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Stormarn Archäologen vermuten: Burg Stegen größte Anlage dieser Art in Schleswig-Holstein
Lokales Stormarn Archäologen vermuten: Burg Stegen größte Anlage dieser Art in Schleswig-Holstein
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18:00 10.10.2019
Mit einem Metalldetektor suchen die Archäologen nach Metallgegenständen. Quelle: Bettina Albrod
Bargfeld-Stegen

Burg Stegen aus dem 14. Jahrhundert war wesentlich größer als bisher angenommen. Das ist das Ergebnis archäologischer Untersuchungen in Bargfeld-Stegen, die derzeit am Standort der mittelalterlichen Motte – so der Fachbegriff für einen künstlich angelegten Hügel mit einem Turmbau – vorgenommen werden. Die Gesamtanlage wurde von Gräben oder Palisaden geschützt und konnte weitere Gebäude oder eine Vorburg umfassen. „Es handelt sich bei Burg Stegen um eine riesige Anlage“, erläutert Grabungsleiter Dr. Felix Biermann von der Universität Greifswald, „eventuell ist sie die größte Anlage dieser Art in Schleswig-Holstein und damit besonders interessant und von hohem denkmalpflegerischem Wert“.

Vier Burghügel aufgeschüttet

Nachdem in ersten Grabungen in den 90er-Jahren die Grundrisse des großen Burgturms bestimmt werden konnten, bietet sich den Archäologen heute nach geomagnetischen Untersuchungen und gezielten Grabungen ein umfassenderer Blick auf die historische Burganlage. „Hier sind mindestens vier Hügel im Bereich der Alten Alster aufgeschüttet worden“, erklärt Biermann. Neben einem für den Hauptturm, der mit elf mal 13 Metern sehr groß war, lassen sich weitere Hügel für eine Vorburg, einen Garten, der in einer Karte erwähnt ist, sowie ein zusätzlicher Burghügel ausmachen. Auch eine angrenzende Weide gehörte zum Gelände der Burg, auf der bereits alte Backsteine freigepflügt wurden.

Dr. Felix Biermann präsentiert einen alten Fachwerkbalken. Quelle: Bettina Albrod

Die außerordentliche Größe der Burg weise darauf hin, dass Burgherr Johann von Hummersbüttel damit eine Machtdemonstration beabsichtigt habe, sagt Biermann. „Hier hat ein Aufsteiger aus niedrigem Adel die bestehende Ordnung in Frage gestellt.“ Denn dem Herzog von Holstein als Landesherr und dem nahen Hamburg war der wehrhafte Hummersbüttel, der die Handelswege nach Hamburg und Lübeck kontrollierte, über militärische Mittel verfügte und die Abgaben nicht zahlte, ein Dorn im Auge. Deshalb kam es 1347 zu einer monatelangen Belagerung der Burg.

Mehr lesen: Archäologen wollen Burg Stegen untersuchen

Um den Verteidigungswert der Burg zu steigern, habe der Burgherr das Wasser in der Alsterniederung aufgestaut und die Burg damit unangreifbar gemacht. Da Burg Stegen nicht eingenommen werden konnte, kam es schließlich zu einem Vertrag, nach dem von Hummersbüttel gegen Zahlung von 5000 Mark Silber nach Dänemark abzog und die Burg zerstört wurde. „Überall liegen Ziegel- und Feldsteine“, sagt der Historiker, „die Burg ist noch da, nur völlig zerstört.“

70 Armbrustbolzen gefunden

Die historische Geschichtsschreibung liefert einen Bericht über das Werden und Vergehen der Anlage, die um 1330 erbaut wurde. Vieles davon hoffen die Fachleute durch ihre Funde verifizieren zu können. „Besonders wertvoll für die zeitliche Einordnung sind Holzpfähle, die wir gefunden haben und die mittels dendrochronologischer Auswertung eine Datierung ermöglichen“, hebt Biermann hervor. Der Fund von bisher 70 Armbrustbolzen, die sich auf eine Ecke des Geländes konzentrieren, lasse heute den Angriffsweg nachzeichnen, den die Belagerer ausgewählt hatten. Unter anderem hatten sie eine Steinschleuder herbei geschafft, um die Anlage unter Beschuss zu nehmen.

Im Heimatmuseum Bad Oldesloe steht ein Modell, das zeigt, wie Burg Stegen ausgesehen haben könnte. Quelle: Heimatmuseum OD

Zu den überraschenden Entdeckungen gehört ein rechteckiger Steinkeller mit Feldsteinfundament, in dem die Wissenschaftler Keramik des 14. Jahrhunderts gefunden haben. „Wahrscheinlich handelte es sich um einen Vorratskeller“, vermutet Biermann. Militaria wie Speerspitze und Armbrustbolzen, dazu ein Hufeisen, Schloss und Schlüssel, Reitersporn, das Bruchstück einer silbernen Münze, eine Gürtelschnalle, ein Glas und weitere Gebrauchsgegenstände erlauben Einblicke in den Alltag des 14. Jahrhunderts. Besonders aufschlussreich ist der Fund eines Petschaft – ein Siegelstempel –, mit dem eine mittelalterliche Unterschrift sichtbar gemacht werden kann und damit eine genaue Identifizierung erlaubt.

Ausgrabungsstätte wird wieder zugeschüttet

Geplant ist eine wissenschaftliche Publikation, zu der auch der Stormarner Historiker Günther Bock beiträgt. Die Funde werden dokumentiert, wissenschaftlich ausgewertet, restauriert und ins Landesmuseum nach Schleswig gebracht. Eine Drohne macht Luftbilder von der Ausgrabungsstätte, ehe alles wieder zugeschüttet wird. Allerdings soll die Burg mittels digitaler Wissensbank weiter zugänglich bleiben: Eingebettet ist die archäologische Erschließung in ein Gesamtkonzept der Gemeinde Bargfeld-Stegen, das den Hamburger Naherholungsraum aufwerten und das nahe Café Stegen, Rad- und Wanderwege sowie den historischen Alster-Trave-Kanal einbinden soll.

Derzeit graben Archäologen die Reste von Burg Stegen zwischen Bargfeld-Stegen und Kayhude aus. Sie war eine der größten Burganlagen in Schleswig-Holstein.

Mit Apps, Infotafeln und dem „Regiobranding“ über ein Einpflegen der Erkenntnisse in das bundesweite Projekt „KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.“, das ist ein Informationssystem über die historische Kulturlandschaft und das landschaftliche Kulturelle Erbe einer Region, soll Burg Stegen touristisch erlebbar werden. Landschaftsarchitektin Urte Schlie will das Gelände so gestalten, dass die historischen Grundlinien wieder sichtbar werden.

Das Petschaft trägt eine Unterschrift aus der Vergangenheit. Quelle: Bettina Albrod

„Die Funde sollen erlebbar werden“

Im Rahmen der Erhaltung des kulturellen Erbes des Landes Schleswig-Holstein hat die Gemeinde Bargfeld-Stegen das Vorhaben „Gestaltung des Kultur- und Erlebnisraums um die Burganlage Stegen an der Alster, Gut Stegen“ beschlossen und für die Umsetzung bereits eine namhafte Landesförderung eingeworben. „Bisher liegen die Kosten für das Gesamtpaket bei 660 000 Euro“, sagt Ulrich Bärwald, der das Projekt bei der Amtsverwaltung Bargteheide-Land begleitet. 335 000 Euro Fördermittel sind bereits zugesagt, weitere 160 000 Euro könnte die Stiftung Alsterdorf beisteuern, die in das Tourismuskonzept eingebunden wird.

Wo ist der Silberschatz?

Der Überlieferungnach soll im 15. Jahrhundert bei Burg Stegen ein Silberschatz von gut 3000 Silbermark versteckt worden sein. Bisher hat ihn niemand gefunden – auch die Archäologen nicht. Da das gesamte Gelände mit Metalldetektoren abgesucht wurde, wird der Silberschatz wohl eine Legende bleiben.

Die Ausgrabungsgrubenwerden gleich nach der Dokumentation wieder zugeschüttet. Sollte weiterer Grabungsbedarf bestehen, werden sie erneut freigelegt. Private Grabungen sind dort verboten.

„Wir entwickeln gerade ein Konzept“, ergänzt Bürgermeister Andreas Gerckens. „Wir wollen die Funde erlebbar machen.“ Rad- und Wanderwege oder eine Paddelstation am nahen Wasserweg sollen das Gebiet, das die Gemeinde in den 90er-Jahren für eine Mark vom Kreis gekauft hat, zugänglich machen. Mit einer Umsetzung rechnen die Verantwortlichen 2021/22.

Von Bettina Albrod

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