Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn 6500 Euro für bessere Wasserqualität in Neritz?
Lokales Stormarn 6500 Euro für bessere Wasserqualität in Neritz?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 24.08.2019
Eine zentrale Wasserversorgung durch die Stadtwerke Bad Oldesloe brennt den Dorfbewohnern und Grundstückseigentümern unter den Nägeln: Rund 90 Interessierte nahmen am Freitag an der Einwohnerversammlung teil. Quelle: Petra Dreu
Neritz

Idyllisch gelegen ist Neritz mit seinen rund 320 Einwohnern, eine hübsche Gemeinde inmitten grüner Wiesen und Felder. Hier ist die Welt noch in Ordnung – wenn auch nicht ganz. In einer Zeit, in der die Anforderungen an das hohe Gut Trinkwasser stetig steigen, ist das gesamte Dorf noch nimmer nicht an eine zentrale Trinkwasserversorgung angeschlossen. Das möchte die Gemeinde ändern, denn seit 50 Jahren gibt es immer wieder Probleme mit der Wasserqualität in den privaten Brunnen. Manche versiegten im letzten Jahr sogar ganz. In einer weiteren Einwohnerversammlung informierte die Gemeinde am Freitag über den aktuellen Stand ihrer Bemühungen um besseres Wasser. 90 Einwohner kamen.

Ähnliche Situation: Wasserversorgung in Vinzier

Ähnlich wie in Neritz gestaltet sich auch die Wasserversorgung in Vinzier (Gemeinde Travenbrück). 150 Haushalte beziehen ihr Trinkwasser über private Brunnen. Es gibt zehn Brunnenbetreiber, die größte Wassergemeinschaft versorgt 104 Haushalte. Einen Leidensdruck wie in Neritz mit teilweise schlechtem Wasser oder versiegenden Brunnen gibt es in Vinzier nicht. Dennoch: Im Februar hatten bis auf zwei kleine Brunnenbetreiber der Gemeinde signalisiert, an die Wasserversorgung der Vereinigten Stadtwerke in Bad Oldesloe angeschlossen werden zu wollen. Problem: Wegen der neu zu verlegenden Hauptleitung müsste jeder Haushalt mit mehr als 7000 Euro Kosten rechnen. Zuschüsse aus dem Programm „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ gibt es nicht. Stormarn ist aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke davon ausgenommen.

Bürgermeister Dennis Hauke und mit Hubert Stebner, Carsten Lienau-Jöhnk und Leonard Schmidtscheck auch die weiteren Mitglieder der Arbeitsgruppe „Wasser“ haben viel Zeit investiert, um Alternativen wie eine Wasserversorgung über die „Sülfelder Tannen“ oder Bargteheide zu prüfen, die jedoch schnell ad acta gelegt werden mussten. Sogar der Bau eines eigenen Wasserwerks wurde in Betracht gezogen. Ein Anschluss der gesamten Gemeinde an die Wasserversorgung der Bad Oldesloer Stadtwerke scheint jedoch die einzig gangbare Lösung für Neritz zu sein. Doch was soll das kosten?

Rund 6500 Euro soll der Wasseranschluss pro Haushalt kosten

Hier konnte Dennis Hauke wenigstens teilweise gute Nachrichten verkünden: War die Gemeinde auf der ersten Einwohnerversammlung im März 2019 noch von knapp 10 000 Euro Kosten pro Haushalt ausgegangen, konnte diese Summe am Freitag auf rund 6500 Euro reduziert werden. Eine Zahlung über drei Jahre wäre ebenfalls möglich. Aber auch 6500 Euro sind immer noch eine Stange Geld. Nicht jeder Hauseigentümer ist davon begeistert, zumal einige gerade erst in ihre eigenen Brunnen investiert haben. Dennoch: Die Zahl der Befürworter war auf der Einwohnerversammlung groß.

Markus Krauter, Neubürger in Neritz, warnte vor ausufernden Kosten, zumal die genannten Zahlen lediglich auf Kostenschätzungen beruhten. Er plädierte dafür, weitere Alternativen zu suchen. Eine weitere Einwohnerin ärgerte sich über eine finanzielle Schlussfolgerung: „Mir gefällt nicht, dass die Stadtwerke ihr Eigentum von uns bezahlt bekommen.“

„Wenn ein Güllebehälter umfällt, haben wir alle ein Problem“

Nicht von der Hand zu weisen waren die Argumente von Gerald Kutz, der für einen Anschluss an das Wassernetz der Stadtwerke eintrat. Er ist nicht nur Einwohner von Neritz, sondern als Mitarbeiter eines Hamburger Wasserversorgers auch noch vom Fach: „Je tiefer gebohrt wird, desto besser ist das Wasser. Die Wasserversorger arbeiten in 100 bis 140 Metern Tiefe, unsere Brunnen aber fördern das Wasser aus 40 Metern. Wenn oben ein Güllebehälter umfällt, haben wir alle ein Problem.“

Das befürchtet auch Katrin Kramer: „Es ist eine Chance, das jetzt anzugehen.“ Ihr pflichtete Klaus Witt bei, der zwar nicht selbst in Neritz wohnt, aber Hauseigentümer ist: „Der Anschluss an eine zentrale Wasserversorgung ist eine Investition, Wasser aus größerer Tiefe zu bekommen. Unser Brunnenwasser wird nicht besser werden.“

Separate Gemeindevertretersitzung im Oktober/November

So geht es nach der Einwohnerversammlung weiter: In den nächsten vier Wochen will die Arbeitsgruppe „Wasser“ das Meinungsbild aufnehmen und eine detaillierte Antwort der Investitionsbank abwarten, die bereits Zuschüsse aus dem Klimaschutzprogramm in Aussicht gestellt hat. In einer separaten Gemeindevertretersitzung im Oktober/November 2019 soll dann über einen Anschluss an die Stadtwerke abgestimmt werden. Die Stadtwerke selbst gehen von neun Monaten Planung und weiteren neun Monaten Bauzeit aus.

Von Petra Dreu

Was tun, wenn der Chef geht? Vor dieser Frage stehen Firmen immer wieder. Zwei Unternehmen in Stormarn sind positive Beispiele, wie es weitergehen kann.

24.08.2019

Ein Oldesloer berichtet im Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss von den Problemen an der Ausfallstraße. Dort gilt zwar Tempo 30. Doch scheinbar hält sich niemand daran. Auch der Schwerlastverkehr hat immens zugenommen.

23.08.2019

Die Stormarner Berater für Schwangerschaftskonflikte fühlen sich im Bundesvergleich unterbezahlt. Appelle an das zuständige Sozialministerium in Kiel seien bisher nicht erhört worden.

23.08.2019