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Stormarn Archäologen wollen Burg Stegen untersuchen
Lokales Stormarn Archäologen wollen Burg Stegen untersuchen
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10:21 05.02.2019
Roland Willmann (v.l.), Urte Schlie, Jörg Meyer, Andreas Gerckens, Carsten Unger und Ulrich Bärwald auf der alten Burganlage. Quelle: Bettina Albrod
Bargfeld-Stegen

Als beim letzten Sturm in Bargfeld-Stegen viele Bäume umstürzten, hatten einige in den Wurzeln alte Ziegel und Steine hängen. Sie stammen aus dem 14. Jahrhundert, als an dieser Stelle die Raubritterburg von Johann von Hummelsbüttel stand. Was die Wurzeln schon angefangen haben, wollen Archäologen jetzt fortsetzen: Das 8000 Quadratmeter große Gelände der denkmalgeschützten Burgstelle Stegen soll demnächst archäologisch genauer untersucht und eventuell ausgegraben werden. Dazu sind Rodungsarbeiten nötig, die am Montag begonnen haben.

Im Wurzelwerk der Bäume sieht man mittelalterliche Ziegel hängen. Ulrich Bärwald betreut das Projekt. Quelle: B.Albrod

„Bis Ende Februar sollen Bäume und Büsche beseitigt werden“, erläutert Ulrich Bärwald, der das Projekt für die Amtsverwaltung Bargteheide-Land begleitet. Dadurch soll Platz geschaffen werden für archäologische Untersuchungen, die zunächst mit einem Scannen der Oberfläche mittels elektromagnetischer Wellen beginnen, um mögliche Grabungsstätten zu bestimmen. Eine erste Grabung fand 1899 statt. „Bei einer zweiten Grabung 1986 sind die Umrisse eines Turms gefunden worden, dessen Grundriss wir damals mit Feldsteinen gekennzeichnet haben“, erläutert Bärwald. Tatsächlich vermuten Fachleute, dass die Burganlage in Form einer so genannten Motte viel größer war. Denkbar sei, so Bärwald, dass in dem steinernen Turm der Burgherr gelebt habe und dass drum herum Wirtschaftsgebäude und ein Garten gewesen seien, unter Umständen mit hölzernen Palisaden eingerahmt. „Ein Teil des Geländes ist noch nie untersucht worden, die Burganlage ist noch relativ unerforscht.“ Das liege auch daran, dass nur ein Teil des Geländes der Gemeinde gehöre, ein anderer in Privatbesitz sei.

 

Im Heimatmuseum Bad Oldesloe steht ein Modell, das zeigt, wie Burg Stegen ausgesehen haben könnte. Quelle: Heimatmuseum OD

Pilotprojekt zur Burg

Bürgermeister Andreas Gerckens hat das Projekt angestoßen, nachdem die Anlage nach einer Freilegung 1994 einige Zeit in Vergessenheit geraten und vollständig zugewuchert war. Gerüchte besagten, so der Bürgermeister, dass früher Feldsteine der alten Burganlage im Dorf verbaut worden seien. Eingebettet ist die archäologische Erschließung in ein Gesamtkonzept, das den Hamburger Naherholungsraum aufwerten und das nahe Café Stegen, Rad- und Wanderwege sowie den historischen Alster-Trave-Kanal einbinden soll, der unmittelbar an der Burgstelle entlang fließt und 2024 Jubiläum feiert: 1524 wurde der Vertrag geschlossen, um die Wasserstraße anzulegen.

Auch Paddeln auf der Alster, der Barockpark in Jersbek oder das Herrenhaus Borstel sind Eckpunkte der Naherholung. Denkbar seien weiter ein Wanderparkplatz, die Anbindung an den Alsterwanderweg und an das Naturschutzgebiet Nienwohlder Moor. Eine Inlineskater-Bahn, Beschilderung, eine Anlegestelle für Kanus und gastronomische Angebote in Verbindung mit dem nahen Hofladen kommen dazu. Die Schaffung von Spielstationen am Wegesrand könnten das Gebiet für Familien zusätzlich attraktiv machen.

So könnte die historische Burg ausgesehen haben. Quelle: ST

„Die Maßnahme kostet zwischen 600.000 und 700.000 Euro“, erläutert Gerckens, „das kann die Gemeinde alleine nicht zahlen. Deshalb bewerben wir uns um Fördermittel.“ Eine erste Zusage über 53 Prozent ist vom Land Schleswig-Holstein gekommen. „Geplant ist hier ein digitaler Lehrpfad als Pilotprojekt in Schleswig-Holstein.“ KuLaDig ist die Abkürzung für „Kultur. Landschaft. Digital.“ - ein Informationssystem über die Historische Kulturlandschaft und das landschaftliche Kulturelle Erbe, das gesichert und digital abgerufen werden kann. Die Datenbank befindet sich im Aufbau, und Bargfeld-Stegen ist ganz vorne mit dabei. Touristen sollen künftig nicht nur an historischer Stätte wandern, Radfahren und picknicken, sondern auch per App am Lehrpfad kulturhistorische Informationen über die Burg abrufen können.

Raufbold und Wasserstauer

So weiß man, dass Burgherr Johann von Hummelsbüttel, der als Raufbold und Wasserstauer in die Geschichte einging, das Wasser in der Alsterniederung aufstauen ließ, um die Burg sicherer zu machen. Das flussabwärts entzogene Wasser sowie Überfälle auf vorüberziehende Kaufleute führten 1347 zur Belagerung der Burg. Trotz des Angriffs mit schwerem Kriegsgerät, unter anderem mit Steinschleudern, konnte sie aber nicht eingenommen werden. Erst 1348 gelang es König Waldemar IV, die Aufgabe der Burg und den Abzug des Burgherrn zu erreichen. Danach wurde Burg Stegen zerstört.

KuLaDig

KuLaDig - Kultur. Landschaft. Digital. - ist ein Informationssystem über die Historische Kulturlandschaft und das landschaftliche Kulturelle Erbe. KuLaDig befindet sich im Aufbau, der Datenbestand wird ständig ergänzt.

Nun soll die Burg wieder erstehen, zumindest in der Datenbank. „Der Boden wird vorbereitet, damit Archäologen untersuchen können, wo Gebäude standen, wo Palisaden waren und was davon noch übrig ist“, sagt Landschaftsarchitektin Urte Schlie. „Schweres Gerät ist nicht erlaubt, damit das archäologische Denkmal möglichst wenig beeinträchtigt wird.“ Eventuell sollen hier später archäologische Ausgrabungen stattfinden. Wo jetzt Gestrüpp, Ranken und Buschwerk die Burganlage verbergen, soll später die Anlage wieder erkennbar werden und in Rasenflächen eingebettet sein. „Möglicherweise weiden hier dann Schafe, um den Rasen kurz zu halten“, sagt Bärwald.

Bettina Albrod

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