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Stormarn Alter Friedhof: Sanierung wird teurer
Lokales Stormarn Alter Friedhof: Sanierung wird teurer
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10:00 22.09.2019
Das Torhaus stammt von Alexis de Chateuneuf. Quelle: Bettina Albrod
Bad Oldesloe

Die Umgestaltung des Alten Friedhofs in Bad Oldesloe wird zehn Prozent teurer als geplant. Damit werden die Gesamtkosten bei rund 970 000 Euro liegen. Das ergab die Vorstellung des aktuellen Planungsstands am Montag im Wirtschafts- und Planungsausschuss der Kreisstadt. Als Grund für die Kostenzunahme nannte Landschaftsgärtnerin Claudia Obergärtner vor allem die steigenden Preise im Bausektor. Eine Erschließung des Beste-Wanderwegs soll nach Beschluss der Ausschussmitglieder entfallen. Auch die geplanten Spielgeräte sollen wegfallen.

Abstimmung mit dem Denkmalschutz

Das von dem Hamburger Architekten Alexis de Châteauneuf konstruierte historische Torhaus bleibt der offizielle Eingang des Friedhofs, der 1823 angelegt wurde und zahlreiche historische Schätze aufweist. „Mittlerweile hat eine Abstimmung mit dem Denkmalschutz und dem Naturschutz stattgefunden“, sagte Claudia Oberländer. Deshalb solle der Zuweg zum Torhaus dunkel gefliest werden, um nicht vom Torhaus abzulenken. Das ursprüngliche Kopfsteinpflaster verschwindet, weil es als schwer begehbar gilt. Weiter solle die Struktur des Friedhofs mit vier Quadranten und dem Obelisk im Zentrum wieder aufleben. Der Platz am Obelisk solle so angelegt werden, dass die Bänke dort den Blick in den Park erlaubten. Dazu sind Stauden- und Gräserbeete geplant. Gestrichen wurde das Plateau mit Treppe zur Trave, um nicht in das FFH-Gebiet Traveufer einzugreifen. Hier sehen die Pläne der Landschaftsarchiteken eine kleine Wiesenfläche bis zur Kante des Weges vor. „Damit soll der Endpunkt des Weges erkennbar werden.“

Bürger hatten Gelegenheit, ihre Wünsche zum historischen Friedhof einzubringen. Quelle: Bettina Albrod

Am Zugang Berliner Ring wird ein trapezförmiger Platz mit Lageplan und einem Informationssystem angelegt, das über die Geschichte des historischen Friedhofs informiert. Das kann per QR-Code passieren, so dass auch Audioinformationen abrufbar werden. „Auch auf dem Friedhof werden kleine Informationsschilder über drei Gräber informieren.“ Die Grabsteine selbst werden wegen ihres malerischen Äußeren nicht angetastet, die Infotafeln sollen so zurückhaltend gestaltet werden, dass sie das Gesamtbild nicht stören. Die Wiesenflächen werden nicht zum Spielen frei gegeben, allerdings fließt in die Planung auf Anregung der Betreiber des Bella-Donna-Hauses ein kreisförmiges Labyrinth auf einer der Wiesen mit ein.

25 alte Grabsteine stehen noch auf dem alten Friedhof in Oldesloe. Quelle: Bettina Albrod

„Aus Kostengründen wird es keine Liegen und Hängematten im Gelände geben“, erklärte die Planerin, hier könnten aber für Veranstaltungen mobile Liegen aufgestellt werden. Einzelne Punkte des Parks – unter anderem das Torhaus – werden durch indirekte Beleuchtung in Szene gesetzt. Die Pläne sahen auch eine Gestaltung der Wiese neben dem Friedhof mit kleinen Spielgeräten vor, doch der WPA sprach sich am Montag dagegen aus. „Die Wiese sollte unbebaut bleiben“, so Anita Klahn (FDP), wenn überhaupt Spielgeräte, dann Naturgeräte wie ein Baumstamm. Wilfried Janson (Die Grünen) verwies auf einen früheren Beschluss, diese Wiese unangetastet zu lassen. Andere argumentierten, dass Spielgeräte nicht auf einen Friedhof passten. Schließlich wurde einstimmig beschlossen, die früher dazu gefassten Beschlüsse umzusetzen und nicht weiter in die Natur einzugreifen, so dass die Wiese Naturfläche bleibt.

Keine Treppe zur Beste

Eine Absage gab es auch für den Plan, eine Treppe hinunter zur Beste zu bauen und dort den Uferwanderweg zu erschließen. Claudia Oberländer stellte zunächst verschiedene Modelle vor, wonach das Ufer über eine Pfahltreppe oder eine gerade Metalltreppe oder eine gewendelte Treppe erreicht werden könnte. Am Ufer könne ein wassergebundener Weg ausgebaut werden. Hier lägen die Kosten je nach Modell zwischen 380 000 und 560 000 Euro.

Die alte Lindenallee ist noch deutlich zu erkennen. Quelle: Bettina Albrod

„Das ist ein toller Entwurf“, lobte Dr. Hartmut Jokisch (Die Grünen). „Aber die Maßnahme ist zu teuer und ein Eingriff in die Natur.“ Bürgermeister Jörg Lembke gab zu bedenken, dass die Stadt bereits ein Grundstück für die Maßnahme erworben habe und bei Nichtnutzung eventuell Fördermittel zurückzahlen müsse. „Das wäre trotzdem günstiger als der Bau“, argumentierte Hans-Hermann Roden (SPD). Auch Anita Klahn warnte vor einem Eingriff in den sensiblen Bereich. „Man sollte das natürliche Areal erhalten.“ Der Verzicht auf die Wegebeziehung wurde schließlich bei zwei Enthaltungen beschlossen.

Von Bettina Albrod