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Stormarn Anwohner der A 1: Wann kommt der Lärmschutz?
Lokales Stormarn Anwohner der A 1: Wann kommt der Lärmschutz?
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12:33 09.04.2019
Horst Gehrke: „Für die Anwohner in Benstaben ist der Autobahnlärm eine Zumutung. Vor allem, weil man miterlebt, wie fünf Kilometer weiter für einen Feldversuch 20 Millionen Euro ausgegeben werden. Und für Lärmschutzmaßnahmen ist kein Geld da." Quelle: Britta Matzen
Benstaben

 In Barnitz ist Lärm ein Dauerbrenner. Die A 1 führt mitten durch die Gemeinde und zerschneidet die Ortschaften Benstaben und Klein Barnitz. „Wir haben ein großes Problem mit dem Lärm der Autobahn. Uns ist schon angst und bange, wenn der Belttunnel fertig ist und sich der Verkehr noch kräftig erhöht“, sagt Horst Gehrke. Denn davon sei auszugehen. „Wenn die Leute problemlos mit ihrem Auto fahren können, ohne eine Fähre zu benutzen, erhöht sich in der Regel der Durchfluss.“

Doch auch ohne den Belttunnel sei der Krach der Autobahn unerträglich. Gehrke wohnt Luftlinie ein paar hundert Meter von der Autobahn entfernt. Wie viele Klein Barnitzer und Benstabener schläft er schon seit Jahren nicht mehr bei offenem Fenster. „Da kriegt man nachts kein Auge mehr zu.“ Besonders schlimm betroffen sind die Anwohner, die in der Nähe der Autobahnbrücke wohnen. „Gerade hier oben ist das für die Leute eine Zumutung. Vor allem, weil man miterlebt, wie fünf Kilometer weiter für einen Feldversuch 20 Millionen Euro ausgegeben werden. Und für Lärmschutzmaßnahmen ist kein Geld da. Das ist doch unverständlich“, findet der Benstabener.

Lärmschutz stammt aus den Siebzigern

Früher war die Autobahn 1 vierspurig, 1988 wurde sie auf sechs Spuren erweitert. Bei der Planfeststellung hätte die Gemeinde Barnitz fordern sollen, dass der Lärmschutz verbessert wird. „Das haben unsere Vorväter aber leider versäumt“, weiß Gehrke. Die zuständigen Stellen beim Land würden sich genau darauf berufen und argumentieren, man hätte damals daran denken müssen. „Aber das kann doch nicht sein, dass die nächsten Generationen leiden müssen, nur weil vor 30 Jahren etwas nicht bedacht wurde“, so der Anwohner. Seitdem muss die Gemeinde mit Schallschutz vorliebnehmen, der noch aus den 70er Jahren stammt. „Eine dünne Wand aus Hartplastik. Wir sagen immer, das sind Teile aus dem Baumarkt.“

Bürgermeister Hans-Joachim Schütt und Amtsdirektor Stefan Wulf haben sich schon wiederholt für einen verbesserten Lärmschutz eingesetzt. „Sogar Bundestagsabgeordneter Ingo Gädechens (CDU) war hier und hat sich das angeschaut. Aber es ist danach nie wieder etwas passiert“, beklagt Gehrke. Dabei ist vor zwei Jahren erst die Decke der Autobahn erneuert worden. „Unser Nachbar hat nachgemessen. Die Fahrbahn ist dabei höher gekommen. Allein aus dem Grund kann der vorhandene Schallschutz gar nicht mehr ausreichen. Wenn man sieht, wie in Bad Schwartau der Schutz erneuert wird und wie hoch der ist, dann ist das bei uns mit nur rund 2,50 Meter ein Witz.“

Hamberge hat Rechtsanspruch auf Schallschutz

Anders als Barnitz hat sich Hamberge 1988 beim Planfeststellungsverfahren zum Autobahnausbau einen Rechtsanspruch auf Lärmschutz gesichert. „Wir haben das aber nur durchgesetzt gekriegt, weil die ihren E-Highway bauen wollten und dafür unsere Zustimmung brauchten“, berichtet Bürgermeister Paul Friedrich Beeck. Die Gemeinde hat der Landesregierung die Pistole auf die Brust gesetzt. „Wir haben gesagt: Ja, ihr bekommt unsere Zustimmung für den E-Highway, selbstverständlich. Aber dafür müsst ihr uns den Lärmschutz bauen“, so Beeck. Ein cleverer Schachzug.

Paul Friedrich Beeck, Bürgermeister von Hamberge: „Wir haben einen rechtsverbindlichen Vertrag, der besagt, dass sich das Land verpflichtet, für die Gemeinde Lärmschutz herzustellen. Wenn die Regierung sich nicht daran hält, können wir klagen.“ Quelle: Britta Matzen

Inzwischen hat Hamberge mit dem Land Schleswig-Holstein einen rechtsverbindlichen Vertrag, der besagt, dass sich das Land verpflichtet, für die Gemeinde Lärmschutz herzustellen. „Das ist nicht mehr irgendein Versprechen eines Politikers, sondern ein Vertrag. Wenn das Land sich nicht daran hält, können wir vor Gericht gehen“, schildert Beeck.

Da die Schallschutzwand ein größeres Vorhaben ist, muss jedoch ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden. „Der erste Schritt ist ein Umweltgutachten“, informiert Beeck. Ein Jahr lang wurde geprüft, ob in dem betroffenen Gebiet seltene Tiere oder Pflanzen anzutreffen sind. „Im Januar sollte die Untersuchung abgeschlossen sein. Die Ergebnisse habe ich aber noch nicht“, so der Hamberger Verwaltungschef. Nach der Auswertung werde festgelegt, ob Ausgleichsmaßnahmen erfolgen müssen. „Wie bei der Fehmarnbeltquerung werden die Ergebnisse ausgelegt, die Gemeinde, Umweltverbände und Bürger können dazu Stellung nehmen. Das Verfahren wird bestimmt noch zwei, drei Jahre dauern, je nachdem, ob man was findet. Erst dann kann ausgeschrieben und irgendwann gebaut werden“, rechnet Beeck vor. Für den Fall der Fälle hat die Gemeinde allerdings vorgesorgt. „Wir haben schon Flächen erworben, die als Ausgleichsflächen dienen können.“

Minister Buchholz will Einweihung feiern

Die Landesregierung sollte bei der Umsetzung des Schallschutzes in Hamberge besser auf die Tube drücken. Beeck: „Verkehrsminister Bernd Buchholz hatte uns damals versprochen, dass er in seiner Legislaturperiode noch die Einweihung feiern will.“ 2022 wählt Schleswig-Holstein ein neues Parlament, bleiben also noch drei Jahre.

Britta Matzen

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