Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn 281 kleine Superhelden bei Stormini in Reinfeld
Lokales Stormarn 281 kleine Superhelden bei Stormini in Reinfeld
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:40 09.07.2018
Erst wird gearbeitet, danach gibt’s Geld, dann kommt das Finanzamt. Auch in Stormini müssen Steuern gezahlt werden.
Erst wird gearbeitet, danach gibt’s Geld, dann kommt das Finanzamt. Auch in Stormini müssen Steuern gezahlt werden. Quelle: Fotos: Matzen
Reinfeld

Sommerferien – endlich ausschlafen? Von wegen. „Um 7.30 Uhr hieß es: Raus aus den Federn. Das Weckradio ging an, und der Stormini-Song wurde gespielt“, berichtet Jugendpflegerin Katrin Göhlert, die das Großprojekt Stormini mit organisiert hat. Für 281 Mädchen und Jungen zwischen neun und 13 Jahren und 150 Betreuer und Helfer begann gestern in Stormini der erste Arbeitstag.

„Spielen ist ein Kinderrecht!“ So lautet das Motto zur zehnten Auflage des Planspiels Stormini, das Sonntag auf dem Gelände des Schulzentrums in Reinfeld an den Start gegangen ist. 281 Kinder sind eingezogen, um eine Woche lang selbst zu bestimmen und Demokratie zu erleben.

Arbeitsplätze

Der begehrteste Job von Stormini ist vielleicht der von Luca (12, Foto). Er ist als Geldautomat im Einsatz. Dank der Unterstützung vieler Firmen und Einrichtungen haben die Kinder die Chance, in Berufe hineinzuschnuppern.

Wie im richtigen Leben müssen die jungen Bewohner Geld verdienen, damit der Alltag in der Stadt funktioniert. Dafür besuchen die Kinder die in der Zeltstadt aufgebaute Agentur für Arbeit, um sich dort für einen Job zu entscheiden. Apotheker, Augenarzt, Elektriker, Imker, Rettungsassistent, Fernsehreporter – die Auswahl der Stellenangebote ist groß. „Graveur ging ganz schnell weg, Moderator, TV-Reporter und digitaler Spieleentwickler waren auch sehr begehrt“, berichten Kevin und Alexander, die auch außerhalb von Stormini Arbeitsvermittler sind.

Gerade kehrt eine Gruppe von ihrem ersten Außeneinsatz zurück. „Die haben heute Vormittag ein paar Stunden als Luftverbesserer bei Camfil gearbeitet“, weiß Göhlert. Schnurstracks geht es anschließend zur Sparkasse Holstein, wo sie sich ihren Lohn abholen – in eigener Währung, der Stormark. „Davon müssen wir aber gleich Steuern zahlen“, sagen Zoe und Mariella, die sich an ihrem ersten Tag als Stoffdruckerin und Zweiradmechanikerin ausprobiert haben.

Zur Arbeit gehen, den Umgang mit Geld erlernen und erfahren, was Marktwirtschaft ist – das ist die Idee hinter Stormini. „Ich finde das Konzept so großartig. Auf dem bunten Getränkezelt inmitten unserer Stadt steht ein Banner: ,Spielen ist ein Kinderrecht!‘“, so Göhlert. Sie sei vollends von Stormini begeistert. „Dass die Kinder hier so ernst genommen werden, und dass sie Demokratie durch ein Planspiel erlernen, das ist so was von toll. Ich freue mich wirklich, dass wir Stormini hier haben und bin völlig ergriffen“, sagt die Jugendpflegerin, während sie Tränen vor Rührung in den Augen hat.

Wertschätzung sei ein Thema, das besonders groß geschrieben werde bei Stormini. Katrin Göhlert: „Wir wollen jedem Kind die Rückmeldung geben, dass sie alle Superhelden sind. Am Einzugstag sollte jedes Kind drei Dinge aufschreiben, die es besonders gut kann, und eine, bei der vielleicht nicht so super läuft.“ Das Ganze sei mit den Fotos der Teilnehmer versehen und laminiert worden und werde jetzt in der Sporthalle aufgehängt. „Quasi als Hinweis: Du bist mit deinen Fähigkeiten ein Superheld.“ Auch bei der Abschlussparty am kommenden Freitag stehe das Superhelden-Thema im Fokus.

Neben der Kommune, vielen Einrichtungen, Stiftungen, Organisationen und Wirtschaftsbetrieben aus Reinfeld und Stormarn wird die Kinderstadt Stormini auch von der evangelischen Kirche in Reinfeld unterstützt. „Klar sind wir dabei“, sagt Pastor Bernd Berger. Für Stormini habe er sogar das eigentlich zeitgleich stattfindende Konfi-Camp verschoben. Eine Kirche als Barfuß-Zelt haben Berger, Diakon Marc Preißler und die Teamer aufgestellt, in der Andachten stattfinden. „Außerdem bauen wir mit den Kindern in dieser Woche eine Kirche“, sagen Sarah und Bennett, die als Helfer im Einsatz sind. Ein Zelt wird dafür in dieser Woche kunterbunt bemalt.

Die Kinder schlafen zu zehnt in Zelten. Leon aus Flensburg ist der Betreuer des Zelts „Captain Jack Sparrow“. Er trommelt gerade seine Gruppe zusammen, um gemeinsam in der Turnhalle zum Essen zu gehen. „Ich bin schon zum fünften mal als Teamer bei Stormini dabei“, sagt der Student, der Lehrer werden will. „Warum tue ich mir das immer wieder an?“, meint er lachend. „Weil es positiver Stress ist und einfach Spaß macht.“

Britta Matzen