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Stormarn 60 Zentimeter zu hoch: Rechtsstreit um Gartenzaun in Hamberge
Lokales Stormarn 60 Zentimeter zu hoch: Rechtsstreit um Gartenzaun in Hamberge
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12:26 23.10.2019
Tomasz Loks mit Zollstock: 1,80 Meter ist der Zaun hoch. Laut Landesbauverordnung wären 1,50 Meter erlaubt. In Hamberge wollen die Gemeindevertreter eine Grünhecke, die nicht höher als 1,20 Meter ist. "Jeder kann uns dann in den Garten schauen." Quelle: Britta Matzen
Hamberge

Endlich ein eigenes Zuhause! Marta und Tomasz Loks waren überglücklich, als sie einen Bauplatz in Hamberge ergatterten. 2016 hat sich die vierköpfige Familie das Neubaugebiet in der Haferkoppel angesehen, kurz darauf ein Eckgrundstück gekauft und bebaut. 2017 konnte sie einziehen. Es lief allerdings nicht ganz so, wie die Eigentümer sich das vorgestellt hatten.

Garten und Terrasse zur B 75

„Die Architekten sagten uns, dass wir das Haus wegen des Lärms von der A 20 drehen mussten“, berichtet Tomasz Loks. Entgegen ihren ursprünglichen Plänen wurde ihr Eigenheim um 90 Grad verrückt. „Garten und Terrasse liegen deshalb direkt in Richtung Kreuzung und B 75. Dabei wollten wir das Grün wie alle Nachbarn in unserem Neubaugebiet nach hinten raus haben, damit wir unsere Privatsphäre genießen können“, erläutert Marta Loks.

Im Garten auf dem Präsentierteller

Wie auf dem Präsentierteller fühlten sich die Loks nach dem Einzug. „Wenn ich im Sommer im Pool war, sind die Lkw vorbeigefahren und haben gehupt. Ich konnte mich nicht in meinen Garten legen, weil alle geguckt haben“, schildert die 28-Jährige. Selbst als die Loks beim Essen zusammensaßen, seien Autofahrer stehen geblieben und hätten neugierig durch die Fenster geluschert. Also musste ein Zaun her. Möglichst einer, über den nicht jeder gucken kann. Was die Loks installierten, war ein 1,80 Meter hoher metallener Sichtschutz. „Die Probleme fingen als, als wir den Zaun hochzogen.“ Es gab Ärger mit der Gemeinde.

Für die einen ein Zaun, für die anderen eine illegale Einfriedung: Familie Loks möchte mit ihrem 1,80 Meter Sichtschutz nur etwas Privatsphäre, weil vor der Tür die Kreuzung und B 75 verlaufen.

1,80 Meter hoher Sichtschutz

Im Hamberger Neubaugebiet Haferkoppel gibt es genaue Vorschriften, wie die Grundstücksgrenze auszusehen hat. „Die Einfriedungen zur öffentlichen Verkehrsfläche sind ausschließlich aus geschnittenen Hecken aus Laubgehölzen in einer Höhe von maximal 1,20 Meter zulässig. Bei Einzäunungen muss der Zaun in beziehungsweise hinter der Hecke liegen.“ Die Loks verstanden die Vorgaben so: „Im B-Plan steht nichts über die Höhe des Zauns. Also haben wir uns für einen 1,80 Meter hohen Sichtschutz entschieden. Damit wir dahinter unsere Ruhe haben und uns auch mal entspannen können.“

Verwaltung: Zaun ist illegal

Kaum hatten sie den 22.000 Euro teuren Sichtschutz hochgezogen, bekamen die Loks Besuch vom Nordstormarner Bauamt. Die Höhe des Zauns wurde genau nachgemessen. „Daraufhin haben wir ein Schreiben bekommen, dass das Bauwerk illegal ist“, sagt Tomasz Loks. Es sei nicht nur zu hoch, sondern auch aus illegalen Materialien errichtet. „Der Zaun soll eine Hecke sein“, hätten die Beamten den Eheleuten erläutert. Letzteres setzten die Hamberger Neubürger wie gewünscht um. Einmal rund um das Grundstück setzten sie vor den Zaun auf 70 Metern Länge kleine Grünpflanzen. Sie würden ja noch wachsen.

Familie soll Zaun zurückbauen

Doch die Behörden ließen nicht locker. Es folgten weitere Schreiben – vom Amt Nordstormarn und vom Kreis. „Wir sollen unseren Zaun zurückbauen. Wenn ich gewusst hätte, dass es solche Probleme gibt und dass die Gemeinde sich so gegen uns stellt, hätte ich hier niemals ein Grundstück gekauft“, schimpft Tomasz Loks. Sie hätten das einzige Areal in dem Neubaugebiet Haferkoppel, das sich in so exponierter Lage unmittelbar an der Kreuzung und wenige Meter von der Bundesstraße entfernt präsentiere.

Baugenehmigung abgelehnt

Die jungen Hamberger legten deshalb Einspruch ein und beantragten eine Baugenehmigung für ihre Einfriedungsanlage. Als vom Kreis Stormarn Post ins Haus flatterte, dass sie Architekten und Statiker mit der Zeichnung des Zauns und der Berechnung der Stabilität beauftragen sollten, hegten sie Hoffnung. „Wir mussten sogar Genehmigungen der Nachbarn einholen, dass der Zaun sie nicht stört. All das haben wir gemacht, und unsere Nachbarn haben auch unterschrieben.“

Doch dann die große Enttäuschung: „Wir kriegten jetzt ein Schreiben, dass die Baugenehmigung abgelehnt ist.“ Begründung: Der planerische Wille der Gemeinde sei nicht erfüllt. Nur Hecken sollen zur öffentlichen Verkehrsfläche sichtbar sein. Diese sollten maximal 1,20 Meter hoch sein und der Zaun müsse in oder hinter der Hecke „verschwinden“. „Von ,verschwinden’ war im B-Plan keine Rede“, merkt Tomasz Loks an.

Rechtsanwalt legt Einspruch ein

Was die Hamberger Neubürger außerdem aufregt: „Jedes Schreiben von den Verwaltungen kostet uns Geld. Für das erste Schreiben wollten sie 110 Euro, jetzt kostet die Absage 311 Euro.“ Hinzu kämen noch die Kosten für den Architekten und den Rechtsanwalt. Der Zaun an der Haferkoppel – ein teures und nervenaufreibendes Unterfangen für ein Stück Privatsphäre. Aufgeben wollen die Loks dennoch nicht. „Wir verstehen nicht, warum uns die Gemeinde keine Sondergenehmigung gibt. Damit wir uns in Hamberge wohlfühlen und ganz normal mit unseren zwei Kindern hier leben können, ohne Stress.“ Ihr Rechtsanwalt werde jetzt erneut Einspruch einlegen und Akteneinsicht verlangen.

Gemeinde möchte grüne, geschnittene Hecken

Bürgermeister Paul Friedrich Beeck meint zum Zaunärger: „Wir haben baugestalterische Festsetzungen getroffen, wie es in unserem Baugebiet aussehen soll. Man muss sich eben an die Vorgaben halten.“ Die Gemeinde wolle grüne, geschnittene Hecken, Zäune sollten dahinter verschwinden. Eine Sondergenehmigung für einen Einzelnen sei grundsätzlich nicht möglich. „Wenn man einem was erlaubt, muss man es allen erlauben. Man stelle sich nur vor, wenn alle ihre Grundstücke so einzäunen würden. Das wäre eine Katastrophe.“

Wulf: „Kleine Reihe Hecke ist dreist“

Unterstützung bekommt Beeck aus dem Amt Nordstormarn. „Wenn eine Gemeinde einen B-Plan beschließt und solche Dinge explizit darin geregelt werden, dann kann es nicht sein, dass Eigentümer sich darüber hinwegsetzen und meinen, alles anders auslegen zu können. Auch wenn es anwaltlich unterstützt und begründet wird, wir versuchen den Willen der Gemeinde durchzusetzen und zu fördern“, macht Amtsdirektor Stefan Wulf deutlich. Es sei nie gewollt gewesen, dass jemand so eine hohe Sichtwand errichtet. Einzusehen, dass das nicht im Sinne des B-Planes sei, sei das eine. „Aber dann nur eine kleine Reihe Hecke davor zu pflanzen, das ist schon dreist. Da muss man auch verstehen, dass sich die Gemeindevertreter als Ehrenamtler nicht am Nasenring durch die Arena führen lassen.“

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