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Stormarn Schon wieder Rettungsgasse missbraucht?
Lokales Stormarn Schon wieder Rettungsgasse missbraucht?
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15:23 30.07.2019
Nach dem Unfall auf der A 1 bildete sich zwar eine Rettungsgasse, die aber ein Lkw befuhr. Die Polizei erkennt darin keinen Verstoß, es handele sich um ein Einsatzfahrzeug zum Aufnehmen ausgelaufener Betriebsstoffe an der Unfallstelle. Quelle: HFR
Bad Oldesloe/Reinfeld

“Das ist ja ein Ding. Rettungsgasse funktionieren mittlerweile in Deutschland prima, aber nun fahren da schon wieder unerlaubt Leute rein. Das kann ja wohl nicht wahr sein“, dachte sich Manfred H. (Name geändert), der am Montagnachmittag auf dem E-Highway zwischen Lübeck und Reinfeld im Stau stand. Ein Sattelzug war auf der A1 zwischen Reinfeld und Bad Oldesloe verunglückt. Der Fahrer hatte die Kontrolle über den 38-Tonner verloren und war in die Mittelleitplanke gekracht. Im Stau dahinter zückte der Zeuge sein Handy, machte ein Foto der vermeintlichen Verkehrssünder und schickte es der LN-Redaktion.

Gefahrguttransporter im Einsatz

Doch zum Glück stellte es sich diesmal als Fehlalarm heraus. Für die Polizei ist das Foto kein Beweis für das Befahren einer Rettungsgasse. „Der graue Skoda, der dem Lkw folgt, hat eine gelbe Rundumleuchte auf dem Fahrzeug. Was außerdem ganz ungewöhnlich ist, ist, dass sich auf der linken Seite der dreispurigen Autobahn ein Gefahrguttransporter befindet“, teilt die Polizeidirektion Ratzeburg mit. Die Vermutung liege nahe, dass das Fahrzeug zum Unfallort geordert worden sei, weil dort Betriebsstoffe ausgelaufen seien. Der Pkw mit dem Blinklicht sei allem Anschein nach das Begleitfahrzeug. „Die Kollegen von der Autobahnpolizei in Bad Oldesloe haben auch keine Hinweise darauf, dass jemand die Rettungsgasse befahren hat“, so die Polizei.

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Autos fahren durch Rettungsgasse

Die jüngsten Fälle solcher Verstöße waren dem Zeugen, der das Foto aufgenommen hatte, noch präsent. Deshalb reagierte er so schnell. Auf der A24 bei Rosenburg (Herzogtum Lauenburg) waren Anfang Mai zwei ungeduldige Autofahrer durch die Rettungsgasse gefahren, weil sie keine Lust hatten, lange im Stau zu warten. Doch sie wurden erwischt. Andere Autofahrer alarmierten die Polizei. Die Männer konnten gestoppt werden, ihnen drohen Bußgelder in Höhe von 200 Euro, jeweils ein Monat Fahrverbot und ein Punkt in Flensburg.

Auf der A7 und auf der A1 waren Autofahrer im April und Mai 2019 sogar so dreist, dass sie in der Rettungsgasse wendeten, um an die nächste Anschlussstelle zurückzufahren. Dabei kann die Rettungsgasse Leben retten. Aber das ist manchen Verkehrsteilnehmern offenbar egal.

Eine Rettungsgasse kann Leben retten – denn durch sie gelangen Helfer schneller zur Unfallstelle. Die Bildergalerie zeigt, wie Sie im Ernstfall eine Gasse für die Retter bilden.

Wenden in der Rettungsgasse kostet 400 Euro

Zum Fall von der A1: Ein Bauunternehmer traute seinen Augen kaum, als er die Autofahrer sah, die in der Rettungsgasse wendeten und in falscher Richtung zurück zur letzten Ausfahrt fuhren. Er filmte die Verkehrssünder, die einfach mitten auf der Autobahn drehten. Das Video wurde zum Medien-Ereignis, das allein bei LN-Online mehr als 50 000 Mal angesehen wurde.

Strafrechtlich hatte das Fehlverhalten allerdings keine Konsequenzen, wie ein Polizeisprecher den LN nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Lübeck mitteilte. Denn der Tatbestand der Gefährdung des Straßenverkehrs gemäß § 315c des Strafgesetzbuches setze eine konkrete Gefährdung von Leib oder Leben anderer Menschen oder fremder Sachen von bedeutendem Wert voraus. Zu einem derartigen „Beinahe-Unfall“ sei es nach Auswertung des Videomaterials jedoch nicht gekommen. Gegen zehn Autofahrer wurden Bußgeldbescheide erlassen. Da man den Fahrzeugführern Vorsatz vorwerfe, verdoppele sich das Bußgeld auf 400 Euro. Außerdem müssen sie den Führerschein einen Monat abgeben, und es gibt zwei Punkte in Flensburg.

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