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Stormarn Geknackte Automaten: Wie die Bahn das Bargeld präpariert
Lokales Stormarn Geknackte Automaten: Wie die Bahn das Bargeld präpariert
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14:50 06.02.2019
Schon zum vierten Mal wurde ein Automat am Haltepunkt Ahrensburg-Gartenholz aufgebrochen. Der Sachschaden ist jedes Mal immens.   Quelle: hfr
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Ahrensburg

Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Tagen ist der Fahrkarten-Automat am Bahn-Haltepunkt Ahrensburg-Gartenholz aufgebrochen und die Geldkassette entwendet worden. Insgesamt war es bereits der vierte Anschlag innerhalb von sechs Jahren. Von den Tätern fehlt jede Spur. Der Sachschaden ist jedes Mal erheblich, liegt pro Fahrkarten-Automat nach Angaben der Bahn bei rund 25 000 Euro. Der Sachschaden sei um ein Vielfaches höher als das entwendete Bargeld. Das liegt nach LN-Informationen jeweils im drei- oder vierstelligen Bereich.

Der Haltepunkt Gartenholz ist erst vor einigen Jahren eröffnet worden. Er liegt etwas abgelegen, und zwischen 2 und 4 Uhr in der Nacht halten dort auch keine Personenzüge, auf der Strecke HamburgLübeck herrscht dann quasi Nachtruhe. Die Anschläge in Ahrensburg sind die beiden einzigen in jüngster Zeit im Norden. Von anderen wissen weder Bahn noch Bundespolizei. Ganz anders als noch vor fast genau drei Jahren, als eine ganze Bande nacheinander mehrere Automaten sprengte, unter anderem auch am Haltepunkt Kupfermühle in Tremsbüttel. Eine halbes Jahr später wurden die Täter gefasst.

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Insgesamt ist die Zahl solcher Delikte seitdem stark zurückgegangen. Denn die Bahn hat erfolgversprechende Maßnahmen getroffen. Während im Jahr 2016 gut 400 Automaten gewaltsam geöffnet wurden, waren es 2017 nur 250. Ein deutlicher Rückgang um fast 40 Prozent. „Der Schaden beträgt dennoch rund zwei Millionen Euro, mehr als 95 Prozent entfallen auf den Ersatz der beschädigten Automaten“, erklärt Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis. In mehr als 90 Prozent der Fälle seien die Täter wegen einer mittlerweile verstärkten Sicherung ohne Beute geblieben. In rund 100 Fällen lösten die Aufbruchversuche – die Täter kommen oft mit Spezialwerkzeugen – eingebaute Farbpatronen in der Geldkassette aus, wodurch die Täter vom Automaten abließen und ohne Beute abziehen mussten. Schwerpunkte sind nach Angaben der Bahn Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen.

Die Deutsche Bahn hat mittlerweile eine ganze Reihe von Maßnahmen entwickelt, um die Automaten-Knacker zu stoppen. So wurde etwa die Konstruktion der Automaten verstärkt, um Anschläge zu erschweren. Denn rund zwei Drittel der Taten werden mit Trennscheibe (Flex) oder Hebelwerkzeug verübt, in 20 Prozent gebe es kleinere Sprengungen mit Pyrotechnik. Erfolgreich sind auch die Farbkassetten, die mit hohem Druck eine nicht abwaschbare Farbe auf Geldscheine im Geldbehälter und die Täter versprühen. „Das Geld ist damit für die Täter wertlos“, sagt Meyer-Lovis. „Und in einigen Fällen konnten die Täter auch überführt werden, weil sie die Markierungsfarbe an Händen und Kleidung hatten.“

Wie es in den aktuellen Fällen war, wollten die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht verraten. Es scheint jedoch angesichts der erneuten Vorfälle sicher zu sein, dass die beiden neuen Automaten in Ahrensburg-Gartenholz mit solchen Farbpatronen ausgestattet werden.

Ein Großteil der bundesweit rund 7000 Bahn-Automaten verfüge inzwischen über diese Farbkassetten. Aufkleber an den Automaten weisen auf die Farbpatronen hin. Außerdem hat die Bahn vor, noch öfter die Geldbehälter zu leeren sowie für eine bessere Überwachung zu sorgen. An einigen Bahnhöfen gingen Sicherheitskräfte und Beamte der Bundespolizei verstärkt Streife. An anderen Standorten wiederum werde die Überwachung mit Kameras verstärkt.

Markus Carstens

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