40 18.01.2019
Bei der Wahl zur Kreispräsidentin bekam Ileana Töter (14) vom Alstergymnasium Henstedt-Ulzburg die meisten Stimmen.
Bei der Wahl zur Kreispräsidentin bekam Ileana Töter (14) vom Alstergymnasium Henstedt-Ulzburg die meisten Stimmen. Quelle: Irene Burow
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Bad Segeberg

 Streitbare Diskussion: Die Jugend des Kreises Segeberg sieht keine Notwendigkeit dafür, mit Baumpflanzungen vor der eigenen Haustür zum Klimaschutz beizutragen. Ein entsprechender Beschlussvorschlag von der Arbeitsgruppe „Umgang mit Ressourcen“ ist gestern im Kreistag mehrheitlich abgelehnt worden. Die Idee war es, drei bis fünf Hektar Wald neu anzupflanzen. Die Verwaltung sollte entsprechend geeignete Flächen finden. Wie Politik funktioniert, haben Jugendliche aus dem Kreis am Donnerstag und Freitag bei dem Planspiel nachempfunden.

Schüler lernen, wie Politik funktioniert.

„Zeit, dass wir anfangen“

„Es wird Zeit, dass wir anfangen“, verteidigte Henriette den Vorschlag ihrer Gruppe. Ein Wald sei Sauerstoffspender, Lebensraum vieler Arten und CO2-Filter. „Es werden zu viele Bäume gefällt, um zu bauen“, meinte Jody. Kritik kam aus anderen Reihen: „Das ist nicht zu Ende gedacht. Die Landwirtschaft wird dadurch womöglich geschwächt“, meinte Philipp. „Die Kosten sind für den Kreis viel zu hoch.“ Argumentiert wurde auch: „Das ist der falsche Weg, den Klimawandel aufzuhalten. Mit Pflanzungen brauchen wir gar nicht erst anfangen.“ Oder: „Wer weiß, ob das in 20 Jahren überhaupt etwas bringt.“ Oder: „Es ist besser, etwas gegen Kreuzfahrtschiffe zu unternehmen. Sie stoßen im Jahr mehr Abgase aus, als alle Fahrzeuge auf den Straßen.“ Kritisiert wurde auch, dass „ein Wald für Menschen mit Handicap nicht barrierefrei“ sei.

Anders als bei echten Beschlüssen hat die Debatte zwar keine Folgen. Doch der Klimaschutzmanager des Kreises, Heiko Birnbaum, hätte am liebsten die Sitzung unterbrochen. Doch Kommentare sind dem Publikum, wie in der realen Politik, mittendrin nicht gestattet. Birnbaum: „Ich bin fassungslos. Das Anliegen abzulehnen ist nicht das Problem, aber die Argumentation? Ich bin richtig sauer.“ Er habe sich die teilnehmenden Schulen notiert und wolle einmal nachhaken, wie es sich dort mit dem Thema Umweltschutz im Lehrplan verhält.

Zustimmung für App und Plastik-Kampagne

Besser lief es für die weiteren Vorschläge, wie mehr in Begegnungszentren für Migranten und Menschen mit Behinderung zu investieren. Die Mehrheit der Jugendlichen war dafür. Ginge es nach ihnen, würde es in naher Zukunft in Segeberg zudem eine App geben, mit der Schüler sicher im Netz surfen können sowie eine Kampagne, um in Schulen und Kitas Plastik zu vermeiden.

Planspiel seit vielen Jahren

Seit dem Jahr 2000 wird in Segeberg jährlich Kreistag gespielt. Organisiert wird das Projekt vom Kreis, Politikern und dem Verein für Jugend- und Kulturarbeit. Diesmal waren 47 Schüler von Segeberger Schulen als Abgeordnete oder Journalisten dabei. Sie kamen aus Henstedt-Ulzburg, Boostedt, Bad Bramstedt, Bornhöved, Kisdorf und Trappenkamp. Mehr Infos auf: jiksweb.wordpress.com.

„Wie Politik funktioniert, konnte man in diesem Jahr sehr gut beobachten. Die Schüler haben gelernt, was im Plenarsaal passiert“, sagte Segebergs stellvertretende Kreistagspräsidentin, Ulrike Täck (Grüne). „Wir möchten damit ihr Interesse für bestimmte Themen wecken, Diskussionsfreudigkeit und die Einsicht, dass man etwas bewirken kann.“ Es habe sich eine schöne Eigendynamik entwickelt. Kreispräsident Claus Peter Dieck (CDU) forderte die Jugendlichen zu Beginn auf, Politiker ohne Hemmungen anzusprechen: „Auch wir sind lernbereit und lernwillig.“

Danach gab er die Moderation ab an die Planspiel-Kreispräsidentin Ileana Töter (14) vom Alstergymnasium in Henstedt-Ulzburg sowie an Helen Marie Gniot (16) von der Grund- und Gemeinschaftsschule Boostedt. „Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, später in die Politik zu gehen“, sagte Ileana. „Der Fokus muss viel mehr auf Digitales gerichtet werden. Die Jugendlichen wachsen damit auf und müssen einen guten Umgang lernen. An meiner Schule wird da viel getan, bei uns gibt es kein Cybermobbing. Doch das gilt noch lange nicht für alle Schulen, habe ich festgestellt.“

Irene Burow

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