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Stormarn Alle Störche sind schon da - oder?
Lokales Stormarn Alle Störche sind schon da - oder?
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23:10 11.05.2017
In Meddewade hat es sich ein Pärchen an der Alten Schule gemütlich gemacht. Quelle: Foto: Von Dahlen
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Sprenge/Meddewade

Einige Stormarner haben sicherlich wieder die Ferngläser auf der Fensterbank griffbereit. Denn dem Treiben der Adebare zuzuschauen, die zurzeit wieder auf ihren Horsten thronen, ist für viele ein unverzichtbares Naturerlebnis.

Zweisamkeit im Horst

5 Paare haben sich bis jetzt in Bargfeld-Stegen niedergelassen. Weitere nisten am Kneeden in Bad Oldesloe, Seefeld, Grönwohld, Groß Barnitz, Heilshoop, Jersbek, Klein Wesenberg, Langelohe, Papendorf, Lasbek, Meddewade, Rethwischfeld, Sprenge, Stemwarde, Sühlen, Todendorf, Tremsbüttel und Westerau.

30 Nester waren 2016 besetzt, davon 20 mit Paaren, die ingesamt 39 Junge hatten.

Auch Andreas Hack aus Sprenge greift von Zeit zu Zeit zu seinem Spektiv, um die unweit seines Hauses brütenden Störche zu beobachten. Doch nicht nur das. Der Schutzgebietsbetreuer hat die gesamte Population der Zugvögel im Südosten des Kreises im Blick und führt Buch, wie sie sich in diesem Jahr entwickelt.

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Während die Störche an einigen Standorten wie etwa Lasbek und Todendorf schon im Februar aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt waren, trafen eine ganze Reihe mit Verspätung ein. Wie Experte Andreas Hack zu berichten weiß, ist dies den unterschiedlichen Routen, die die Vögel auf dem Weg nach Deutschland einschlagen, geschuldet. Ein Teil der Störche sucht über Winter Quartiere in Afrika auf und hat einen strapaziöseren Rückweg als die so genannten Westzieher, die in Europa bleiben. Letztere legen nur eine Strecke von etwa 2500 Kilometer zurück. „Sie kommen wohlgenährt von den Müllkippen Spaniens eingeflogen und besetzen dann hier schon mall die besten Nester. Da haben es die Ostzieher schwerer“, erklärt Hack.

Auch sie finden zwar in den afrikanischen Savannen reichlich Nahrung, da die Landstriche stets von Insektenschwärmen wie Wanderheuschrecken überzogen werden. Die Reserven, die sie sich anfressen, brauchen sie auch, um im Frühjahr Strecken von mehr als 10 000 Kilometern zu meistern. Entlang des Nils segeln sie von warmen Aufwinden getragen zur Halbinsel Sinai und von dort aus in die Türkei. Am Bosporus beginnt der gefährlichste Teil ihrer Reise. Da über dieser weiten Wasserfläche keine Thermik entstehen kann, sind die Störche gezwungen, die Meerenge mit Muskelkraft zu überfliegen.

Lang andauerndes schlechtes Wetter hat laut Hack in diesem Jahr dazu geführt, dass die Ostzieher relativ spät nach Stormarn gelangt sind. Doch das müsse nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres nichts heißen. „Es hat sich gezeigt, dass man noch gut zwei Wochen lang auf weitere Rückkehrer hoffen kann“, sagt er. In Langelohe etwa habe sich 2016 noch am 20. Mai ein Paar eingefunden und dennoch erfolgreich ein Junges aufgezogen. Generell sei aber festzustellen, dass sich der Vogelzug tendenziell über einen immer längeren Zeitraum erstrecke. „Früher kamen die Störche mit einer Differenz von nur zwei Wochen sehr konzentriert zurück“, berichtet Hack. Das habe sich geändert.

Zurzeit sind im Süden und Osten des Kreises 28 Horste besetzt, im Vorjahr waren es 30. An vier Standorten – Fischbek, Mollhagen, Rümpel und Tangstedt Willstedt – fehlen noch die Partner. Seit kurzem erst ist das Duo im Trittauer Nest wieder komplett.

In Bargfeld-Stegen ist einer von sechs Horsten nicht besetzt, was den Titel der Gemeinde, Stormarner Storchendorf, aber nichts anhaben dürfte. Im Vorjahr gab es dort insgesamt fünf Junge.

Den besten Einblick, was sich bei den Störchen im Horst tut, hat Andreas Hack freilich gleich vor der eigenen Haustür. In Sprenge kam der erste Storch demzufolge Ende März und somit auch sehr früh zurück. „Er war zwei, drei Wochen da, dann tauchte ein Rivale auf und es kam zu einem erbitterten Kampf, den der Eindringling gewann“, erzählt der Storchenbetreuer. Mit dem Spektiv nahm er den Vogel genauer aufs Korn und stellte fest, dass er beringt war. Anhand der Nummer ließ sich zurück verfolgen, dass der Storch ursprünglich aus Mecklenburg-Vorpommern kam. Dass sich ein Auswärtiger in Sprenge niedergelassen habe, ist nichts Ungewöhnliches. Denn in den vergangenen drei Jahren ist der Horst von unterschiedlichen Paaren okkupiert worden. Hack vermutet, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird, bis die ersten Jungen schlüpfen. „In Todendorf und Lasbek müsste der Nachwuchs schon da sein“, sagt er.

 Dorothea von Dahlen