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Stormarn Als Bufdi für ein Jahr nach Südafrika
Lokales Stormarn Als Bufdi für ein Jahr nach Südafrika
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23:17 22.04.2013
Von Petra Dreu
Esmet Omid (19) kam mit zwei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland und ist dankbar für alles Gute, das er hier erfahren hat. Quelle: Petra Dreu
Bad Oldesloe

Eigentlich heißt er Essmatulla Omid, doch seine Lehrer und Mitschüler reden ihn nur mit „Esmet“ an. „Essmatulla ist viel zu lang“, sagt der 19-Jährige, der an der Theodor-Mommsen-Schule gerade alle Abi-Klausuren unter Dach und Fach gebracht hat. Zensuren hat er noch keine, auch die mündlichen Prüfungen stehen ihm noch bevor. Davon jedoch lässt sich Esmet nicht beeindrucken. Er hat ein gutes Gefühl und freut sich auf das, was vor ihm liegt: Freiwilligendienst in Südafrika.

Als kleines Kind ist Esmet mit seinen Eltern und den drei Geschwistern um die halbe Welt geflüchtet. Zwei Jahre war der heute 19-Jährige alt, als die Taliban in Afghanistan die Macht ergriffen und „Andersdenkenden“ das Leben zur Hölle machten. Sein Vater war ein „Andersdenkender“, hatte sich in der politischen Opposition engagiert. Deshalb musste er fliehen.

Die Familie wohnte anfangs in Rümpel, wo Esmet Fußballspielen lernte. Seine Eltern haben ihn angefeuert, sind mit ihm zu den Spielen gegangen. „Vor vier Jahren musste ich leider wegen einer Verletzung damit aufhören“, bedauert der junge Mann, der dem Fußball trotzdem treu geblieben ist. „Seit zwei Jahren trainiere ich die B-Jugend des VfL Oldesloe. Dabei habe ich gemerkt, dass ich ein Händchen dafür habe, mit Kindern und Jugendlichen umzugehen. Sie nehmen etwas von mir an. Das ist total schön“, freut sich Esmet, der deshalb auch einen Beruf erlernen will, in dem er mit Kindern und Jugendlichen arbeiten kann. „Ich möchte gerne Deutsch und Geschichte oder Deutsch und Sport auf Lehramt studieren“, verrät der Abiturient, der mittlerweile in Bad Oldesloe lebt.

Bevor es jedoch soweit ist, will er ins Ausland. Mit dem Bundesfreiwilligendienst geht er als Bufdi für ein Jahr auf den schwarzen Kontinent, wird in einem südafrikanischen Kinderdorf mit bis zu 60 Kindern leben. „Dort werden wir alles tun, was anfällt: Schule, Freizeit, Kochen, Waschen, Backen, Basteln. Einfach alles. Ich freue mich schon riesig darauf“, verrät Esmet. Seine Eltern sind zurückhaltender. „Sie haben Angst, weil in Südafrika die Kriminalitätsrate so hoch sein soll“, weiß Esmet.

Was es heißt, einen Sohn in der Ferne zu haben, wissen seine Eltern bereits, denn auch sein älterer Bruder hatte ein Auslandsjahr über den Bundesfreiwilligendienst eingelegt und war dafür nach Ägypten gegangen. Heute studiert er medizintechnische Ingenieurwissenschaften. Vor Esmet liegen noch Vorbereitungsseminare, denn auf das, was ihn erwartet, muss er eingestimmt sein. Trotz seiner afghanischen Wurzeln wirkt Esmet Omid wie ein Patriot. „Ich bin Deutschland so dankbar, was es mir und meiner Familie gegeben hat. Aus sportlichen, schulischen, kulturellen und sozialen Gesichtspunkten habe ich so viel von diesem Land bekommen. Ich bin stolz, wenn ich im Namen Deutschlands nach Südafrika gehen kann, um anderen zu helfen.“

Auch ein Freiwilliger braucht Unterstützung
Den Bundesfreiwilligendienst (BFD) ist gibt es erst seit 2011. Eingeführt wurde er nach dem Ende der Wehrpflicht und dem Aus des Zivildienstes und sollte die bereits bestehenden Freiwilligendienste wie das Freiwillige Ökologische Jahr und das Freiwillige Soziale Jahr ergänzen sowie das bürgerliche Engagement fördern. Viele verschiedene Organisationen entsenden Freiwillige in alle Teile der Welt. In der Regel müssen die Teilnehmer einen Teil der Kosten durch Spenden einbringen. Bei Esmet Omid sind es 1500 Euro. Wer ihn unterstützen möchte, erreicht ihn unter eto881@hotmail.com.

Petra Dreu