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Stormarn Abfischen: Karpfenernte in Reinfelds Herrenteich
Lokales Stormarn Abfischen: Karpfenernte in Reinfelds Herrenteich
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22:28 21.10.2015
Quelle: dpa
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Reinfeld

Die Schlammränder des Herrenteiches sind schon deutlich breiter geworden. Seit Tagen rauscht das ablaufende Wasser durch den Mönch. Bis zum Sonntag muss der Teich leer sein. Erfahrungsgemäß gibt es dann nur noch eine schmale Rinne mit säumigen zappelnden Karpfen, die es nicht rechtzeitig mit ihren Artgenossen bis ins Auffangbecken geschafft haben. Gespannt wartet Teichpächter Alfred Wenskus auf die Früchte seiner Arbeit beim traditionellen Abfischen am 25. Oktober. Ein Tag voller harter Arbeit mit Keschern, mit Bottichen voller Fische, mit vielen Helfern und viel Unterhaltung auf dem Karpfenplatz. Gegen 10 Uhr geht es los.

Doch Wenskus weiß schon jetzt, dass ihm Kormorane, Reiher, Haubentaucher und Adler aus dem Naturschutzgebiet am anderen Ende des größten Teiches in Schleswig-Holstein wieder eine Menge Fische weggeschnappt haben werden. Er zitiert aus einer amtlichen Statistik. Danach ziehen landesweit allein 2187 Kormorane pro Jahr 236190 Kilogramm Fisch, also gut 236 Tonnen, aus den Binnengewässern.

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Das entspricht dem Gewicht von 193 Volkswagen-Golf Variant mit einem 1,6-Liter-Motor. Außerdem fürchtet der Pächter einen wendigen Schwimmer und relativ neuen Mitesser im Teich: „In jüngster Zeit sind die Fischotter wieder heimisch geworden. Wenn die Karpfen im Winter ihren Stoffwechsel herunterfahren, sind sie eine leichte Beute“, sagt Alfred Wenskus. Er befürchtet, dass auch der legendäre Riesenkarpfen „Knut“, geschätztes Alter 50 Jahre, der seit einem Jahr vermisst wird, zum Otteropfer geworden ist. Und mit Schrecken denkt Wenskus an die erste Ernte vor drei Wochen im Schulteich zurück, als seine Bilanz wegen der gefiederten Feinschmecker deutlich schlechter ausfiel, als sie hätte sein können.

Die Gäste beim herbstlichen Abfischen des Herrenteiches werden von solchen Sorgen nichts merken. Wie gewohnt werden die Helfer die gut genährten Fische aus dem Fischhaus holen und sie in großen Bottichen über ein Laufband nach oben zum Lastwagen befördern. Von dort geht die Reise weiter in die benachbarten Klärteiche. Gleichzeitig sind in anderen großen Becken die anderen Fischarten zu sehen, die den Herrenteich noch bevölkern.

Das Reinfelder Abfischen wäre kein Abfischen, wenn es dabei nicht Karpfenchips, Räucherfisch und Fischbrötchen geben würde. Und da Eventmanager Martin Huss weiß, dass Fisch nicht jedermanns Sache ist, hat er ebenso für einen Bratwurststand gesorgt und für Anbieter von Kaffee und Kuchen zu familienfreundlichen Preisen. Auch die umliegenden Erzeuger beteiligen sich am Fest. Der Verein Feinheimisch, dessen Angebot überwiegend aus Produkten der Region besteht, Monika Henne vom Redder Hof aus Zarpen mit hausgemachten Speisen von der Ziege, Angela Klingbiel vom Reformhaus in der Paul-von-Schoenaich-Straße bietet Bio Speisen. Der Geflügelzüchterverein aus Reinfeld zeigt seine Tiere, Bauern -Schmuck wird hergestellt auf dem Karpfenplatz und viel frisches Gemüse aus dem Umland wird im Angebot sein.

„Es wird wieder ein buntes Familienfest“, sagt Veranstalter Huss. Nur eines ist anders als in den vergangenen sechs Jahren. Der Shanty-Chor Neuengörs singt nicht, aber die Gruppe Gran Torino.

Leadsängerin Laura treibt ihre Band zu musikalischen Höchstleistungen an
Ab 11 Uhr wird die Band Gran Torino für den flotten Start des Abfischens sorgen. Ihr Auftritt gehört zu den Höhepunkten des Unterhaltungsprogramms. Da gibt es Grooves, vierstimmige Gesangssätze, wechselnde Leadstimmen und fette Bläserriffs von Motown bis Tower of Power, von Aretha Franklin bis Amy Winehouse. Leadsängerin Laura treibt ihre Altherrenriege in der Band und auch die jüngeren Bandmitglieder zu musikalischen Höchstleistungen an. In der Pause von Gran Torino gegen 13 Uhr ist das Zauberduo August und Augusta aktiv.

Uwe Krog