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Stormarn Pastor Berger verlässt Reinfelder Gemeinde
Lokales Stormarn Pastor Berger verlässt Reinfelder Gemeinde
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22:14 13.02.2019
Auf zu neuen Ufern: Pastor Bernd Berger verlässt nach 17 Jahren seine Kirchengemeinde in Reinfeld. Er geht nach München. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

Pastor Bernd Berger lässt seinen Blick noch einmal aus den Fenstern über den Herrenteich schweifen. „Das ist schon sehr speziell und besonders hier. In diesem Haus zu wohnen, in der Geburtsstätte von Matthias Claudius, erfüllt mich mit Demut und Stolz. Wenn man bedenkt, wie viele Generationen von Pastoren hier gelebt haben. Matthias Claudius’ Vater war ja auch Pastor. Es ist so, als würden die Wände das noch ein bisschen atmen.“

Der größte Aufbruch in seinem Leben

17 Jahre war der gebürtige Lübecker in der Karpfenstadt zu Hause. Jetzt zieht es ihn hinaus in die weite Welt. Er geht in den Süden der Republik. Nach München, genauer gesagt. „Es ist der größte Aufbruch in meinem Leben. Ich verlasse eine gut funktionierende und tolle Gemeinde mit mir wirklich sehr ans Herz gewachsenen Menschen, auf die ich immer zählen konnte.“

Von 2002 bis heute – Pastor Bernd Berger hat in Reinfeld viel bewegt. Hier sind Stationen aus seinem Gemeindeleben.

Haupttriebfeder für seine Entscheidung, von Reinfeld nach München zu ziehen, sei eine private. „Ich habe vor fünf Jahren meine Frau durch Krebs verloren. Vor zwei Jahren lernte ich im Skiurlaub eine Münchnerin kennen und lieben. Aber auf Dauer eine Fernbeziehung zu führen, ist sehr aufwendig und schwierig.“ Da es für seine neue Partnerin aus beruflichen Gründen nicht gut möglich sei, in den Norden zu kommen, habe er im vergangenen Jahr bei der bayrischen Landeskirche angeklopft. „Erfolgreich. Ich konnte mich auf die Gemeinde im Westend bewerben, der Kirchenvorstand dort hat mich einstimmig gewählt.“ Zum 1. März fängt Pastor Berger in München an, am 10. März um 17 Uhr ist in der Auferstehungskirche der Einführungsgottesdienst.

Aussichtsreiche Möglichkeiten

Auch beruflich biete der Wechsel neue Möglichkeiten. „Die Gemeinde möchte sich baulich und inhaltlich neu aufstellen. Ich habe dort federführend die Möglichkeit, diesen Prozess mitzugestalten.“ Eine riesige Kirche mit 700 Plätzen aus den späten 1920er Jahren soll umgebaut und das Gemeinde- und Pfarrhaus abgerissen werden. „Das ist in diesem Stadtteil ein bauliches Filetstück, auf dem man von bisher ein- bis zweigeschossig auf vier- bis fünfgeschossig hochbauen könnte.“ Interessante Wohnprojekte könnten sich dadurch ergeben. „Aber das ist alles noch Zukunftsmusik. Interessant ist für mich, den Blick ganz weit zu machen und meine Vorstellung von gemeinwesenorientierter Gemeindearbeit dort auf den Weg zu bringen. So wie ich das hier in Reinfeld gemacht habe. Ich möchte für die Menschen in der Stadt da sein und Kirche zum Leuchten bringen“, fasst Pastor Berger zusammen.

Bernd Berger ist in Lübeck aufgewachsen. Er studierte in Göttingen, absolvierte das Vikariat in Lübeck Bunte Kuh. „In meinen bisherigen Pfarrstellen war ich immer entlang der A 1.“ Hamburg Billstedt war seine erste Pfarrstellen-Station, wo er zwölf Jahre war. Seit dem 1. Mai 2002 ist er Pastor in Reinfeld.

Begeisterter Camp-Pastor

Als Berger vor 17 Jahren nach Reinfeld kam, war eine seiner ersten Maßnahmen, die Kirche täglich zu öffnen. Eingeführt hat er außerdem die Einrichtung eines sogenannten Väter-Kinder-Camps. Er und ein Kollege seien zudem 16 Jahre mit den Konfis in den Sommerferien an die Müritz gefahren, nach Kratzeburg. „Dort haben wir mit Hilfe der Spedition Bode immer ein Riesenzeltlager aufgebaut. Über die Jahre haben das bestimmt 1000 Konfirmanden erlebt. Mitgetragen wurden diese Camps über die Jahre bestimmt von mehr als 200 Teamern, die sich mit ganzer Leidenschaft und Herzblut engagiert haben. Daraus ist eine starke Jugendarbeit gewachsen. Hach, das war sehr schön!“

Die beiden Camp-Wochen im Jahr gehören für den scheidenden Pastor zu den Höhepunkten seiner Reinfelder Zeit. „Es sind aber auch persönliche Begebenheiten. Menschen im Sterbeprozess zu begleiten, ihnen in Lebenskonflikten beizustehen. Alles in allem war es eine wunderbar gefüllte, erlebnisreiche und schöne Zeit hier.“

Er habe es als besonders großartig empfunden, dass die Menschen sich begeistern ließen für die Ideen, die aus ihm hervorsprudelten. „Es war so viel möglich in dieser Gemeinde. Ich koche zum Beispiel leidenschaftlich gern, auch für viele Menschen. Aus dieser Kochleidenschaft ist ein diakonisches Projekt entstanden, das Claudius-Mahl, das es jetzt schon zehn Jahre gibt.“ Anfangs hat er noch mitgekocht. Mittlerweile bereiten jede Woche 35 Freiwillige für 70 bis 80 Menschen ein Mittagessen zu.

„Was ich sehr schön finde, dass Menschen, die nicht in der Mitte der Gesellschaft stehen, sondern eher am Rand, oder die manche meiden, wie etwa Seelisch-Kranke, die bei uns in Reinfeld leben, dass auch die beim Claudius-Mahl dabei sind.“ Das Netzwerkcafé Plan B, in dem Menschen aus dem Holstenhof zusammenkämen, sei ein Ableger davon. „Damit sie andere Orte als ihre Einrichtung haben, wo Begegnung stattfindet. Das war mir ein großes Anliegen.“

Ein Herz für die Diakonie und die Nächstenliebe

Bernd Berger ist mit Hingabe Gemeindepastor. „Mein Herz schlägt sehr für die Diakonie, für die Nächstenliebe und das Füreinander-Dasein. Ich mag es sehr, mit allen Generationen zu arbeiten, den Menschen zu begegnen und sie zu begleiten. Manchmal auch anzustiften, etwas auszuhecken.“

Der Seelsorger hat in Reinfeld viel bewegt. Jetzt peilt er den nächsten Meilenstein an. „Fünfeinhalb Jahre habe ich beruflich noch vor mir. Jetzt noch mal ein richtig dickes Brett zu bohren – na ja. Ich bin schließlich keine 30 mehr, sondern 60.“ Andererseits habe er so viele Erfahrungen gesammelt, auch was Bauvorhaben betreffe, dass er diese gut einbringen könne. „Ich glaube, ich kann mich einigermaßen darauf verlassen, dass ich Menschen für die Mitarbeit gewinnen und für den Glauben und die christliche Gemeinschaft begeistern kann. Damit gehe ich los.“

Abschiedsgottesdienst

Mit einem Gottesdienst und einer Abschiedsfeier möchte die Kirchengemeinde Pastor Bernd Berger danken. Der Kirchengemeinderat lädt am Sonntag, 17. Februar, um 14 Uhr zum Gottesdienst mit Entpflichtung durch Propst Dr. Daniel Havemann in die Matthias-Claudius-Kirche. „An diesem Tag wird ein Gästebuch im Gemeindehaus ausliegen, in dem man Pastor Berger Grüße, Fotos, Wünsche und Erinnerungen mit auf den Weg geben kann“, sagt Pastorin Dr. Christian Duncker. Ebenfalls würden sie einen Topf aufstellen, in dem sie Geld für ein Theater-Abo sammeln, über das sich der scheidende Pastor sehr freuen würde.

Dennoch fällt der Abschied dem Pastor nicht leicht. „Es ist eine Menge, was ich aufgebe. Ich verlasse meine Familie und Freunde, meine norddeutsche Heimat und das Meer, was ich sehr liebe. Ich verlasse die Arbeit, die gut läuft. Ich hätte die Früchte auch gut ernten können, sodass das Leben ein ruhiger Fluss ist. Jetzt stürze ich mich in einen reißenden Strom, und es geht noch mal richtig rund. Es ist ein Wagnis, aber ich denke, dass es Gott gewollt und Gott gefügt ist.“ Wie heißt es doch so schön in einem Kirchenlied: Vertraut den neuen Wegen.

Britta Matzen

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