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Stormarn Glasmalereien geben Rätsel auf
Lokales Stormarn Glasmalereien geben Rätsel auf
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15:47 08.02.2019
Diese Glasmalerei befindet sich in einer Villa in der Lübecker Straße in Bad Oldesloe. Quelle: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

Die Ölgemälde sind nicht die einzigen Schätze, die Jürgen Seemann vor der Zerstörung bewahrte. Ihm ist es zu verdanken, dass auch eine hübsche Villa „Sophie“ in der Lübecker Straße vor dem Abrissbagger verschont blieb. Das stattliche Gebäude aus der Gründerzeit sollte eigentlich einem Apartmentkomplex weichen. Doch Seemann schaltete sich noch rechtzeitig ins Bieterverfahren ein und bekam zum Glück den Zuschlag.

Wintergarten ersetzt Rolltore

„Ich liebe alte Häuser und Gegenstände“, gesteht der Steuerfachmann. Er firmiert mit der Oldesloer Niederlassung seiner Kanzlei in der Lübecker Straße. Als er Gebäude und Grundstück übernahm, war das Anwesen ziemlich heruntergekommen, wie er berichtet. Es habe Jahre gedauert, bis alles wieder wohnlich und vor allem stilecht hergerichtet war. Auf der Rückseite der Villa befanden sich riesige Rolltore. Das Technische Hilfswerk, das von 1966 bis 1983 in der Lübecker Straße saß, hatte sie einbauen lassen, um dort Einsatzfahrzeuge unterzubringen. Unter Seemanns Regie entstand an ihrer Stelle ein lauschiger Wintergarten.

Nicht in der Stormarner Denkmalliste

Prunkstück der Villa ist aber ein riesiges farbiges Glasfenster, das den Treppenaufgang ziert. Eingerahmt von floralen Jugendstilmotiven zeigt es einen Ritter mit Lanze und Schild. Seemann hat bereits versucht herauszubekommen, was es mit dieser Darstellung auf sich hat. Das Glasbild ist beim Landesamt für Denkmalpflege Schleswig Holstein bereits gemeldet worden, befindet sich aber auf einer Liste von Objekten, die noch nicht abschließend bewertet wurden, wie der zuständige Sachverständige auf LN-Anfrage mitteilte. „Die Entstehungszeit liegt sicherlich um 1900“, schätzt Bastian Müller. Er ist sich aber nicht, ob das Bild ursprünglich aus der Villa stammt. Da es sich in einem modernen Rahmen befinde, könne es auch aus Einzelteilen zusammengesetzt und leicht umgeordnet worden sein. Das müsse erforscht werden. Das gesamte Gebäude ist übrigens seit 1994 Bestandteil einer Erhaltungssatzung, die die Stadt Bad Oldesloe erlassen hat, um zu vermeiden, dass „das stadtgeschichtliche Erbe der Villenbebauung“ verloren geht. Kritisch wird darin angemerkt, dass die amtliche Denkmalpflege das beginnende 20. Jahrhundert in der Stadt „nur marginal gewürdigt hat“.

Villa im Travemünder Casino verzockt

Seemanns Recherchen zufolge hat die Villa einst einem reichen Pelzhändler gehört. „Dazu gehörte noch ein riesiges Grundstück mit 40 Hektar Land, das bis an den Poggenseer Weg reichte“, erzählt er. Doch der Mann habe letztlich sein ganzes Vermögen im Travemünder Spielcasino verzockt. Die Immobilie sei dann ins Eigentum des Bundes übergangen und wurde Sitz des Kreiswehrersatzamtes. „Wie viele andere junge Oldesloer bin auch ich damals auf dem Dachboden der Villa gemustert worden“, erinnert sich Seemann. Er würde sich freuen, wenn sich noch mehr Informationen über das Haus und das Glasbild finden ließen. Der Ritter mit siebenarmigem Leuchter auf dem Schild, die ihn umgebenden Tier- und Pflanzensymbole, aber auch die eingearbeiteten Schriftbänder geben einige Rätsel auf.

Dorothea von Dahlen

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