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Stormarn 100 Katzen im Haus: Tierhaltungsverbot gegen Bewohnerinnen verhängt
Lokales Stormarn 100 Katzen im Haus: Tierhaltungsverbot gegen Bewohnerinnen verhängt
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18:11 15.08.2019
Polizisten mussten am Donnerstag über ein Fenster in das vermüllte Haus einsteigen. Die Bewohnerinnen hatten die Tür nicht geöffnet. fort  Quelle: Peter Wüst/rtn
Großhansdorf

Dieser Fall von „Animal Hoarding“, also der Tierhortung, hat eine außergewöhnliche Dimension angenommen: Nachdem aus einem verwahrlosten Haus in Großhansdorf bis Mittwochabend bereits 90 Katzen gerettet wurden, rückten am Donnerstag erneut Helfer des örtlichen Tierheims an, um weitere Tiere aus dem Haus und vom Grundstück zu holen. Die Katzen, darunter auch ganz junge Tiere, wurden in dem Haus unter erbärmlichen Umständen gehalten. Wegen der inzestuösen Vermehrung sollen einige Tiere missgebildet gewesen sein.

Das Kreisveterinäramt, die Gemeinde Großhansdorf, der städtische Bauhof, die Polizei und Mitarbeiter des Tierheimes Großhansdorf haben am Donnerstag ihren Einsatz in dem total vermüllten Einfamilienhaus an der Sieker Landstraße fortgesetzt. Während des laufenden Einsatzes wurde den beiden 70 und 50 Jahre alten Bewohnerinnen das Betreten ihres Hauses von der Polizei untersagt und bei Störung der Maßnahmen ein Platzverweis angedroht.

Polizei verschaffte sich Zugang mit Bolzenschneider

Zunächst hatte sich die Polizei durch Öffnung eines Fensters durch Mitarbeiter des Bauhofes mit einem Bolzenschneider Zugang zum Haus verschafft, nachdem die beiden Bewohnerinnen am Donnerstagmorgen auf Klingeln und Klopfen der Polizei nicht die Haustür geöffnet hatten.

„Bis zum Donnerstagmittag waren insgesamt 105 Katzen von den Einsatzkräften aus dem Haus herausgeholt worden. Alle Tiere wurden auf mehrere Tierheime in Schleswig-Holstein und Hamburg verteilt”, sagte Gregor Tuscher von der Pressestelle des Kreises Stormarn.

Einsatzkräfte beschrieben den LN schlimme Zustände in dem Haus. So soll sich auf den Böden bereits eine feste Schicht aus Kot und Urin gebildet und ein atemberaubender Ammoniak-Gestand in der Luft gelegen haben.

Das Kreisveterinäramt sprach gegen die beiden Frauen zwar ein Tierhaltungsverbot aus. Gegen die Mutter und ihre Tochter sei allerdings keine eine Untersuchung des Amtsarztes angeordnet worden. „Ihr aktueller Zustand stellt keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit dar, und es liegt keine Eigengefährdung vor”, heißt es zur Begründung.

In einem Haus in Großhansdorf haben die Bewohnerinnen unter unhaltbaren Zuständen offenbar mehr als 100 Katzen gehalten. Am Mittwoch schritten die Ordnungskräfte ein.

Bewohnerinnen dürfen Haus zurzeit nicht betreten

Der Zugang zum Haus ist mittlerweile versiegelt. „Inzwischen hat die Gemeinde Großhansdorf den beiden Frauen ordnungsrechtlich das Betreten ihres Hauses aus Sicherheitsgründen untersagt”, sagte Bürgermeister Janhinnerk Voß, der sich am Mittwoch selbst ein Bild im vermüllten Haus gemacht hatte und dabei von einer Katze gebissen wurde. Danach war er sofort zur Begutachtung der Wunde in die Park-Klinik Manhagen gefahren und erhielt dort Antibiotika. „Zum Glück hat sich bis jetzt nichts entzündet, mir geht es gut.“

Gleichzeitig bedankte sich der Bürgermeister bei den Einsatzkräften von Feuerwehr, Tierheim und dem Kreisveterinäramt Stormarn für die geleistete Arbeit in diesem doch sehr „anstrengenden und äußerst emotionalen Einsatz”.

Zukunft der Katzen ungewiss

Auch Landrat Dr. Henning Görtz lobte die gute Zusammenarbeit der einzelnen Fachdienststellen des Kreises und der eingesetzten Kräfte: „Ich stand im Kontakt mit der Einsatzstelle und dem Großhansdorfer Bürgermeister und war damit immer auf dem aktuellen Stand, vor allem auch im Sinne des Tierwohls.“

Wie es rechtlich mit den beiden Bewohnerinnen weitergeht, ist derzeit noch nicht bekannt. Sie fanden bei Verwandten zunächst eine neue Bleibe. Die Zukunft der Katzen ist ungewiss, sie sollen jetzt zunächst untersucht werden.

10 Euro pro Tag und Katze

Die Gemeinde Großhandorf hat am Donnerstag mit den Bewohnerinnen des Hauses über eine sogenannte Abtretungserklärung für die Katzen verhandelt. So könnten die Frauen von der Tierhaftung befreit werden. Hintergrund: Die Tierheim-Kosten pro Katze und Tag beziffert die Gemeinde auf etwa zehn Euro. Macht in dem Großhansdorfer Fall über 1000 Euro pro Tag. Dafür müssten ansonsten die Besitzerinnen haften. Im Gegenzug könnten die Tierheime bei einer Abtretung die Katzen schnell vermitteln.

Für den Einsatz insgesamt werden die Bewohnerinnen allerdings eine wohl saftige Rechnung von der Gemeinde Großhansdorf erhalten.

Von Peter Wüst/rtn

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