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Stormarn Ausbau der B 404: Werden Mollhagen und Todendorf abgehängt?
Lokales Stormarn Ausbau der B 404: Werden Mollhagen und Todendorf abgehängt?
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20:00 11.07.2019
Trafen sich zum Ortstermin an der Anschlussstelle Mollhagen: Steinburgs Bürgermeister Wolfgang Meyer, der Landtagsabgeordnete Claus Christian Claussen , Todendorfs Bürgermeister Philipp Lemke und der Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann (v.l.). Quelle: Dorothea von Dahlen
Mollhagen

Noch ist es ein Zukunftsprojekt, dessen Planung erst 2030 beginnen soll. Doch mit dem Ausbau der B 404 zur Autobahn 21, die später als entlastende Spange zwischen A1 und A 24 fungieren soll, entsteht ein überregional wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Das wiederum wird auch weitreichende Veränderungen für die umliegenden Kommunen nach sich ziehen. Einen Vorgeschmack darauf bekommen jetzt schon die Bürgermeister von Steinburg und Todendorf, Wolfgang Meyer und Philipp Lemke.

Von Sprenge nicht mehr auf die Bundesstraße

Nach der ersten, unmittelbar bevorstehenden Ausbaustufe – der Erweiterung der B 404 von zwei auf drei Fahrstreifen mit Überholmöglichkeit – wird es nicht mehr möglich sein, von Sprenge auf die Bundesstraße zu gelangen. Die beiden Bürgermeister befürchten nun, dass in späteren Jahren auch die Auffahrt Todendorf/Mollhagen stillgelegt werden könnte, wenn erst der weitere Ausbau zur Autobahn ansteht. Um das zu verhindern und rechtzeitig Einfluss auf die Politik zu nehmen, hatten sie die beiden Verkehrsexperten der CDU, den Bundestagsabgeordneten Gero Storjohann und den Landtagsabgeordneten Claus Christian Claussen, eingeladen.

Anschlussstelle Sprenge: Notauffahrt für Feuerwehr

Im Gespräch wurde schnell klar, dass der Wegfall der Sprenger Anschlussstelle wohl unumkehrbar ist. Denn laut Wolfgang Meyer wird noch in diesem Jahr mit einem Planfeststellungsbeschluss für das Projekt gerechnet, sodass der Ausbau womöglich im Mai schon startet – sofern niemand dagegen klagt. Der Bürgermeister berichtete aber vom Versuch, wenigstens eine Notauffahrt für die Freiwillige Feuerwehr Sprenge zu erhalten, die mit einer Schranke versehen ist, um Unbefugte fernzuhalten. Der Einsatz mit Schneid- und Spreizgerät bei Verkehrsunfällen gehöre schließlich zu den Schwerpunktaufgaben der Wehr. Wenn die Kameraden zu Umwegen gezwungen seien, verlängere sich die Rettungszeit, und das könne in niemandes Interesse sein. Dem pflichteten die Gäste bei. Storjohann fragte gar, warum die Gemeinde in der Sache allein kämpfen müsse und sich nicht der Kreis Stormarn für den Erhalt der Notauffahrt stark mache, da er doch fürs Rettungswesen zuständig sei.

Mehr Verkehr auf Dörfern befürchtet

Der Todendorfer Bürgermeister schilderte das ganze Ausmaß, das die verkehrlichen Veränderungen seiner Ansicht nach mit sich bringen. Er legte dar, dass Todendorf und Mollhagen künftig eine zweifache Abnabelung drohe. Schließlich stehe nicht nur zu befürchten, dass die Anschlussstelle im Zuge des A-21-Ausbaus stillgelegt werde, gleiches geschehe auch mit der Auffahrt, die es derzeit noch am Autobahnkreuz Bargteheide gebe. Sie solle später einen Kilometer in Richtung Norden nach Lasbek verlegt werden.

Da sie aber von Pendlern aus dem ganzen Umland genutzt werde, um nach Hamburg zu gelangen, sei dann mit einer Zunahme des Durchgangsverkehrs in den Dörfern zu rechnen. Die Situation verschärfe sich zusätzlich, wenn sich zwischen Lütjensee und Tremsbüttel ein Unfall mit Streckensperrung ereigne. Auch dann schiebe sich eine Blechlawine entweder durch Todendorf oder Mollhagen, was eine enorme Belastung darstelle.

Veraltete Zählungen aus dem Jahr 2006

Nach Berechnungen des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr nehme der Fahrzeugverkehr bis zum Jahr 2025 stark zu. Laut der Behörde seien dann täglich auf der Strecke 21 218 Fahrzeugen unterwegs, davon allein knapp 3000 Lkw. Storjohann bezweifelte, dass diese Angaben realistisch seien. Es handele sich um Schätzungen, die auf der Basis von Zählungen aus dem Jahr 2006 hochgerechnet seien. Es stehe zu vermuten, dass das Verkehrsaufkommen weitaus höher ausfalle. Deshalb bedürfe es dringend neuer Erhebungen.

Grafik Ausbau B 404 Quelle: Jochen Wenzel

Lemke merkte zudem an, dass die Landesstraße 90 zwischen Lasbek und Todendorf als Ausweichstrecke zu den zehn marodesten Straßen in ganz Schleswig-Holstein zähle. Die Instandsetzung sei von Jahr zu Jahr auf die lange Bank geschoben worden. Claussen merkte an, dass die Landesregierung die Mittel für die Infrastruktur mit 90 Millionen Euro im Jahr aufgestockt habe, um den Sanierungsstau zu beheben. Er versprach, sich bezüglich der L 90 mit dem Verkehrsminister zu beraten.

Steinburg soll ländlicher Zentralort werden

Um zu dokumentieren, wie wichtig die Anbindung ans überörtliche Verkehrsnetz sei, wies Meyer darauf hin, dass Steinburg kurz davor stehe, ländlicher Zentralort zu werden. Die letzte Entscheidung dazu falle bereits im September im Landtag. Die Gemeinde sei überdies dabei, ein Konzept für die planvolle positive Entwicklung auszuarbeiten. Schule, Kita, Arztpraxen, Geschäfte und drei Feuerwehren bildeten dafür eine gute Basis. Wenn es aber nicht gelinge, das alles zu erhalten und weiter auszubauen, werde Steinburg zu einer „Schlafgemeinde“ verkümmern. „Wir brauchen Mollhagen mit seinen vielen tollen Einrichtungen“, bekundete Philipp Lemke seine Solidarität mit den Steinburgern.

Storjohann gab jedoch zu bedenken, dass eine Autobahnabfahrt auch meist verstärkter Ansiedlung neuen Gewerbes verbunden ist. Er führte Henstedt-Ulzburg als Beispiel an, wo es inzwischen riesige Logistikzentren entstanden seien. „Wollen Sie das?“, fragte er die Bürgermeister. Im Detail mochten sich diese dazu noch nicht äußern. Lembke merkte nur an, dass Todendorf anders als Steinburg noch über viele freie Flächen verfüge, auf den durchaus eine Entwicklung möglich sei.

Bauarbeiten mit vielen Hindernissen

In den Bundesverkehrswegeplan wurde der Ausbau der B 404 zur A 21 bereits im Frühjahr 2016. Wie die LN damals berichteten, hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) das Projekt als „vordringlichen Bedarf plus“ eingestuft. Damals stand aber schon fest, dass die stark befahrene Bundesstraße künftig dreistreifig ausgebaut werden sollte, um ein wechselseitiges Überholen auf beiden Richtungsfahrbahnen zu ermöglichen. Damit einhergehen laut Planfeststellungsbeschluss nicht nur die Stilllegung der Anschlussstelle Sprenge, sondern auch der Rastplätze Mannhagen und Wolfsbrook-Ost, des parallelen Radweges auf einem Abschnitt östlich der B 404 sowie der Neubau von Nothaltebuchten, Wirtschaftswegen und des Knotenpunktes Zum Mühlenteich.

Die Verkehrsprognose in den Unterlagen des Beschlusses dürfte jedoch mit Vorsicht zu genießen sein. Darin ist dargelegt, dass in der Region Hamburg/Schleswig-Holstein perspektivisch mit einer Bevölkerungsstagnation ab 2015 zu rechnen sei. Gegenteiliger Auffassung sind die Autoren der Studie Kleinräumige Bevölkerungs- und Haushaltsprognose Kreis Stormarn bis 2030 des Büros Gretz Gutsche Rümenapp. Sie gehen davon aus, dass sich der Bevölkerungsanstieg auch weiterhin fortsetzen wird.

Mit dem Ausbaudes dreistreifigen Abschnitts der B 404 zwischen Lütjensee/Schönberg und Lütjensee/Gröhnwohld ist Anfang 2019 unter Vollsperrung begonnen worden, nachdem es laut einem LN-Bericht zuvor eine Klage gegen das Projekt gegeben hatte, die jedoch abgewendet werden konnte. Haselmaus und Fledermaus sorgten dann für einen zeitweisen Baustopp. Anwohner reagierten wiederum genervt, als die Arbeiten fortgesetzt wurden. Fertig werden soll die Strecke jetzt im Dezember dieses Jahres.

Dorothea von Dahlen

Eine ganze Familie aus Nütschau ist begeistert von Karate. Beim Oldesloer Karateverein Wakayama trainieren die Eltern und zwei Kinder. Tanja Warncke ist zudem zweite Kindertrainerin.

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