Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Wohnungsnot schafft Probleme für Flüchtlinge in Reinfeld und Umgebung
Lokales Stormarn Wohnungsnot schafft Probleme für Flüchtlinge in Reinfeld und Umgebung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 05.05.2019
Im rechten Trakt der Alten Schule in Reinfeld sind geflüchtete Menschen untergebracht. Viele von ihnen dürfen ausziehen, sie finden aber keine Wohnung. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

Seit Beginn des Jahres haben Reinfeld und das Amt Nordstormarn 32 neue Flüchtlinge zugewiesen bekommen. „32 Neuzuweisungen in knapp vier Monaten haben wir in anderthalb bis zwei Jahren vorher nicht gehabt“, berichtete Udo Reichle-Röber von der Integrations- und Sozialarbeit in Reinfeld und Nordstormarn im städtischen Sozialausschuss. Es kämen zwar weniger Geflüchtete nach Deutschland. „Aber Neumünster und Boostedt schicken ständig Leute.“

Umverteilungen aus Neumünster und Boostedt

Hintergrund: Das Innenministerium will die Belegungszahlen der Landesunterkünfte deutlich reduzieren. „Das sind Umverteilungen. Die Geflüchteten, die bisher in den großen Sammelunterkünften in Boostedt und Neumünster untergebracht waren, werden auf die Kreise verteilt und kommen so zu uns“, erläutert Inga Burmeister, Fachbereichsleitung Bürgerservice der Stadt Reinfeld.

Geflüchtete in Unterkünften

In den Unterkünften der Stadt Reinfeld sind derzeit 64 Menschen untergebracht, davon 32 mit Asylbewerberleistungsbezug. 32 Menschen erhalten anderweitige Leistungen, sind aber derzeit noch auf die städtische Unterbringung angewiesen.

In den 21 Unterkünften des Amtes Nordstormarn leben 52 Personen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Weitere 52 Personen erhalten anderweitige Leistungen nach SGB II oder Grundsicherung. Letztere sind die Personen, die ausziehen dürfen, aber keinen Platz auf dem freien Wohnungsmarkt gefunden haben.

Konflikte zwischen Bewohnern

„Die Wohnsituation stellt sich in manchen Unterkünften problematisch dar. Sowohl bezüglich der ausgeprägteren Verwahrlosung in den Räumen als auch in vermehrten zwischenmenschlichen Konflikten der Bewohner“, teilte Reichle-Röber im Ausschuss mit.

Udo Reichle-Röber ist einer der Integrations- und Sozialbeauftragten in Reinfeld und Nordstormarn. Quelle: Udo Reichle-Röber / hfr

Auch den Kollegen von den Ordnungsämtern würden manchmal unschöne Dinge an den Kopf geworfen. Das möge zum einen an der Verdichtung der Belegung liegen. „Dann ist es auch so, dass viele der Geflüchteten in unklarer oder auch schlechter Bleibeperspektive sich nicht mehr um adäquates Verhalten bemühen“, sprach der Integrations- und Sozialbeauftragte Klartext. Anscheinend keine glückliche Mischung: In den Unterkünften leben Menschen ohne Bleibeperspektive auf engem Raum zusammen mit Geflüchteten, die hier eine Zukunft haben.

Geflüchtete finden keine Wohnung

„Wohnraum ist ein ganz großes Problem“, erläuterte auch Albrecht Werner von der Reinfelder Initiative Asyl. Viele der in Sammelunterkünften Untergebrachten hätten theoretisch längst ausziehen können. „Weil sie durchs Jobcenter Unterstützung bekommen oder Arbeit gefunden haben. Aber es gibt einfach keine Wohnungen in Reinfeld. Auch in Oldesloe ist es verdammt schwer, an Wohnungen zu kommen“, weiß Werner. Wenn die Stadt die Geflüchteten aus der Sammelunterkunft hinauskomplimentieren würde, würden sie als Obdachlose wieder einziehen.

Albrecht Werner engagiert sich seit 2013 für geflüchtete Menschen. Quelle: ST

Auch Reichle-Röber bestätigt: „Eines der Hauptprobleme ist die Wohnsituation. Anerkannte Asylbewerber finden ohne Beziehungen oder Kontakte nur sehr selten Wohnraum.“ Sie würden mit all den anderen Stormarnern für bezahlbare Mietwohnungen zusammen in der Schlange anstehen.

Familiennachzug kaum gefragt

„Was können Sie zum Familiennachzug sagen?“, wollte Ausschussvorsitzender Manfred Schönbohm (WIR) wissen. Einzelne hätten befürchtet, die Flüchtlingszahlen würden durch den Nachzug rasant ansteigen. Das konnte Werner nicht bestätigen. In einem Fall seien Eltern und zwei jüngere Geschwister nachgekommen, die Familie sei jedoch inzwischen nach Lübeck gezogen. Im Laufe von 2018 seien nur wenige Einzelpersonen nachgeholt worden.

Unterstützung im Alltag

Auch wenn viele der Geflüchteten schon mehrere Jahre in Reinfeld und Nordstormarn leben: Die Aufgaben für die Unterstützer sind nicht weniger geworden. „Die Bedarfe haben sich verändert. Für die Unterstützer geht es nicht mehr um die Hilfestellung beim Ankommen, sondern um Mitwirkung und Stütze im Alltag“, teilte Werner mit. Etwa im Kontakt mit Behörden und Ämtern, bei Arztbesuchen, bei Fragen des Deutschlernens, des Schulbesuchs oder bei der Suche nach Kita-, Praktikums- oder Arbeitsplätzen.

Café der Kulturen macht Sommerpause

Das Unterstützungsangebot der Ehrenamtlichen konzentriere sich in Reinfeld in erster Linie auf das Café der Kulturen. Seit mehr als drei Jahren besteht diese Einrichtung im Haus der Begegnung des DRK. „Ein Team von drei bis vier Damen betreibt das Café regelmäßig immer montags von 15.30 bis 17.30 Uhr. Aber es gibt gewisse Ermüdungserscheinungen. Das Café war in den vergangenen Monaten nicht gut besucht. Deshalb ist aktuell die Entscheidung getroffen worden, mit dem Café erst nach der großen Sommerpause am 2. September wieder zu starten. Mitte Mai beginnt Ramadan, das ist ohnehin eine Zeit, in der Muslime das Café nicht aufgesucht haben“, sagt Albrecht Werner. Die Beratungstermine bei der Tafel und die Beratung der Flüchtlings-Sozialhilfe werden weiterhin angeboten.

Fahrräder und Sprachpaten gesucht

Auch die Fahrradwerkstatt bietet Hans-Werner Struck in seiner Reinfelder Klempnerei nach wie vor an. „Er gibt gespendete Fahrräder weiter und repariert bei Bedarf. Gesucht werden nach wie vor Fahrräder, damit die neu Zugewiesenen auch mobil sind“, so Werner. Die Kleiderkammer des DRK und die Tafel der Diakonie seien ebenfalls weiterhin fest etablierte Einrichtungen für alle Bedürftigen. Im vergangenen Sommer habe die Gruppe InKomAsyl in der Evangelischen Kirchengemeinde ihre Sprach-Unterstützung mangels Schülern zunächst aufgegeben. „Im Januar dieses Jahres gab es einen erfolgreichen Neustart. Dort können Sprachpaten gerne neu einsteigen“, regt der Sprecher der Initiative Asyl Reinfeld an.

Viele andere Bedürftige

Froh ist Albrecht Werner über das neue Sozialkaufhaus in Reinfeld. „Ich habe mich mehrere Jahre um gespendete Möbel gekümmert. Nun haben wir Gott sei Dank das Sozialkaufhaus, dort habe ich schon öfter Möbel hingegeben, das ist eine große Entlastung.“ Nicht nur die geflüchteten Menschen benötigten die Möbel, sondern auch viele Reinfelder wie Bewohner des Holstenhofes, die eine Wohnung beziehen. „Das ist ein ganz wichtiger Punkt für den sozialen Frieden in Reinfeld. Wir müssen immer im Blick haben, dass es auch reichlich andere Bedürftige gibt.“

Obdachlose Frauen in den Sammelunterkünften

So mussten in den vergangenen drei Monaten drei deutsche Frauen ihre Wohnungen zwangsweise räumen. „Sie wurden als Obdachlose in den Sammelunterkünften der Stadt und des Amtes aufgenommen. Es ist schon erschreckend, dass drei Betroffene in unserem Arbeitsumfeld ihr Zuhause verloren haben“, sagte Reichle-Röber. Überhaupt beobachten sie eine Zunahme der Hilfsbedürftigkeit. Viele ältere Leute seien vor allem betroffen. „Manche haben nicht einmal vom Bürgerbüro oder von der Tafel gehört. Ein älterer Herr, der kaum noch selbstständig sein kann, wusste nicht, dass wir in Reinfeld eine Tagespflege anbieten.“ Reichle-Röber habe den Mann vom Sozialamt zugewiesen bekommen. „Ich habe ihn weiter vermittelt, er ist jetzt unter Menschen und sehr froh, dass sein Problem dort gelöst werden konnte.“

Britta Matzen

Mit der „Mädchen-WG – Urlaub ohne Eltern“ begann 2012 die Fernsehkarriere von Louisa Masciullo (20) aus Oering. Von Montag, 6. Mai, an nimmt sie auf KiKa ihre jungen Zuschauer in acht Folgen mit auf eine Reise durch Asien.

05.05.2019
Norddeutschland Stormarn, Ostholstein und Lauenburg - Notruf 112 soll wieder funktionieren

In den Kreisen Stormarn, Ostholstein und Herzogtum Lauenburg ist am Sonnabend der Notruf 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst ausgefallen. Grund dafür war ein technischer Defekt.

04.05.2019

Ein 46 Jahre alter Autofahrer ist im Kreis Stormarn verletzt worden, weil er mit seinem Wagen von der Autobahn abkam und gegen einen Baum prallte. Daraufhin fing das Auto auf der A21 am Sonnabendmorgen Feuer, wie die Polizei mitteilte. Der leicht verletzte 46-Jährige konnte sich aus eigener Kraft aus dem Auto befreien.

04.05.2019