Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn 23 Landwirte bauen eine Meierei
Lokales Stormarn 23 Landwirte bauen eine Meierei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:45 27.06.2014
Janosch Raymann (l.) und Mühlenrades Bürgermeister Bernd Salomon zeigen ein Modell der geplanten Meierei. Quelle: Fotos: Bettina Albrod/hfr
Hamfelde

In den 80er-Jahren lebte Familie Raymann auf dem Hamfelder Hof und realisierte ihren Traum von biologisch-wertvoller Landwirtschaft. Was damals als direkte Vermarktung ab Hof begann, entwickelte sich mit den Jahren zu einer regionalen Bauerngemeinschaft mit gemeinsamen Zielen. Jetzt haben sich 23 zertifizierte Bioland-Höfe aus der Region zusammengeschlossen, um unter der Marke Hamfelder Hof eine eigene Biomeierei in Mühlenrade zu bauen.

„Im Frühjahr 2015 soll sie in Betrieb gehen“, erklärt Janosch Raymann, der als Geschäftsführer mit einem Team seit drei Jahren an den Plänen arbeitet. Damit wird die Marke „Hamfelder Hof“ an ihren Ursprung zurückkehren.

„Alle beteiligten Landwirte leben in einem Radius von maximal 150 Kilometern um die zukünftige Meierei“, sagt Raymann, „so wird die Regionalität von Produkten definiert.“ Jeder der Bio-Landwirte füttert seine Tiere nach den strengen Bioland-Richtlinien und der EG-Ökoverordnung und verzichtet auf genetisch veränderte Pflanzen. „Wir verarbeiten ausschließlich die Milch der Betriebe unserer Bauerngemeinschaft“, sagt Raymann.

Gleichzeitig soll die eigene Meierei es den Milchbauern ermöglichen, ihre Produktpalette zu erweitern. „Mit einer kleinen Marke ohne eigene Verarbeitung ist es schwer, neue Produkte auf den Markt zu bringen“, erläutert der 28jährige, „durch die eigene Produktion werden wir in der Lage sein, neben der länger haltbaren Trinkmilch und der Butter bald auch Frischmilch und Joghurt der Marke Hamfelder Hof auf den Markt zu bringen.“ Jeder der 23 Landwirte ist auch Mitbesitzer der Meierei.

Rund zehn Millionen Euro Investitionssumme erfordert das Projekt, das mit Mitteln vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume gefördert wird. 1996 konnte die Meierei Trittau dafür gewonnen werden, die Milch des Hamfelder Hofs separat zu verarbeiten. Als die Trittauer Meierei 2011von Hansano übernommen wurde, wechselten die Biohöfe der Liefergemeinschaft Hamfelder Hof zur Osthusumer Meierei Witzwort.

Dort behielt die Bio-Milch ihre Eigenständigkeit, aber schon damals war klar, dass eine eigene Meierei in die Region sollte. „Alle unsere Höfe sind Mitglieder des Bioland-Verbandes und entsprechend zertifiziert“, erklärt Raymann. Damit bietet die Hamfelder Hof-Milch mehr Bio als Bio, denn neben den EU-Standards werden auch die darüber hinausgehenden Richtlinien der Bioland-Verordnung umgesetzt.

Umwelt, Nachhaltigkeit, biologisch wertvolle Milch und artgerecht gehaltene Kühe — die Grundsätze nachhaltiger Wirtschaft gelten auch für die geplante Meierei. Mit Bernd Salomon, Bürgermeister von Mühlenrade im Kreis Herzogtum Lauenburg, hat sich ein Partner in der Region gefunden, der die Anlage in seinem 186-Einwohner-Ort haben möchte. Gemeinsam mit den Gemeindevertretern, den Investoren und mit Unterstützung des Amts Schwarzenbek-Land konnte der notwendige Bebauungsplan realisiert werden.

Salomon freut sich, dass mit dem Projekt auf lange Sicht die Infrastruktur verbessert wird und Gewerbesteuer in die Gemeindekasse fließt. Das Ortsbild soll dabei erhalten bleiben: Deshalb entsteht ein Gewerbebetrieb, der aussieht wie ein Bauernhof. „Das Gebäude wird eine moderne Meierei, die sich in Aussehen und Baumaterial in das regionale Bild einfügt“, sagt Raymann, der die Milchtanks ins Innere des Gebäudes gelegt hat.

Nur eineinhalb Kilometer Luftlinie ist der Betrieb von Hamfelde entfernt, wo Bedenken wegen des Lieferverkehrs überwogen. „Die Meierei wird mit einer naturnahen Gartengestaltung begrünt“, plant Raymann. „Außerdem ist es uns gelungen, die erforderliche Sterilwasserversorgung ohne den Einsatz von Chemikalien vorzusehen.“ Statt Chlordioxid ist es UVC-Licht, das das Wasser entkeimt, lediglich die Säuberung der Leitungen wird nicht ohne Reinigungsmittel auskommen.

Die Bauerngemeinschaft hat außerdem energieeffizientes Arbeiten als Ziel. Zehn bis zwölf Millionen Liter sollen künftig in der Meierei pro Jahr fließen, es sei eine kleine Meierei, so Raymann. Aber der regionale David will den Großen etwas entgegen setzen. „Wir wollen die beteiligten Höfe in die Lage versetzen, sich als bäuerliche Betriebe im Sinne von ökologischer Landwirtschaft weiterzuentwickeln und neben den Großbetrieben zu überleben“, erklärt Raymann.

Ohne Pestizide
Bioland ist der größte ökologische Anbauverband in Deutschland. Die Wirtschaftsweise der Bioland-Betriebe basiert auf einer Kreislaufwirtschaft, die ohne synthetische Pestizide und chemisch-synthetische Stickstoffdünger auskommt. Tiere werden artgerecht gehalten. Die Richtlinien von Bioland sind strenger als die der EU-Ökoverordnung. Die ökologisch erzeugten Produkte werden teilweise direkt von den Landwirten an die Kunden verkauft.

Bettina Albrod

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!