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Stormarn Nach neuem Vertrag: Telefonanbieter hilft afghanischer Frau
Lokales Stormarn Nach neuem Vertrag: Telefonanbieter hilft afghanischer Frau
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16:36 15.04.2019
Bei den vielen Angeboten von Mobilfunk-Verträgen verliert mancher schon mal die Übersicht. Quelle: Fotolia
Bad Oldesloe

Warteschleifen, überteuerte Verträge, zu hohe Rechnungen: Wer etwas über seinen Telefonanbieter erzählt, hat häufig schlechte Erfahrungen gemacht. Dass es auch ganz anders geht, zeigt ein Beispiel aus der Praxis der Awo-Schuldnerberatung.

Die Beratungsstelle in Bad Oldesloe gibt es bereits seit 32 Jahren. In dieser Zeit gab es 12 445 Anfragen, die Tendenz war zuletzt wieder steigend. So kamen im vergangenen Jahr 503 neue Hilfeersuchen von Familien, Einzelpersonen oder auch Gewerbetreibenden hinzu. „Darunter sind immer mehr Anfragen von älteren Bürgern und mittlerweile auch Migranten“, erklärt Ute Lehmann, Leiterin der Schuldnerberatung.

Vertragsabschluss an der Haustür

Ein besonderes Beispiel in – am Ende – positiver Hinsicht sei der Fall von Frau Z. gewesen. Die 24-jährige Afghanin ist vor drei Jahren nach Deutschland geflüchtet und kam über ein besonderes Projekt des Jobcenters zur Awo-Beratungsstelle. Im Rahmen eines Haustürgeschäftes hatte Frau Z. mit einem Telekommunikationsanbieter einen Vertrag geschlossen. Es handelte sich um einen Internet- und Telefon- sowie einen TV-Vertrag. Sie konnte nun uneingeschränkt telefonieren, surfen und fernsehen. „Allerdings konnte sie das vorher auch schon“, erzählt Ute Lehmann.

Bei Prüfung der Vertragsunterlagen konnten die Berater feststellen, dass es sich um einen laufenden Kombi-Vertrag mit einer monatlichen Rechnungshöhe handelte, die für Empfänger von Jobcenter-Leistungen kaum zu leisten ist. „Die junge Frau wollte eigentlich gar keinen neuen Vertrag, aufgrund der geringen Deutsch-Kenntnisse konnte sie den Inhalt auch überhaupt nicht nachvollziehen“, sagt Ute Lehmann. Auf die Widerrufsmöglichkeit sei durch den Außendienstmitarbeiter nicht hingewiesen, die Frist somit versäumt worden. Also war der Vertrag auf 24 Monate rechtskräftig geschlossen.

Stornierung war erfolgreich

Ein Awo-Berater nahm daraufhin telefonisch Kontakt auf mit der Telefongesellschaft. Ein Mitarbeiter deutete an, dass eine Stornierung versucht werden könnte. Eine positive Entscheidung sei aber eher unwahrscheinlich. Die Beratungsstelle fertigte trotzdem ein Stornierungsschreiben, in welchem auch noch einmal auf die Sprach- und Verständigungsschwierigkeiten von Frau Z. hingewiesen wurde. Auch die schon überlassenen Geräte wurden laut Awo vollständig und unbenutzt zurückgeschickt.

Zahlen und Fakten

Aus den 503 Hilfeersuchen im Jahr 2018 resultierten am Ende 99 Betreuungen. Die meisten Anfragen kamen aus Bad Oldesloe (135), gefolgt von Ahrensburg (93). In den Ämtern gab es auffällig viele Anfragen aus Bargfeld-Stegen (17) und Steinburg (14). Darüber hinaus gab es im Rahmen eines Kooperationsprojektes von Jobcenter und Kreis 130 Beratungen von Hartz-IV-Empfängern in Bad Oldesloe, Ahrensburg und Reinbek. Ein weitere Beratungsstandort der Awo befindet sich in Bargteheide.

Gut ein Drittel der Schuldner wohnen allein, in 35 Prozent der betroffenen Haushalte leben Kinder. Bei den Arten der Schulden sind die bei Telekommunikationsunternehmen relativ häufig, dicht gefolgt von Außenständen bei Firmen. Die Gläubiger drängen übrigens auf nachrichtlichen Verkehr per E-Mail, was die Awo-Schuldnerberatung jedoch aus Datenschutzgründen ablehnen muss.

Die meisten der 99 Personen in der Awo-Beratung plagen Schulden zwischen 10.000 und 50.000 Euro. Fünf Fälle waren dabei mit mehr als 100.000 Euro. Die gesamte Höhe liegt bei 3,6 Millionen Euro, die durchschnittliche Verschuldung bei 36.754 Euro.

43 der 99 Personen haben keinen Ausbildungs- oder (Fach-)Hochschulabschluss, nur etwa die Hälfte ist derzeit erwerbstätig. Als häufigste Ursachen für die Verschuldung werden Erkrankung/Sucht (22) und eine unwirtschaftliche Haushaltsführung (21) angegeben.

Entgegen der Erwartungen der jungen Frau gab es eine positive Antwort des Anbieters dahingehend, dass aus Kulanz das Vertragsverhältnis vorzeitig beendet werden würde. Die Abwicklung erfolgte zeitnah, und die 24-Jährige nutzt weiterhin ihren ursprünglichen Prepaid-Tarif.

Unseriöse Angebote an Migranten

„Geflüchtete Menschen möchten den Kontakt zu ihrer Heimat nicht abreißen lassen und benötigen hierzu als Mittel ein Mobiltelefon“, sagt Ute Lehmann und warnt: „Dieser Bedarf führt vermehrt zu unseriös zustande gekommenen Verträgen. Anbieter vertreiben unter Ausnutzung der schlechten Sprach- und Vertragskenntnisse teilweise überteuerte Verträge oder Mehrfachverträge.“

Umso mehr freute die Awo dieses positive Beispiel. Es sei keinesfalls selbstverständlich, dass Verträge auf diese Art abgewickelt werden können, so Ute Lehmann. „Daher wünschen wir uns, dass auch im Wirtschaftsleben sensibler mit den Verständigungsdefiziten der geflüchteten Menschen umgegangen wird.“

Markus Carstens

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