Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Auch die Seele braucht „Erste Hilfe“
Lokales Stormarn Auch die Seele braucht „Erste Hilfe“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 14.09.2017
Gemeinsam für die Notfallseelsorge: die Pastoren Margarethe Kohl (v. l.) und Wolfgang Stahnke mit Rettungssanitäter Kai Neumann. Quelle: Foto: Mc
Anzeige
Bad Oldesloe

Eine 63-jährige Frau kommt in Bad Oldesloe vom Einkaufen nach Hause – und findet ihren Ehemann leblos auf dem Boden liegend vor. Trotz schnellem Einsatz von Notarzt und Rettungssanitätern stirbt der Mann. Weil die Angehörigen weit weg wohnen, bleibt die Frau allein zurück mit ihrem plötzlichen Leid.

So einen ähnlichen Fall hat Pastorin Margarethe Kohl aus Reinbek kürzlich erlebt. Und genau dort setzt die neue Notfallseelsorge im Kreis Stormarn an. Über eine Handynummer informiert die Rettungsleitstelle in Bad Oldesloe den gerade im Dienst befindlichen Pastor, und der macht sich auf den Weg zum Einsatzort. Im Idealfall trifft er dann ein, wenn die Rettungskräfte gerade wieder losfahren.

Anzeige

„Wir kommen dann, wenn die anderen gehen“, sagt Wolfgang Stahnke, Krankenhausseelsorger in Bad Oldesloe und Koordinator für die Notfallseelsorge für den Teil Stormarns, der zum Kirchenkreis Segeberg gehört. „Wir sind dann zwei bis drei Stunden da, sprechen mit der Person, die gerade traumatisiert ist, oder hören einfach nur zu“, ergänzt Margarethe Kohl. Die Reinbekerin koordiniert das neue Angebot für den südlichen Teil Stormarns, der wiederum zum Kirchenkreis Hamburg-Ost gehört.

Diese kirchliche Zweiteilung Stormarns war auch der Grund dafür, dass es einige Jahre gedauert hat, bis nun dieser Service der Kirche wieder eingeführt wurde. „Stormarn war zuletzt für einige Jahre ein weißer Fleck in der Notfallseelsorge“, berichtet Pastor Stahnke. Allerdings gebe es das Versprechen der Nordkirche an das Land Schleswig-Holstein, diese Form der Seelsorge flächendeckend anzubieten. Und diese Zusage wurde nun vom Kieler Innenministerium eingefordert.

Es sei jedoch auch ein Appell an die eigene Ehre gewesen, diese Betreuung von Trauernden wieder einzuführen, erläutert Stahnke. Beteiligt sind alle 41 Stormarner Pastoren (14 Kirchenkreis Segeberg, 27 Hamburg-Ost), die jeweils eine Woche lang Bereitschaftsdienst für diese Notfallseelsorge haben. Im Durchschnitt kommt es laut Kohl einmal pro Woche zu so einem Fall.

Bei den Betroffenen sei dann plötzlich das gesamte Gefüge durcheinander geraten. „Wir leisten dann Erste Hilfe für die Seele, sind aber keine Psychotherapeuten“, sagt Pastorin Kohl. Und die Notfallseelsorge gelte auch nur für den häuslichen Bereich, bei großen Unfällen zum Beispiel kämen die Geistlichen nicht zum Einsatz. Allerdings strebe das Land auch hier eine Änderung an.

Die Betreuung traumatisierter Rettungskräfte obliegt jedoch weiter den Hilfsorganisationen selbst. So gibt es zum Beispiel an der Oldesloer Rettungswache am Rögen einen wie Kai Neumann, der sich nach schlimmen Einsätzen um seine Rettungssanitäter-Kollegen kümmert. Neumann selbst ist ganz begeistert vom neuen Angebot der Kirche. „Da wird eine große Lücke geschlossen. Der Rettungsdienst wird entlastet, und die betroffenen Angehörigen werden nicht allein zurückgelassen“, sagt Neumann. Es sei ganz wichtig, dass jemand da ist für die betroffene Person, die so dann ihre Trauer durchleben kann und seelische Hilfe bekommt, um wieder handlungsfähig zu werden.

Neuer Fachbereich

Landrat Henning Görtz will die Fachbereiche in der Kreisverwaltung in Bad Oldesloe neu gliedern. Davon betroffen ist auch die Rettungsleitstelle, die die Einsätze für die Kreise Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Ostholstein koordiniert.

Bislang lag die Verantwortlichkeit für die Leitstelle in den Händen von Anja Kühl und ihrem Fachbereich Ordnung. Aufgrund der vielfältigen Aufgaben in diesem großen Fachbereich sollen einzelne Abteilungen – auch die Leitstelle – herausgelöst und ein ganz neuer Fachbereich geschaffen werden.

Der Kreistag muss dem Vorschlag am 29. September (16 Uhr) zustimmen, vorher am 20. September (18.30 Uhr) debattiert der Hauptausschuss darüber.

Markus Carstens