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Stormarn Als Kind alleine auf der Flucht
Lokales Stormarn Als Kind alleine auf der Flucht
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18:19 08.08.2014
Erinnerungen: Antje und Hans (86) Andresen aus Bargteheide.
Bargteheide

An den Tag erinnert sich Antje Andresen, als sei er erst gestern gewesen. Am 30. April 1945, nur wenige Tage vor der deutschen Kapitulation, packte ihre Mutter Ruth sie — gerade zehn Jahre alt — mit ihrem wenigen Hab und Gut auf einen Planwagen und wollte sie vom mecklenburgischen Robertsdorf auf den Weg nach Pöhls in Stormarn schicken. „Mein Onkel war Offizier“, erinnert sich die 80-Jährige mit stockender Stimme an die schreckliche Zeit kurz vor Kriegsende. „Er hat uns ein Militärauto geschickt und da bin ich dann mitgefahren. Ich weiß gar nicht, wie wir das geschafft haben. Wir wurden ja kontrolliert“, sagt Antje Andresen und ist heute noch glücklich über den Umstand, dass sie damals als Kind alleine die Reise zu den Großeltern Witting „irgendwie überstanden hat. Am 1. Mai 1945 um 10 Uhr bin ich in Pöhls angekommen“, erzählt sie und Jahrzehnte später kullern ihr dabei immer noch Tränen über die Wangen. „Erst 1947 kam meine Mutter nach und Vater wurde aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.“

An den Alltag auf dem 50 Hektar großen Hof bei Wismar kann sich Antje Andresen bestens erinnern. „Mutter war ehrenamtliche Bürgermeisterin und bewirtschaftete den Hof alleine, Vater und meine beiden Brüder waren weg, einer fiel später an der Front“, erzählt sie. Vom Krieg habe sie anfangs nicht viel mitbekommen, „erst als die Flüchtlinge kamen, aber die fand ich interessant. Das war fast wie ein Abenteuer, ich fand das spannend“, erinnert sich die Bargteheiderin und sagt heute: „Als Kind habe ich die Tragweite und die Gefahr des Krieges gar nicht erfasst.“

Im Laufe der Zeit verstärkte sich überall im Land der Zugriff auf die Jugendlichen, deren Alltag immer weniger von der Schule bestimmt wurde. Vielmehr wurden Kinder und Jugendliche klassenweise immer öfter zum Ernteeinsatz verpflichtet. Zu ihrem Alltag gehörte dann tatsächlich auch das Auflesen von Kartoffelkäfern. „Auf dem Land ging es uns zum Glück noch ganz gut“, sagt Antje Andresen, „wir haben nie Hunger leiden müssen.“ Vermisst habe sie als Kind nichts. „Wir hatten ja alle nichts“, sagt sie, „da kann man auch nichts vermissen.“ Man habe viel selbstgemacht, viel genäht, gebastelt und gesungen. „Aus altem Stoff wurde neue Kleidung genäht. Ein Teil gab es dann auch mal zu Weihnachten geschenkt.“ Und am Wochenende gab es „die große Reinigung. Immer sonnabends konnten wir baden“, erinnert sich die 80-Jährige.

Antje Andresen kam in den Kriegswirren zu den Großeltern Witting und zu ihrem Vetter Ulrich, der heute noch mit seiner Frau Heidrun in Pöhls lebt (siehe Text ganz rechts). Erst dort gab es wieder Unterricht, von einem Privatlehrer.

vb

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